Ford Fiesta: Die letzte Ausfahrt

Ford stellt die Produktion des Kompakten heuer ein, drei Jahre bevor er seinen Fünfziger gefeiert hätte. Ein Test als Abschied.

Ford verabschiedet den Fiesta mit einem – zugegebenermaßen – nett gemachten Video. Ein Mann liest seinem Enkel aus dem Fiesta-Buch vor, mit dem Schlussresümee, dass der Fiesta seinen Job erledigt hat. Heuer wird der kompakte Ford Mitte des Jahres eingestellt. Nach 47 Jahren.

Wir haben den Fiesta als 1,0 Ecoboost Mild Hybrid mit Titanium-Ausstattung getestet. Und er gehört zu der Sorte Auto, bei dem man denkt: Braucht man eigentlich mehr?

Dabei ist der Fiesta anno 2023 gar keine Verzichtserklärung und voll mit technisch nützlichen Innovationen, von denen anno 1976 wohl nicht einmal die phantasievollsten Ingenieure zu träumen wagten.

1976

1976! Das war das Jahr, in dem die erste Generation des Fiesta vom Band rollte. Das Projekt hatte Ford 1972 unter dem Namen „Bobcat“ begonnen und die Ölkrise Anfang der 70er beschleunigte Fords Bestrebungen, ein kleines, effizientes Auto auf den Markt zu bringen. Was geschah 1976 noch? Niki Lauda hatte seinen Feuerunfall am Nürburgring, in Wien stürzte die Reichsbrücke ein und im Radio hörte man – ganz frisch – Mamma Mia von ABBA. Und ja: Auch für den Fiesta war seinerzeit ein Autoradio zu haben (sogar mit Kassettenspieler).

Heute gibt es keine Abspielvorrichtungen für Kassetten oder CDs mehr. Dafür ein Infotainmentsystem, das up-to-date ist. Ein Touchscreen in der Mitte zeigt alles, was man wissen will und ist auch von der Menüführung her logisch zu bedienen. Man kann sein Smartphone koppeln, über DAB Musik aus dem Internet hören und (in der aufwändigsten Variante, die gegen Aufpreis zu haben ist) sich via Navi zu seinem Ziel führen lassen. Dabei hat man in der letzten Fiesta-Generation noch einen sehr angenehmen Mix aus digital und analog vor sich – viele nützliche Schalter und Drehknöpfe für z.B. die Audiolautstärke oder die Klimaanlagensteuerung sind analog zu bedienen – also watscheneinfach und ohne langes Surfen in Menüs und Untermenüs inklusive entsprechender Ablenkung.

Kurzum: Der Fiesta ist ein erwachsenes Auto geworden. Mit dem man auch längere Strecken völlig entspannt herunterspulen kann – auch dem feinen Fahrwerk und den guten Sitzen sei’s gedankt.

Zurück in die Anfänge des Fiesta. Bis 1983 blieb die erste Generation auf dem Markt (und wurde sogar für einige Jahre von Europa in die USA exportiert). Ende der 80er bzw. Anfang der 90er hielten sicherheitsrelevante Features wie ABS oder später der Airbag Einzug in den Fiesta.

Mitte der 90er-Jahre teilte sich der Ford seine Gene mit dem Mazda 121 und die ausgeflippten Versionen hießen XR2i oder RS. 130 PS im XR2i 16 V waren Mitte der 90er-Jahre schon eine Ansage, vor allem in einem so kleinen, leichten und quirligen Auto (der Autor hatte das Vergnügen, damals so ein Auto zu testen).

Heute sind 130 PS bei einem Auto keine Zahl mehr, die einem Respekt abverlangt. Klar, unser Auto hat 1,2 Tonnen, die wollen bewegt werden. Der Dreizylindermotor, der Ecoboost Mild Hybrid, leistet 125 PS, das ist ausreichend Kraft und er klingt dabei nicht einmal angestrengt, solange man ihm keine höheren Drehzahlen abverlangt. Das Mild Hybrid System sorgt dafür, dass der Motor schon ausgeht, wenn man langsam auf eine rote Ampel zurollt. Vor allem aber springt er ohne sich durchzuschütteln wieder an – ganz sanft.

Den Fortschritt in der Motorentechnik zeigt auch der Verbrauch: Der 1,0 Ecoboost braucht heutzutage im Schnitt praktisch genau soviel wie der Fiesta anno 1976, aber mit dem fast Dreifachen an PS, bei ungleich weniger Emissionen.

Geschaltet wird mittels 6-Gang-Schaltgetriebe und der Fiesta hat noch immer einen echten Handbremshebel, etwas, das praktisch in keinem neuen Auto mehr vorhanden ist. Und das Knopferl für die elektrische Handbremse ist uns auch nicht abgegangen. Zugegeben: Ein anachronistisches Relikt aus vergangenen Tagen ist das Zündschloss, das nach einem echten Schlüssel verlangt – wenn man eine schlüsselloses Startsystem mag, kann man das optional bzw. abhängig von der Ausstattung bekommen.

Was kann der Fiesta noch? Ein Fahrspurhalte-Assistent ist serienmäßig, auf Wunsch bekommt man die adaptiven LED-Scheinwerfer, die bei Gegenverkehr selbsttätig abblenden – hätte man sich vor über 40 Jahren so auch nicht erwartet.

Über 22 Millionen Autos hat Ford vom Fiesta in 47 Jahren produziert und in über 50 Ländern verkauft. Mit dem Fiesta verschwindet ein weiterer (halbwegs) leistbarer Kleinwagen. Die Zukunft ist elektrisch. Im Eingangs erwähnten Video ist es ein elektrischer Ford Puma, der sich anschickt, die Nachfolge des Fiesta anzutreten.

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