Land Rover Defender: Verteidiger der alten Welt

1990 führte Land Rover den Namen Defender ein, da hatte das derart bezeichnete Modell in verschiedenen Generationen schon 42 Jahre auf dem Buckel. Drei weitere Dekaden dauerte es, bis die Ur-Konstruktion endgültig Geschichte war und durch einen modernen Nachfolger abgelöst wurde. Dem jedoch droht in seiner heutigen Form ein ähnliches Schicksal wie seinem Vorgänger: ein Auto zu sein, das nicht mehr in die Zeit passt.

Defender hat einen Diesel mit 48-Volt-Mildhybrid-System

Noch ist der neue Land Rover Defender kein Saurier kurz vor dem Aussterben, doch weiß man, dass sein Antrieb, im Testwagen ein 221 kW/300 PS starker Diesel, nicht wirklich das ist, was Klimaschützer von einem Neuwagen erwarten. In der gefahrenen Version 110 ist der Offroader ein – mit Reserverad – 5,02 Meter langer ­Gigant, der in der Stadt mitunter das Gefühl aufkommen lässt, in einem kantigen Kleinlaster zu sitzen. Erspähte Park­lücken entpuppen sich oft als zu klein, und auf andere Verkehrsteilnehmer guckt man immer von weit oben herab.

Verlässt der Defender aber die Innenstadt, kommt immer mehr seine wahre Stärke zum Tragen: Er ist mit seiner Acht-Gang-Automatik, seinem geschmeidigen Motor und der Luftfederung tatsächlich ein angenehmer Reisewagen, der zudem noch locker einen Pferdeanhänger ziehen kann. Trotz seiner Ausmaße und seiner rund 2,6 Tonnen Eigengewicht bleibt man dabei in der Regel beim Verbrauch im Bereich einstelliger Liter-Zahlen, ein 48-Volt-Mildhybrid-System hilft dabei. Auf der Autobahn sind bis zu 209 km/h möglich.

Dem alten Defender etwas näher kommt das rustikale Interieur mit zerklüftetem Armaturenbrett und vielen Ablagen. Die Sitze, im Testwagen mit einem robusten Materialmix bezogen, sind sehr bequem, alles wirkt – durchaus anders als früher – sorgfältig verarbeitet.

Ein nicht sonderlich großer zentraler Monitor dient in Kombination mit einem Tastenfeld darunter als Kommandozentrale. Die beiden Drehregler der Klimaanlage sind doppelt belegt und dienen auch zum Einstellen des Terrain-Response-Systems. Der Fahrer kann das Auto und seine Assistenzsysteme so für schwierige Untergründe wie Gras, Schotter, Schnee oder Sand konfigurieren. Allerdings würde das der Offroader auch vollautomatisch erledigen. Abseits befestigter Wege ist der Defender kaum zu stoppen.

Typisch Defender und leider nicht sonderlich praktisch ist die Heckklappe bzw. Hecktür. Hier geht es nicht nach oben auf, sondern seitwärts, sodass man beim Parken nicht zu dicht an einen Hintermann heranfahren sollte.

Wäre der Strommix in Deutschland schon heute 100 Prozent öko, wäre der Diesel bereits aus der Zeit gefallen. Doch so ist es noch nicht, oft sind es nicht mal 50 Prozent des Stromes, die ohne CO2 erzeugt werden. Und jeder neue Verbraucher verringert zunächst diese Quote. Deshalb ist es nicht zu spät, wenn erst in drei Jahren ein vollelektrischer Defender kommt.

Mittelfristig aber ist klar: Der E-Defender dürfte nicht nur im Reich von König Charles III. eine weitere Revolution darstellen, sondern überall dort, wo man heute noch beherzt auf konventionelle Motoren setzt.

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