Range Rover Sport PHEV: Meister im Schwergewicht

Als luxuriöser Brocken hält der Range Rover Sport in PHEV-Variante den Gewichtsrekord. Die Baureihe hat ihre Fans – und es gibt gute Gründe, das Modell mit Stecker zu kaufen. Hauptsächlich aber einen.

Was kümmert einen das Gewicht eines Autos, wenn man ausreichend Leistung und Hightech an Bord hat, um es im Fahrbetrieb so gut wie vergessen zu machen?

Dennoch wollen wir festhalten, dass wir in all den Jahren noch kein schwereres Auto im Fuhrpark hatten als den neuen Range Rover Sport in PHEV-Variante. Laut Typenschein reißt er die 2,9-Tonnen-Grenze. Darin ist laut EU-Norm ein 75-kg-Fahrer mit etwas Gepäck inkludiert, aber nicht mehr, geschweige denn eine Vollbesetzung.

Bestünde die nun aus Boxern der Schwergewichtsklasse, alle so um die 100 kg, gern auch drüber, so müsste der Fünfte schon mit dem Zug fahren. Weniger, weil es sonst gar kuschelig eng wird im feinen Innenraum, sondern weil sonst mit ein paar Taschen im Laderaum das höchstzulässige Gesamtgewicht (3450 kg) schon überschritten wäre – und der Fahrer (theoretisch, weil ja trotzdem unzulässig) einen C-Schein für Fuhren von über 3,5 Tonnen brauchte.

Dies nur, um mögliche Implikationen eines solchen Kampfgewichts zu verdeutlichen. In der Praxis sind sie vielleicht weniger relevant, denn gerade die großen Brocken sieht man selten voll besetzt. Und was den Verbrauch angeht – der liegt, auf Kohlendioxidemissionen umgemünzt, ungefähr in der Gegend eines tüchtigen, sich den Exelberg hinaufkämpfenden Radfahrers. Jawohl, denn laut Norm verbraucht der Range Rover Sport P510e nicht einmal einen Liter Sprit (genau: 0,8 bis 0,9 l/100 km gemäß WLTP) und kommt damit auf CO2-Emissionen von 18 bis 20 Gramm pro Kilometer.

Möglich macht das der Kunstgriff Plug-in-Hybrid – und tatsächlich, bei voller Ladung schafft der Zarte an die 90 Kilometer rein elektrisch selbst bei Minusgraden.

Den Steuervorteil von null Prozent NoVA nimmt mittlerweile auch ein Großteil der Range-Rover-Käufer mit. Zumal man sich nicht, wie bei der vorhergehenden Generation, mit einem schmalen Vierzylinder als Rückversicherung für die lange Strecke begnügen muss. Ebenso wie der Range Rover hat das Sport-Derivat einen schönen Turbo-Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum unter der Motorhaube. Dazu einen 150-kW-Elektromotor und eine Batterie mit netto 31,8 kWh Kapazität; inkludierend die klassische Allradtechnik, die den Rangey unverändert zum Meister im Gelände macht, und jeder Menge Komfort und Luxus an Bord (die Aufzählung entfällt aus Platzgründen), darunter ganz sicher kein dünnes Leder. Das alles treibt die Kilos.

Es trägt einem übrigens auch Gewicht ein, wenn man Gewicht kompensieren will: etwa mit der aktiven Wankstabilisierung im Fahrwerk, die sich bei Kurvenfahrt den Fliehkräften entgegenstemmt, der stets ausgleichenden Luftfederung rundum plus Allradlenkung, serienmäßig beim P510e.

Um dem Attribut im Namen gerecht zu werden, ist der Range Rover Sport um 35 Prozent straffer gefedert und um 20 Millimeter tiefergelegt als der Erstgeborene im Haus. Dynamische Hochgefühle kommen am Lenkrad deswegen zwar nicht wirklich auf, aber es ist schon erstaunlich (oder erschreckend), wie schnell sich die Fuhre im entsprechenden Modus über eine schöne Kurvenstraße jagen lässt, wenn’s beliebt; fast schon in der Art des Muhammad Ali.

Das irgendwie sportlichere, jüngere Image hat der Baureihe auch ihre treuen Fans verschafft. Ursprünglich trat der Sport ja als Derivat des Land Rover Discovery an, bloß mit dem nobleren Namen und milder bepreist als der Große. Mit der zweiten Auflage kam man zur gemeinsamen Plattform, die nun komplett erneuert wurde und bald auch ein BEV tragen wird.

Nach unserem Eindruck leidet der Fahrkomfort, ja die Fahrkultur unter dem Bemühen, den Sport mit primär Straffheit unterscheidbar zu machen. Im direkten Vergleich zum allerdings auch teureren Range Rover wirkt der Sport weniger souverän und nicht so nobel. Was sich auch optisch niederschlägt, das Heck etwa ist in die Breite gezeichnet, obwohl doch das vertikale Layout der hinteren Partie das Highlight der neuen Range-Generation ist. Geschmackssache freilich – dass es eine enthusiastische „Pro Sport“-Fraktion in der Redaktion gibt, soll nicht unterschlagen werden.

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