FORD FOCUS TURNIER 1.5 ECOBOOST IM DAUERTEST

Sein makelloser Vorgänger, ein Focus Turnier 1.0 Ecoboost mit 125 PS, verließ uns 2015 mit viel Applaus. Umso spannender die Frage, wie sich der Focus der vierten Generation im Dauerlauf schlägt. Wieder ein Kombi, wieder mit drei Zylindern, diesmal aber 150 PS stark. Setzt er den positiven Trend fort?

Gen Ende war die Aufregung um den Ford Focus 1.5 EcoBoost wohl am größten. Der Nachfolger stand in den Startlöchern, unser coronabedingt nicht ganz so aktiver Turnier sollte zurück nach Köln, da galt es, noch ein paar Kilometer abzuspulen. Kein Thema, vermeldeten unsere Fuhrparkmanager; fortan ward er kaum mehr gesehen und legte einen beachtlichen Endspurt hin.

Die Gründe? Leicht erklärt. Denn bis zum allerletzten Kilometer unter unserer Ägide zählte der knallblaue Ford zu den unterhaltsamen, da fahraktiven Fahrzeugen. Und wie wir nun mal so ticken, wissen wir das sehr zu schätzen. Die Mittel: ein Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,5 Litern Hubraum und 150 PS, eine präzise manuelle Sechsgangbox, eine direkt ansprechende Lenkung und ein auf Agilität getrimmtes Fahrwerk. Kurvenreiche Strecken mit häufigen Gangwechseln haben also viel Spaßpotenzial. Zumal der starke Dreizylinder, untermalt von leicht trommeligem Röhren, spontan auf Gasbefehle reagiert, freudig hochdreht und selbst bei höheren Geschwindigkeiten im letzten Gang noch kräftig zulegt.

Nervig laut wird er dennoch nicht, und das wiederum freut alle, die auf der Autobahn mal flotter unterwegs sein müssen. Selbst der Testverbrauch geht angesichts unserer etwas forscheren Fahrweise mit 7,6 Litern Benzin absolut in Ordnung. Werte drunter sind aber locker möglich. Mehr als neun oder gar zehn Liter zu verbrauchen, erfordert schon sehr viel freies Fahren auf der Autobahn. Interessant übrigens: Dass der Vollalu-Motor im Teillastbetrieb bei konstantem Tempo einen Zylinder stilllegt, geschieht (innerhalb von 15 Millisekunden) so unmerklich, dass es kaum ein Kollege bemerkt oder gar kritisiert hat.

Eher fängt sich das straff abgestimmte Fahrwerk bisweilen kritische Kommentare ein. Der Federungskomfort, insbesondere in Verbindung mit flacher 215/50-R-17-Sommerbereifung, erfordert gerade auf ungepflegten Straßen oder fugenübersäten Autobahnen Toleranz. Aber alles halb so wild. Kombis aus Rüsselsheim oder Korea sind auch keine Sänften, und mit Beladung bessert sich der Komfort ohnehin.

Langsteckentauglich

Als hätte Ford schon etwas Gemurre von uns erwartet, verwöhnt der als Titanium umfangreich ausgestattete Focus mit gar nicht mal so teuren Ergonomiesitzen (400 Euro). In Kurven mag es zwar an Seitenhalt fehlen, der Langstreckenkomfort passt aber dank zahlreicher Verstellmöglichkeiten und viel Beinauflage. Kaum ein Kollege stieg hier mit Rückenproblemen wieder aus.

Nachteil: Lediglich mit schwarzem Stoff bespannt, bringen sie im Gegensatz zu Ledersitzen wenig Glamour in den anfangs 35.375 Euro teuren Kombi. Zugleich erlaubt Ford nicht die Kombination mit einem Family-Paket, das neben einer elektrischen Kindersicherung eine Durchlade in der Rücksitzlehne enthält. Entsprechend hält sich die Variabilität mit einer 60 : 40-Teilung in Grenzen. Geradezu ein Witz ist die viel zu kurz ausziehbare Kopfstütze auf dem Mittelplatz im Fond.

