Test Jaguar XF: Krallen gestutzt, Komfort gesteigert

Einst Bestseller im Raubtierkäfig, wurde Jaguars Business-Modell XF über die Jahre nach hinten durchgereicht und hält inzwischen die rote Laterne bei den Zulassungen. Keine 400 Fahrzeuge konnten die Briten zuletzt in Deutschland absetzen. Was allerdings auch nicht weiter verwundert. Abgesehen vom allgemeinen Trend zum SUV wurden dem Traumwagen jedes Handlungsreisenden motorisch immer mehr die Krallen gestutzt. Die drei V6-Aggregate sind Geschichte, im kommenden Modelljahr wird es nur noch 2-Liter-Vierzylindermotoren geben, und nur noch einer davon ist ein Diesel. Der allerdings ist eine Wucht.

Denn nicht nur hat das neue Einstiegsmodell der Baureihe mit 204 PS (150 kW) gegenüber dem Vorgänger nochmal 24 PS (18 kW) Leistung aufgesattelt. Dank der Koppelung mit einem Mild-Hybrid wurde er damit – zumindest nach Norm – noch eine ganze Ecke (14 Prozent) sparsamer. Dabei hat er nichts von seinem Punch verloren. Im Gegenteil, mit 430 Nm Drehmoment bringt der D200 mehr Druck auf die Kurbelwelle als die beiden stärkeren Benziner-Varianten P250 und P300, deren Typenbezeichnung zugleich die PS-Leistungen benennen. So treibt der Selbstzünder die heckgetriebene Limousine in 7,6 Sekunden auf Landstraßentempo, mit optionalem Allradantrieb sind es zwei Zehntel mehr. Auch die Kombiversion Sportbrake braucht für den Standardsprint jeweils zwei Zehntel länger.

Doch die Quartett-Daten sagen nichts über die souveräne und scheinbar mühelose Art der Fortbewegung. Ist die Betriebstemperatur erstmal erreicht, bummelt der Selbstzünder im Drehzahlkeller vor sich hin, nur um beim Tritt aufs Pedal mit Nachdruck nach vorne zu marschieren. Elegant orchestriert wird das Ganze durch eine seidenweich und aufmerksam schaltende Achtstufenautomatik von ZF. So fliegen die Kilometer vorbei, während man sich drinnen am aufgewerteten Cockpit gar nicht satt sehen kann, das nun wie die SUV-Modelle F- und E-Pace das neue Infotainment-System Pivi Pro beherbergt.

Herzstück und Hingucker des neuen Systems ist der 11,4-Zoll HD-Touchscreen in der Mitte, der leicht gekrümmt sich dem Profil der Instrumententafel anpasst und mit brillanter Auflösung, schnellem Zugriff und intuitiver Bedienung glänzt. Dem zur Seite steht ein ebenso hoch auflösendes Fahrerdisplay, das digitale Rundanzeigen ebenso darstellt wie Medien, Bordinfos oder eine 3D-Kartennaviagtion. Via Bluetooth können zwei Smartphone gleichzeitig via Apple CarPlay oder Android Auto ans Bordsystem gekoppelt werden, allerdings nur eins in der induktiven Ladestation mit Signalverstärkung aufgeladen werden.

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