Kia Niro: Kaufberatung, Hybrid, Elektroauto

Der Kia Niro wurde 2016 zum ersten, nachhaltigen Modell der Marke Kia. Was kann der neue besser – und wer sollte welchen Antrieb kaufen?

Vorstellung: Der Niro ist der erste nachhaltige Kia

Etwas können, das sonst keiner kann – so ein Alleinstellungsmerkmal ist wichtig, wenn ein neues Produkt am Markt Erfolge feiern soll. Im englischen heißt das auch „unique selling point“ – oder kurz: USP. Der USP des Kia Niro liegt vor allem in seiner Antriebsvielfalt. Und darin, dass reine Verbrenner passé sind. Stattdessen beginnt alles beim steckerlosen Vollhybrid und führt über den Plug-in-Antrieb bis hin zum vollelektrischen Niro EV. Aber spricht das jetzt für oder gegen den Koreaner? Wer kauft am besten was? Und was kann die neue, zweite Generation besser als der Vorgänger?

Beantworten wir die letzte Frage zuerst: Besonders deutlich werden die Unterschiede außen, wo die rundlichen Formen des ersten Niro betont eckig gezeichneten Linien gewichen sind. Und vorn, wo im Neuen nun ein Cockpit wartet, das stark an das Kias E-Flaggschiff, den Kia EV6, erinnert. Auf den zweiten Blick wird zwar sichtbar, dass beim Niro die beiden über ein schwarzes Panel verbundenen Bildschirme mit 10,25 Zoll kleiner sind als im EV6. Macht aber nichts, schließlich ist der Niro mit 4,42 Meter Länge auch insgesamt weniger ausladend.

Allerdings serviert Kia das neue Cockpit erst ab der mittleren Ausstattungslinie Vision. Darunter gibt es statt des Drehknopfs zum Gängewählen weiter einen konventionellen Hebel, einen kleineren 8-Zoll-Touchscreen in der Mitte und außerdem nur ein teildigitales Tachoinstrument mit 4-Zoll-Bordcomputer in der Mitte. Das hätte bei Preisen ab immerhin 32.590 Euro doch gern alles inklusive sein dürfen.

Cockpit: Die nachhaltigen Materialien gefallen – bis auf eine Stelle

Das Bedienkonzept überzeugt dafür genauso wie das Platzangebot. Die digitale Leiste unter dem Warnblinker, die sich von Klima zu Radioeinstellungen umschalten lässt, bleibt eine gute Idee. Vier Personen finden locker Platz im Niro, die Beinfreiheit hinten fällt geradezu fürstlich aus. Allerdings würden sich die dort sitzenden Passagiere über etwas längere Beinauflagen freuen. Und die Vordermänner über Kopfstützen, die nicht so doll in den Nacken drücken. 

Trotzdem hinterlässt der Niro insgesamt einen positiven Eindruck im Innenraum. Hartplastik gibt es zumindest vorn kaum, im Kofferraum warten allerdings immer noch kratzempfindliche Seitenverkleidungen aus Kunststoff. Dass viele Materialien hier drinnen nachhaltig hergestellt wurden, ergibt Sinn. Die Sitzbezüge sind etwa aus Bio-Stoffen und Eukalyptusblättern gefertigt, ein spezieller Lack um die Fensterheber herum fasst sich gut an. Nur der Dachhimmel („aus wieder-verwertetem Tapetenmaterial“) wirkt genau so: ziemlich pappig und eher passend für die Kleinwagenklasse.

Kofferraum: Vom Antrieb abhängig

Die Größe der Kofferräume variiert je nach Antriebsart: Der Hybrid 451 bis 1445 Liter, der Plug-in nur 348 bis 1342 Liter, weil die Elektronik Platz klaut. Im Alltag fällt das nicht so negativ auf, weil das verlorene Volumen unterhalb der Ladekante liegt. Allerdings fehlt hier nun ein Verstaufach für das Ladekabel, das lose im Laderaum hin und her rutscht.