Auch die Gepäckraumabdeckung, die ohne eine seitliche Führung auskommen muss, überzeugt nicht. Dafür lässt sie sich mit nur einem Griff leicht entfernen und unter dem Ladeboden verräumen. Der Kofferraum selbst reicht mit 575 Litern und 535 Kilo Zuladung auch für großes Gepäck – immer gut für Trips mit Fotografen.

Lob verdienen auch die (etwas laut) automatisch aus- und einfahrenden mechanischen Türkantenschoner sowie die vibrationsarme Motorhaube, die sich ohne weiteres Entriegeln einfach anheben lässt, wenn der Hebel im Fußraum zweimal gezogen wurde.

Werkstattbesuche? Nur drei

Allzu häufig kommt er dennoch nicht zum Einsatz. Der stark geforderte Verbrenner lief über weite Strecken – so wie das gesamte Auto –, ohne zu mucken. Über seinen Ölstand informiert er im bestens ablesbaren Bordcomputer, und ein Service steht nur alle 30 000 km an.

Die Schrauber in der Niederlassung wiederum müssen nur die Regelwartung abarbeiten, und schon geht es wieder weiter. Viel mehr als 15,15 Liter 5W-20-Öl, die üblichen Filter, drei Zündkerzen und gen Ende neue Bremsscheiben und -beläge hinten gilt es nicht zu wechseln.

Bei Kilometerstand 80.281 kommt dann allerdings Unruhe auf. Der Bordcomputer fällt aus, das Notrufsystem vermeldet eine Störung, und der Ford wünscht sich einen Service. Wenig später läuft dann wieder alles rund. Dennoch ein Vorfall, der ihm im Mängelindex einen Punkt einbrockt. Ungerecht? Nein. Andere Wagen fahren eben zu 100 Prozent problemlos, beispielsweise der erwähnte Vorgänger. Wieder andere weigern sich schon viel früher, nur mal die Heizung anzuwerfen – auch das führt natürlich zu Abwertungen. 

Aber zurück zu diesem Focus und seinen letzten 20.000 Kilometern. Denn hier notieren die Kollegen gen Ende einige Auffälligkeiten. Hier mal ein schabendes Lenkrad beim Rangieren, dann einen laut surrenden Servomotor, später Klappergeräusche aus dem Antrieb im Stop-and-go-Verkehr plus ein knarzendes Kupplungspedal, das sich mit etwas Schmiermittel beruhigen lässt. Zusammen mit der teils mauen Materialqualität hinterlässt der Ford also ein gemischtes Bild. Gern hätten wir den Kombi diesbezüglich noch einige Kilometer weitergefahren. Zumal nun die kalte Jahreszeit anbricht, und hier ist er voll in seinem Element: Heizen kann er wirklich. Die vorderen Sitze sind enorm schnell sehr warm. Das Lederlenkrad ebenso, und die Drähte in der Frontscheibe lösen auch zentimeterdicke Eisschichten in kürzester Zeit. Die Fondpassagiere würden sich hingegen über Luftausströmer in der Mittelkonsole freuen – die sind leider nicht verbaut.

Infotainment? Veraltet

Als Aufreger in diesen Tagen erweist sich die bei schlechtem Wetter rasch verschmutzende Rückfahrkamera. Dann ist auf dem Bild des Mitteldisplays manchmal kaum etwas zu erkennen. Womit wir gleich das Sync-3-Infotainment abhandeln können. Mehr noch als die teils unnötig verzwickte Programmierung und die lange Wartezeit, bis der Rechner endlich die Navi-Route ausklamüsert hat, stört viele die Sprachbedienung. So agiert sie bei der Zieleingabe noch meist richtig, wenn man sich an die erwarteten Begriffe hält. Doch wer die Regeln missachtet oder die Stimme im Hintergrund gar unterbricht, scheitert. Zugegeben, wir sind verwöhnt von anderen, online-basierten Systemen, die mittlerweile sogar (unnötige) Witze erzählen können, dennoch stört es den alltäglichen Umgang. Die klassische Zoom-Funktion via Drehregler gerät da fast schon in Vergessenheit. Navigieren via Smartphone und Bluetooth klappt letztlich weitaus einfacher. Eine große induktive Ladefläche hilft zuverlässig bei der Stromversorgung.

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