Kia Ceed GT im Fahrbericht: Abgespeckter i30 N für mehr Geld?

Rund 1.000 Euro weniger kostet ein Hyundai i30 N mit 2,0-Liter-Vierzylinder und 250 PS als der Kia Ceed GT. Dabei basieren beide auf der selben Plattform – der Ceed GT (Testwagenpreis 36.530 Euro) bekommt aber „nur“ den 1,6-Liter-Vierzylinder mit 204 PS. Dennoch hat Kia ihre kleine Sportskanone in der Golf-Klasse sauber abgestimmt. Auch die Ausstattungsqualität ist leicht höher als beim i30 N. Und: Spaß steht auch beim Kia an vorderster Stelle – dabei wird Präzision beim Fahrwerk groß geschrieben. Nur beim Doppelkupplungsgetriebe und bei der Lenkung gibt es ein paar Kritikpunkte. Fahrbericht!

GT-spezifische Details

Unser Testwagen Kia Ceed GT (noch Modelljahr 2022) in der optionalen Farbe „Deluxeweiß Metallic“ (850 Euro Aufpreis) hatte serienmäßig 18 Zoll Räder mit dahinter liegenden roten Bremssätteln mit 320er-Scheiben vorne, eine Karosserie-Tieferlegung um 10 Millimeter, eine zweiflutige Duplex-Abgasanlage, überall an der Karosserie rot-schwarze Kontrastelemente und im Interieur GT-spezifische Ausstattungs-Elemente, wie zum Beispiel das unten abgeflachte Lenkrad.

Sehr schick – und nebenbei auch noch ein sehr hoher Ausstattungsumfang. Auch die Verarbeitungsqualität passt in diese Fahrzeugklasse – Volkswagen kann es beim Golf 8 in den meisten Fällen nicht besser.

Kia Ceed GT mit straffem Fahrwerk und präziser Fahrdynamik

Die neueste Generation des Kia Ceed ist ohnehin straffer abgestimmt als sein Vorgänger. Und das kommt natürlich auch der Sportversion mit dem GT-Kürzel zugute: So wurden die Stoßdämpfer, Federn und Stabilisatoren gestrafft.

Für die Kurvendynamik hat Kia an einigen Stellschrauben gedreht: Die um 10 Millimeter tiefergelegte Karosserie sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt. Um 10 Prozent straffere Federn vorn und um ganze 41 Prozent straffere Federn hinten reduzieren das Wanken der Karosserie in Kurven. So fährt der Ceed GT ohne Spirenzien durch die Kurven – auch auf schlechter Straßenoberfläche. Auch sorgt das für eine gute Rückmeldung bei Lenkbefehlen und eine spontane Befehlsumsetzung. Das Fahrverhalten ist stabil – auch auf Autobahnen – ohne dass der Komfort leidet.

Freilich: Der Kia Ceed GT ist sportlich abgestimmt. Und dementsprechend spürt man auch jede Bodenwelle. Aber es ist nicht unangenehm, sondern einfach nur straff, präzise, direkt. So wie man ein Sportmodell auch haben möchte.

Interessant ist: Kia hat den hinteren Stabilisator um 6 Prozent steifer gemacht. Das trägt dazu bei, dass die Seitenlast noch mehr auf die Hinterräder verlagert wird, sodass der Vorderwagen ruhiger wird und sich um die Doppelfunktion Antriebsachse und Lenkung zu kümmern. Dadurch ist der Ceed GT sehr agil und giert nicht mehr so in die Kurve. Trotzdem habe ich eher überdurchschnittlich hohe Kräfte in der Lenkung festgestellt. Das ist gerade beim Herausbeschleunigen aus engeren Kurven störend.

Zur hohen Fahrdynamik trägt zudem das leistungsstarke Bremssystem bei. Die vorderen, innenbelüfteten Scheibenbremsen packen sehr gut zu. Sie haben die Abmessungen 320×28 Millimeter.

204 PS, 7,5 Liter Verbauch

Kia gibt den Verbrauch seines sportlichen Sprösslings mit 6,5 Liter auf 100 Kilometer an. So ganz kann er es nicht halten, verzeichnet aber bei meiner sportlichen Fahrweise nur einen Liter mehr. Mit 7,5 Liter bei sehr dynamischen Geschwindigkeiten kann man nichts sagen – völlig in Ordnung.

Die 204 PS allerdings aus dem 1,6-Liter-Vierer-Aggregat klingen nach mehr als tatsächlich auf der Straße ankommt: 7,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 Km/h gehen in Ordnung, sind aber nicht rekordverdächtig. Zumal ein Kia XCeed auch 7,5 Sekunden braucht. Eine sechs vor dem Komma stehen zu haben wäre tatsächlich schön.

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