Motoren: Der Hybrid ist am günstigsten

Womit wir bei den Motoren wären. Die Grundkonstruktion von Hybrid und Plug-in-Hybrid ist sehr ähnlich. Beide kombinieren einen 1,6-Liter-Verbrenner mit 105 PS und einen E-Motor miteinander, beide treiben die Vorderachse an. Bei beiden fließt die Kraft durch eine grundsätzlich harmonisch abgestimmte, nur im Sportmodus etwas hektisch agierende Sechsgang-Doppelkupplung. Die Unterschiede liegen bei der Akkugröße und auch bei der Stärke des E-Motors.

Im Hybrid leistet der rund 44 PS. Das reicht, um ab und zu mal elektrisch zu fahren, theoretisch schafft der Hybrid bis zu 120 km/h rein elektrisch. Praktisch springt jedoch schnell der recht gut weggedämmte Verbrenner zur Seite, um zu unterstützen, und man legt nur selten mehr als 500 Meter am Stück still dahinsummend zurück. Am Ende stehen 5,8 Liter Testverbrauch auf dem Bordcomputer, was für einen Vollhybrid ein ordentlicher Wert ist. Preislich beginnt der Vollhybrid ab 32.590 Euro, genau 6000 Euro unter dem Plug-in-Hybriden.

Der Plug-in wirkt homogener und spritziger

Für diesen Aufschlag bietet der Niro mit Doppelherz und Stecker spürbar mehr Leistung. Sein Elektromotor leistet fast das Doppelte, nämlich 84 PS, ermöglicht damit rein elektrisches Fahren mit bis zu 134 km/h. Kia gibt 59 Kilometer (18-Zoll-Räder) bis 65 Kilometer (16-Zoll) E-Reichweite an, wir haben mit viel Stadtverkehr 57 Kilometer geschafft. Auch wenn beide Motoren zusammen laufen, macht der stärkere E-Motor dem Verbrenner das Leben spürbar leichter, weil Letzterer dann nicht so hoch drehen muss. Mit Preisen ab 38 590 Euro rangiert der Niro Plug-in zwischen Hybrid und EV.

Der EV macht den sportlichsten Eindruck

Der Niro EV ist dagegen eine Gattung für sich. Ab 47.590 Euro ist er mit Abstand am teuersten, davon gehen aber 2023 und 2024 noch insgesamt 6750 Euro Elektro-Boni wieder ab. Auf dem Papier ist er mit 204 PS gar nicht so viel stärker als der Plug-in mit 183 PS Systemleistung, fährt sich auf der Straße aber um Welten spritziger – typisch E-Auto, muss eben nicht geschaltet werden, mit 7,8 Sekunden auf 100 hängt er die anderen beiden locker ab (Hybrid: 10,4, Plug-in 9,6 Sekunden). Laden kann er mit bis zu 80 kW, 10 bis 80 Prozent Akku brauchen 45 Minuten. Das mag mittlerweile nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sein – wer eh meist zu Hause lädt, den dürfte es allerdings kaum stören. Die Reichweite liegt hier realistisch bei 350 Kilometern, kann im reinen Stadtverkehr auch mal höher sein. Beim Topspeed schaffen alle drei gut 160 km/h.

Ausstattung: Das Nötigste ist immer an Bord

Wer sich für den EV entscheidet, der muss sich über die Ausstattung zumindest kaum noch Gedanken machen. Er ist nur in einer Ausstattungslinie erhältlich, die Kia Inspiration nennt. Sie umfasst bereits sehr vieles, optional gäbe es noch drei Pakete: eins mit allerlei Assistenten (u. a. Totwinkelwarner und erweiterter Frontkollisionswarner, 1190 Euro), ein weiteres, mit dem der Niro per Fernbedienung in Lücken rangiert (1290 Euro), und eins, das unter anderem die Sitzkühlung vorn und die Sitzheizung mitbringt. Bleiben noch das bessere Soundsystem (590 Euro) und das Glasschiebedach (690 Euro), der Rest sind Styling-Optionen wie die schwarz oder grau lackierte C-Säule (190 Euro).

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