VW Tiguan, Ford Kuga, Cupra Formentor: Vergleich

So fährt Deutschland! AUTO BILD testet die drei beliebtesten Kompakt-SUV mit Benzinmotor: VW Tiguan, Ford Kuga und Cupra Formentor.

Wenn Sie mal bei “Wer wird Millionär?“ sitzen und Günther Jauch nach dem wichtigsten Volkswagen hinterm Golf fragt, sollten Sie den 50:50-Joker bloß nicht verprassen. Polo? Passat? Nix da! Der Tiguan ist VWs Nummer 2 bei den Zulassungen in Deutschland. Sie ahnen es: Kompakte SUV wie der Tiguan sind beliebt, dabei hat der Deutschen liebster SUV schon sieben Lenze auf dem Blech.

Der Ford Kuga ist mit vier Jahren auch nicht mehr taufrisch und zählt doch zu den meistverkauften Hochsitzen. Gleiches gilt für den Cupra Formentor mit aktueller Golf-8-Technik. Jedenfalls haben wir die drei SUV-Bestseller hart rangenommen, penibel verglichen. Wird es jetzt etwa eng für den Tiguan? Lesen Sie, bei welchem der drei beliebtesten Typen am Ende der Konfettiregen vom Himmel fällt.

Das sind sie

Starten wir mit dem Tiguan. 4,51 Meter lang, 1,68 Meter hoch, innen so praktisch wie kein anderer. Erstens größter Kofferraum (615–1655 Liter) in diesem Test. Zweitens total variabel, Sitzbank verschiebbar, Rückenlehne neigungsverstellbar und im Verhältnis 40:20:40 klappbar. Drittens hat er die besten Sitze, vorn mit variabler Schenkelauflage und perfektem Seitenhalt, hinten mit ausreichend ausgeformter Bank, die so montiert ist, dass die Beine aufliegen und nicht in der Luft schweben.

Keine Frage: Dieser Tiguan ist ein VW alter Schule. Merken wir erstens am etwas angestaubten Multimedia-Screen aus dem Golf 7 mit Tasten für laut und leise. Und zweitens sehen wir die alte Schule am Dämpfer, der die Motorhaube automatisch aufstellt. Den hat VW bei den neuen Modellen leider weggespart.

Apropos sparen: Ja, beim Ford Kuga haben sie Gewicht eingespart, er wiegt 1493 Kilo und somit 102 weniger als der Tiguan. Aber leider hörst du es, wenn du die hinteren Türen zuschlägst, und siehst es, wenn du mit dem Zeigefinger ins zu dünne Blech drückst. Ansonsten ist der Kuga ein Kompakt-SUV mit Überlänge. Er misst 4,63 Meter und ist sogar noch um eine Bifi länger als der Tiguan, mit 1,68 Metern genauso hoch. Aber wo ist der ganze Platz geblieben?

Im Kofferraum (553–1534 Liter) schon mal nicht, der ist kleiner als im VW. Dafür herrscht im Fond ordentlich Raum, bequemer Einstieg, Rückbank 15 cm verschiebbar, Lehne in der Neigung verstellbar, aber leider nur im Verhältnis 60:40 klappbar und mit zu wenig Beinauflage. Und die Laderaumabdeckung besteht nicht aus einem Rollo, sondern aus flattrigem Stoff, der mit hochschwingt. Das Cockpit im Kuga ist einfach zu bedienen, weil es viele Knöpfe gibt und alles übersichtlich strukturiert ist.

Unterm Touchscreen ein großer Lautstärke-Drehregler (bravo!), darunter die Klimaeinheit. Leider hat er wie der Tiguan eine Scheibe auf dem Armaturenbrett fürs Head-up-Display. Und leider sind die Vordersitze schlecht gepolstert und lassen jeden Seitenhalt vermissen.

Und der Cupra? Ist ganz anders! Mit 4,45 Metern der Kürzeste in der Runde, mit 1,52 Metern 16 cm flacher als die Konkurrenz. Spontane Idee: eine Mischung aus Golf und Tiguan. Natürlich hat er mit 450 bis 1505 Litern den kleinsten Kofferraum und die höchste Innenladekante, die Rückbank ist nicht verschiebbar oder in der Neigung zu verstellen. Dennoch attestieren wir dem Formentor ein ordentliches Platzangebot hinten – und die modernste Multimedia vorn. Ja, alles über den Screen zu bedienen. Da muss man sich reinfuchsen.

So fahren sie

Lasst uns Ford fahren! Der 1.5er im Kuga ist der einzige Benziner mit drei Zylindern. Und Sie fragen sich: Geht das in so ’nem SUV? Ja, und zwar gut. Erstens kannst du den drehfreudigen EcoBoost im zweiten Gang durch die Stadt bewegen, das geht sogar bis Tempo 80. Aber dann säuft er. Also bitte den Knauf der Sechsgang-Handschaltung (Automatik gibt’s nicht!) öfter in die Hand nehmen, macht ja auch Spaß, so knackig, wie das ist. Und bloß keine Scheu vor drei Zylindern!

Der Ford läuft kultiviert wie ein Vierzylinder, sein Schnattern kannst du ohnehin nur im Leerlauf hören, wenn du heftig Gas gibst. Und was ist mit Fahrspaß? Dem Kuga haben sie ein straffes, leicht nervöses Fahrwerk eingebaut, er gerät bei langen Wellen ins Tänzeln, die Lenkung packt aus der Mittellage nicht so direkt zu wie die aufpreispflichtige Progressivlenkung des VW.

Wo wir auch schon beim Bestseller sind. Irgendwas auszusetzen am Fahrwerk? Kaum! Der Tiguan hat die Dämpferverstellung DCC, federt so ziemlich jede Unebenheit weg und liegt so satt auf der Straße, dass er sich nicht 100, sondern 200 Kilo schwerer anfühlt als der Ford. Klar, er wirkt mit seinem 1.5er-Vierzylinder und 150 PS leicht behäbig, im Anzug schwerfälliger als mit einem gleich starken Diesel. Aber er macht auch mit diesem Antrieb das, was der Tiguan schon immer am besten konnte in seiner Liga: Er leistet sich keine Schwächen, ist der Allrounder.

Und der Cupra Formentor? Ist der Golf unter den SUV. Mit 1428 kg ist er 167 Kilo leichter als der VW. Merkt man im Anzug (9,2 Sekunden auf 100 km/h, Tiguan: 9,9), merkt man im Verbrauch (7,7 l im Schnitt, Tiguan: 8,2), merkt man in schnellen Kurven. Die meistert der Cupra nahezu ohne Wankbewegungen, wo die beiden höheren SUV doch etwas (Tiguan) bis ordentlich (Kuga) ins Schaukeln geraten. Es wirkt so ein bisschen, als wäre der Formentor zu Gast auf der falschen Party: er ganz leger in Turnschuhen, die beiden anderen schnüren die Wanderstiefel.

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