Der Kia Niro EV ist ein gelungenes Elektrotaxi

Bei Minusgraden hat aber auch der geräumige Elektro-Minivan mit stark sinkenden Reichweiten und langen Ladezeiten zu kämpfen.

Parken unter der Laterne, Minusgrade und die nächsten Ladestationen nur einen oder zwei Kilometer entfernt, sodass die Batterie beim Laden erst einmal langsam aufgewärmt werden muss: Unter diesen für ein batterieelektrisch angetriebenes Taxi sehr harten Voraussetzungen hat taxi heute den Kia Niro EV mit Taxi-Ausstattung von INTAX zwei Wochen lang getestet. Manuel Weber, der bei Kia das Taxi-Geschäft im Hintergrund organisiert, hatte ebenso wie kürzlich seine Kollegin Petra Mund von Toyota den Mut, einen jungfräulichen Taxi-Testwagen im tiefsten Winter herauszugeben.

Zum Test trat der Wagen in der mittleren Ausstattungsstufe an, die bereits alle für einen Taxi- oder Mietwagen-Einsatz wesentlichen Merkmale serienmäßig hat. Nur LED-Hauptscheinwerfer, elektrisch einstellbare Vordersitze mit Lendenwirbelstütze und eine elektrische Heckklappe hat er nicht. Sie sind die wesentlichen Zusatzausstattungen der Ausstattungslinie „Inspiration“, in der man den Elektro-Minivan derzeit nur bestellen kann. Laut Manuel Weber ergibt sich diese Beschränkung aus der Verfügbarkeit der Fahrzeuge.

Der Niro EV hat weit öffnende Türen und sehr flache Schweller, sodass die Fahrgäste an allen vier Türen bequem ihre angenehm erhöhte Sitzposition einnehmen können. Da man wegen des ebenen Bodens im Fond gut durchrutschen kann, dürfte sich der Minivan bei älteren Fahrgästen schnell Fans erwerben. Im Vergleich zum Vorgänger soll er im Knieraum hinten leicht zugelegt haben, aber das merkt man allenfalls im direkten Vergleich. Die höhenverstellbaren Vordersitze sollten besser leicht angehoben werden, sonst gehen in ihrer hintersten Position schon die Knie großer Fahrgäste auf Tuchfühlung mit den harten Sitzschalen. Wenn man das beherzigt, bietet der Niro EV erstaunlich viel Raum und eine bequeme Sitzposition für große Fahrgäste auch im Fond. Der Mittelsitz ist trotz des integrierten Dreipunktgurts wie bei den allermeisten Taxis für Erwachsene eher ein unbequemer Platz mit harter Rückenlehne. 

Der Kofferraum lässt sich mit Bordgepäck gut beladen, aber mit großen Koffern stößt man schnell an Grenzen. Wie bei Elektroautos üblich, entsteht beim Abklappen der Rücksitzlehne ein leicht nach vorn ansteigender Laderaumboden.

Mit dem haptisch wie auch das ganze Cockpit sehr angenehmen Drehregler lässt sich der Kia Niro EV prima rangieren, zumal er auch in der One-Pedal-Funktion noch eine leichte Kriechfunktion hat. Zum Anhalten muss man dafür entweder die Fußbremse nehmen oder das linke Schaltpaddel im Lenkrad zu sich heranziehen, was einen gewissen Rollweg benötigt.

Das Elektrotaxi wurde während des gesamten Tests der Reichweite wegen im Eco-Modus bewegt, in dem es immer noch spritzig beschleunigt und am stärksten rekuperiert. Dennoch war die nach dem Vollladen auf 100 Prozent angezeigte Reichweite auf knapp 300 Kilometer mit Eco-Klimatisierung beschränkt. Die Werksangaben liegen gut 100 Kilometer höher. Ebenso wie der Durchschnittsverbrauch stieg die Ladedauer gegenüber den technischen Angaben. Wie an einer CCS-Säule mit 350 Kilowatt Leistung bei Solo-Belegung zu sehen war, lud der Kia Niro EV dort nur mit maximal 41 kW, über lange Zeit aber nur mit der Hälfte dieser Leistung. Nominell müsste er wohl mit immerhin 80 kW laden können. Die aktuelle Preisliste und die Bedienungsanleitung nennen hier keine genaue Zahl.

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