Volvo XC40 Pure Electric mit neuem Antrieb im Test

Wir haben es schon mal geschrieben, aber wir kauen nochmal genüsslich drauf rum: Der Volvo XC40 mit Elektroantrieb ist das einzige Auto seit Jahrzehnten, das ohne Generationswechsel von Front- auf Heckantrieb wechselt. Außerdem erhielt das Kompakt-SUV neue Motoren und Batterien. All das war wahrhaftig mehr als Grund genug, um nach Göteborg zu fahren und das Auto zu testen.

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Bevor wir zu unseren Testeindrücken kommen, noch kurz die Basics: Der Volvo XC40 ist ein 4,44 Meter langes Kompakt-SUV auf Basis der Multi-Antriebs-Plattform Common Modular Architecture (CMA). Es gibt ihn mit Heck- und mit Allradantrieb, sowie mit zwei verschiedenen Batterien. Erst beim Technik-Update zum Modelljahr 2023 kam die Version Single Motor Extended Range mit Heckantrieb und großer Batterie hinzu:

Antriebe: Höllisch schneller Allradler macht viel Spaß

Zunächst stieg ich in den XC40 Twin Motor und war wie zuvor schon Kollege Manu bei seinem Test des XC40 völlig perplex von dem Sprintverhalten: Der 300 kW starke Allradantrieb drückt einen fest in den Sitz und das Auto schießt voran, als gäbe es kein Morgen – so viel Punch ist selten. Das passt weniger zum rationalen Markenimage, aber es macht irre Spaß.

Eher Volvo-like ist der danach gefahrene Single Motor Extended Range. Mit seinen 185 kW bietet er immer noch ausreichend Leistung. Dass das Auto nun Heckantrieb hat, merkt man auf trockenen Fahrbahnen nicht. Was den Stromverbrauch angeht, so war er beim Allradmodell mit rund 22 kWh/100 km deutlich höher als beim Hecktriebler (15 kWh). Die Volvo-Experten schmunzelten dazu und meinten, das läge wohl am „anderen Fahrprofil“. Damit war wohl gemeint: Mit dem 300-kW-Modell gibt man automatisch mehr Gas. Da haben sie wohl nicht ganz unrecht …

Learnings zu Antrieb und Batterie

Hinten kommen nach wie vor stets Permanentmagnet-Synchronmaschinen (PSMs) zum Einsatz; sie stammen nun aber von Volvo selbst. Selbst entwickelt wurde auch die vordere Maschine des Allradlers. Hier wird aber jetzt eine Asynchronmaschine verwendet. Vorteil: Anders als die bisher verwendete PSM kann sie stromlos geschaltet werden, ohne zu bremsen. Um auch die Effizienz der Hinterachse zu steigern, verwendet Volvo dort jetzt Siliciumcarbid-Technik für den Inverter.

Das stand bereits in der Pressemitteilung. Von Lutz Stiegler, dem Volvo-Experten vor Ort, habe ich gelernt, dass Volvo beim Heckmotor ein Planetengetriebe für die Untersetzung verwendet. Warum so ein kompliziertes Getriebe? Weil der Heckmotor aus Packaging-Gründen direkt auf der Achse sitzt. VW dagegen verwendet für seinen neuen 210-kW-Heckmotor einfach ein paar Zahnräder nebeneinander, aber dort sitzt der Motor auch vor der Achse.

Dass der Elektro-XC40 auf einer Verbrenner-Plattform basiert, ist an dem Chassis-Modell auf den ersten Blick zu sehen: Die Batterie liegt nicht als einheitliche Platte im Boden, sondern verteilt sich auf Module im Boden und im Mitteltunnel. Wie beim Porsche Taycan gibt es Aussparungen für die Füße der Fondpassagiere. Dort sind nur das Batteriemanagement-System bzw. der Servicezugang zur Batterie verbaut.

