Mitfahrt im Polestar 4

Zunächst muss die hauseigene Zahlenkunde geklärt werden. Nach der inzwischen gut bekannten Limousine Polestar 2 wurde bereits vor einem Jahr das Luxus-SUV Polestar 3 präsentiert, das aber erst im nächsten Frühjahr an den Start geht. Die Nummer Vier ist ein SUV-Coupé, das in Sachen Preis und Dimension die Lücke zwischen seinen Brüdern schließen soll. Es ist mit 4,84 Metern etwas kürzer als das Topmodell, schwingt sich aber zu neuer Höchstleistung an Leistung auf. Front- und Heckmotor kommen zusammen auf 400 kW/544 PS. Der Allradler glänzt mit gewaltiger Durchzugskraft von 686 Newtonmetern, spurtet in 3,8 Sekunden auf 100 km/h und schafft mit seiner 102-kWh-Batterie eine Reichweite von bis zu 560 Kilometer.

Polestar lässt noch keine Firmenfremde hinters Steuer, lädt aber zur Mitfahrt. Dabei ist zunächst der Rücksitz für den Beifahrer reserviert. Drei Meter Platz zwischen den Achsen erlaubt entspanntes Reisen mit ausgestreckten Beinen. Viel Abstand zwischen Haupthaar und dem durchgehenden Glasdach, das sich bis weit hinter die Köpfe der Fondpassagiere streckt und die übliche Heckscheibe ersetzt. In diesem Konstrukt ist ein Innenspiegel nicht mehr vorgesehen. Er wird durch eine hochauflösende Kamera ersetzt, die das Geschehen hinterm dem Polestar im Blick hat und auch bei Dunkelheit mehr farbige Rücksicht liefert als ein Spiegel der klassischen Art. Für viele sicher trotzdem gewöhnungsbedürftig.

In diesem Ambiente kann auch der Hinterbänkler aktiv werden, seinen Sitz zwischen aufrechtem Reisen und Relaxen einstellen, das Glasdach blickdicht machen oder es elektronisch so eintrüben, dass die kalifornische Sonne außen vor bleibt. Der Kapitän kann zudem zwischen der Kamera-Rückschau und einer klassischen Kontrollbebilderung der hinteren Passagiere hin und her schalten. Gut, wenn es um die Überwachung kleiner Mitreisenden geht.

Platzwechsel auf den Beifahrersitz. Wenn unser werkseigener Pilot das rechte Pedal malträtiert, meldet sich die Kraft der zwei Herzen. Die singende Beschleunigungsmusik steigt an, die Lehne stützt wirksam den heckwärtigen Druck von Rücken bis zur Lende, der Elektro-Chinese mit schwedischen Wurzeln wird zum Sportmobil. Mit Rücksicht auf laserbewaffnete Sheriffs belässt es der Fahrer bei kurzen Kostproben, kehrt dann wieder zurück in den Wohlfühlmodus der sanften Art.

Auffallend sind die aalglatten Formen des in China gebauten Edel-Coupés, dessen Silhouette natürlich vom erwähnten durchgehenden Glasdach geprägt ist. An der Front fallen die doppelstöckigen Scheinwerfer-LED-Augen auf, am hinteren Ende die durchgehenden Rückleuchten. Innen dominiert im Zentrum ein querstehender 15,4 Monitor für Navi und diverse weitere Funktionen. Ein kleiner Bildschirm hinterm Lenkrad informiert zusätzlich über Geschwindigkeit und Fahranweisungen. Polestar arbeitet eng mit Google zusammen, holt bekannte Apps wie Google Assistant, Maps oder Google Play ins Auto. Wer Musik mit Audio-Wumms liebt, kann ein System bis zu 16 Lautsprechern und 1.400-Watt-Kanal-Hybridverstärker bestellen.

Wie bei modernen Autos längst üblich, strotzt auch der Polestar 4 serienmäßig mit einer Fülle technischer Hilfsmittel. Insgesamt zwölf Kameras, ein Radar und zwölf Ultraschallsensoren haben die Außenwelt im Blick. Dazu gehört eine Kamera, die Augen und Kopfbewegungen des Fahrers beobachtet, aber nur Daten weiterleitet und keine Videos aufzeichnet. Dadurch sollen Unfälle bei erkannter Müdigkeit oder Fahruntüchtigkeit vermieden werden. Zusammen mit der Erkennung, ob beide Hände am Lenkrad sind, trägt das Überwachungssystem dazu bei, dass der Fahrer stets in Form ist.

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