Fahrbericht Erste Testfahrt: Wir fahren im Vorserien-Volvo EX60 mit

Lange vor der offiziellen Fahrvorstellung hatte die AUTO ZEITUNG unlängst die Gelegenheit, erste Fahreindrücke vom neuen Volvo EX60 zu sammeln. Unsere Beifahrer-Eindrücke der ersten Testfahrt!

Östlich von Göteborg ist die Natur noch nicht erwacht, die Laubbäume tragen noch keine Blätter, auf den Seen schwimmen Eisschollen, und kleine Wasserfälle, die normalerweise aus den Felsen sprudeln, sind noch zu Eis erstarrt. Doch auf dem Volvo-Testgelände in Hällered herrscht unabhängig von den Jahreszeiten sieben Tage die Woche Testbetrieb, 24 Stunden täglich. So viel Zeit haben wir leider nicht, aber dennoch genug, um uns während einer ersten Mitfahrt einen genaueren Eindruck von den Qualitäten des neuen Mittelklasse-Stromers (Markteinführung im Sommer 2026) zu verschaffen.

Hierzu steht der Volvo EX60 P10 AWD Electric bereit, vorn mit einem Asynchronmotor und im Heck mit einer permanenterregten Synchronmaschine bestückt. Dieses Antriebspaket verschafft dem Allradler eine Systemleistung von 375 kW (510 PS) und 710 Nm Drehmoment. Die Batterie besitzt eine Netto-Kapazität von 91 kWh, was im Alltag für 660 km Reichweite genügen soll. Das zu überprüfen, wird Aufgabe in einem späteren Test sein.

Derzeit geht es eher darum, was für ein Bild der Volvo EX60 auf den verschiedenen Teststrecken des „Hällered Proving Ground“ vermittelt – dem Mitfahrer auf dem Beifahrersitz, wohlgemerkt. Derlei „Erfahrungen“ können bestenfalls die Richtung vorgeben, eine fundierte und finale Beurteilung kann erst erfolgen, wenn wir selbst ans Steuer dürfen.

Hohe Karosseriesteifigkeit dank innovativem Megacasting-Verfahren

Jesper Schwartz, der verantwortliche Ingenieur für das Thema „Fahrerlebnis“ beim Volvo EX60, lenkt das SUV auf den „Country Road Track“ – eine Asphalt-Bahn, die einem leicht welligen Flickenteppich gleicht. Hier fällt das elektrische SUV dadurch auf, dass es nicht auffällt. Das Abrollverhalten erfolgt auf der ersten Testfahrt ausgesprochen geschmeidig, den Mitfahrenden bliebt eine lästige Schüttelei erspart. Daran haben die semiaktiven Dämpfer, die die Dämpferkraft per Elektronik und Sensorik 500 Mal in der Sekunde an die Fahrsituation anpassen, einen gehörigen Anteil. Hochfrequentes Karosserie-Zittern, eine Lebensäußerung, wozu so manch anderes SUV auf einem solchen Untergrund animiert wird, glänzt im EX60 durch Abwesenheit. Stattdessen wirkt die Karosserie steif wie eine Burg.

„Das ist auch ein Resultat des Megacasting-Verfahrens“, sagt Schwartz. Hier bestehen Teile der Karosserie aus einem komplexen Hochdruck-Aluminium-Gussteil statt aus vielen Einzelteilen, was der Stabilität und der Verwindungssteifigkeit zugutekommt. Wer nun glaubt, dass deshalb bereits ein leichter Unfall zum Totalschaden führt, kann beruhigt sein. „Wir können auch daran Reparaturen ausführen“, erklärt John Lundegreen, verantwortlicher Ingenieur für Definition, Entwicklung und Validierung. Das gilt ebenfalls für die „Cell to body“-Technologie, bei der die Batterie als tragendes Teil in die Fahrzeugstruktur integriert ist. „Selbstverständlich lassen sich bei Bedarf auch einzelne Zellen des Akkus tauschen“, ergänzt Lundegreen.

Komfortables Abrollverhalten trotz üppiger 22-Zoll-Bereifung

Nun führt die erste Testfahrt über einen Abschnitt mit aus der Fahrbahndecke herausragenden und tief eingelassenen Gullideckeln. Trotz der montierten optionalen, 22 Zoll großen Rädern zeigt sich das 2,3 t schwere automobile Wikingerschiff davon recht unbeeindruckt. Heftige Stöße bis in die Wirbelsäulen der Mitfahrenden? Fehlanzeige. Leichte und kurze Vertikalbeschleunigung des Aufbaus, akustisch begleitet von einem „Bobob“ – das war’s.

Zum Schluss geht es auf den „High Speed Track“. Hier im Hochgeschwindigkeitsoval beschleunigt Schwartz auf 180 km/h, was unsere Unterhaltung mit Zimmerlautstärke keineswegs beeinträchtigt. Abroll- und Windgeräusche sind selbst bei diesem Tempo nur im Hintergrund vernehmbar. Mehr noch als die Akustikverglasung dürfte hier die „Active Noise Cancellation“ zum Tragen kommen. Über Mikrofone in der Dachverkleidung analysiert das System das Klangbild im Innenraum und produziert gezielt Gegenschall, der die störenden Frequenzen aufhebt. In Summe scheint der Volvo EX60 mit diesen Komforteigenschaften bestens geeignet, gelassen durch die stürmische See des Automarkts gleiten zu können. Wir sehen dem ersten Test gespannt entgegen.

Fazit

Auch, wenn wir den Volvo EX60 nur vom Beifahrersitz aus bewerten konnten, scheint das Elektro-SUV aus dem Norden eine solide Nummer zu werden. Nach unserem Ersteindruck bügelt das Fahrwerk mit seinen semiaktiven Dämpfern die Unebenheiten des Testgeländes einfach weg. Komfort-Features wie die „Active Noise Cancellation“ kennen wir so nur aus dem Luxussegment. Das macht Lust auf mehr. Wir freuen uns auf den ersten Fahrbericht hinter dem Lenkrad.

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