Insgesamt enthält die Batterie 27 Module, und zwar die große wie die kleine. Wenn wir Stiegler richtig verstanden haben, dann hat die große Batterie aber nickelreichere NMC-Zellen. Der 78-kWh-Akku besteht aus prismatischen Zellen von CATL, der mit 67 kWh aus Pouch-Zellen von LG.

Laut Stiegler besitzt der XC40 eine automatische Vorkonditionierung für die Batterie: Wenn man einen Schnelllader als Navi-Ziel eingibt, wird der Akku vorgewärmt bzw. gekühlt auf etwa 25 Grad Celsius. Eine manuelle Vorkonditionierung könnte laut Stiegler zu einem Mehrverbrauch führen. Denn wenn die Vorkonditionierung zu früh aktiviert wird, muss der Akku zu lange auf dieser Temperatur gehalten werden.

Was das Aufladen angeht, so vertragen die Batterien 150 bzw. 200 kW Gleichstrom – das ist ordentlich. Erfreulich auch: Plug & Charge ist laut Stiegler in Vorbereitung, auch wenn Volvo es noch nicht offiziell erwähnt.

Bedienung, Fahrwerk und mehr

Der XC40 verzichtet nach wie vor auf den Startknopf: Man steigt ein, schiebt den Wahlhebel auf D oder R und fährt einfach los – praktisch. Auch der One-Pedal-Driving-Modus gefällt: Damit verzögert man ohne Benutzung des Bremspedals bis zum Stand. Beim Halt an einer Steigung wird das Auto sogar automatisch festgebremst, ohne dass man eine Auto-Hold-Taste zu drücken braucht.

Allerdings hat der XC40 bisher nur zwei Rekuperationsmodi: entweder One-Pedal-Driving oder Segeln. Und einer auf Sicherheit fokussierten Marke wie Volvo unwürdig ist, dass sich die Einstellung tief in den Menüstrukturen des Systems verbirgt. Wer in der Stadt den One-Pedal-Modus nutzt, auf der Landstraße aber lieber segelt, muss zum Umstellen zwei Menüpunkte mit dem Finger treffen und einmal nach unten scrollen. Das lenkt ab.

Laut Stiegler wird es jedoch bald einen dritten Rekuperations-Modus namens Auto geben, der nur bei den Testwagen noch nicht implementiert war. Der Modus soll zumindest beim Auflaufen auf ein vorausfahrendes Fahrzeug eine stärkere Rekuperation aktivieren. Wünschenswert wäre, wenn es auch bei Kreisverkehren, Stop-Schildern oder Abzweigungen klappt wie etwa beim BMW iX. Und bitte, wenn es geht, dazu noch Lenkrad-Paddles zum Aktivieren der Modi.

Lobenswert ist, dass die Navigation eine komplette Ladeplanung erstellt. Wir probierten es anhand einer Route von Göteborg nach München aus, und es klappte prima. Das Navi suchte in Windeseile passende Ladestationen heraus und listete sie auf – das können bei Weitem nicht alle Elektroautos. Und die Google-Earth-Darstellung der Navi-Karten ist wesentlich schicker als die unansehnlichen, graugrünen Grafiken, die es bei früheren Volvos gab.

Was das Cockpit und die Bedienung angeht, so bietet der Volvo weder Hightech-Ambiente noch Gimmicks wie etwa der Hyundai Ioniq 5 oder der Genesis GV60. Für Technik-Nerds ist der Wagen daher eher nichts. Dafür lässt er sich im Allgemeinen einfach bedienen. Mehr als ausreichend ist auch der Platz im Fond. Was die Materialien angeht, so haben uns die Sitzbezüge aus hellgrauer Wolle sehr gut gefallen – sie fassen sich sehr angenehm an und Vergleichbares haben wir noch bei keinem anderen Auto gesehen. Ausgenommen das neue Luxus-SUV EX90, denn dort werden sie auch angeboten.

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