Kombis mit knapp 200 PS (147 kW) sorgen bei Firmen- und Freizeitfahrten für zügiges Vorankommen – traditionell eine Domäne, in der sich der BMW 3er Touring bestens behauptet. Gilt das nach dem Facelift immer noch? Die Antwort fährt er mit seinen Sparringspartnern Skoda Superb Combi, Volvo V60 und VW Passat Variant im Vergleichstest aus.
Den ersten Kombi der damals noch relativ jungen Dreier-Baureihe stellten die Münchener bereits 1987 unter der Bezeichnung Touring vor – also praktisch den Vorläufer des BMW 3er Touring wie er in diesem Vergleichstest gegen VW Passat Variant, Skoda Superb Combi und Volvo V60 antritt. Was damals noch als revolutionär galt, nämlich der dynamischen Mittelklasse-Limousine des Hauses einen nur auf den ersten Blick schnöden Kombi zur Seite zu stellen, hat sich längst zum Erfolgsmodell entwickelt.
Der Dreier mit Heckklappe zählt zu den beliebtesten Autos der Marke und wurde zum Modelljahr 2023 unlängst per Facelift aufgefrischt. Doch auch woanders schläft man nicht und bedient die Laderaum-hungrige Kundschaft im Kombiland Deutschland nach Kräften: VW mit dem Dauerbrenner Passat Variant, Skoda mit dem auf der gleichen MQB-Plattform basierenden Raumriesen Superb Combi und Volvo mit dem skandinavisch kühlen, aber dennoch Designpreis-tauglichen und sympathischen V60. Der passende Zeitpunkt also, das Kombi-Quartett zum Vergleichstest zu bitten.
VW PASSAT VARIANT, BMW 3ER TOURING, SKODA SUPERB COMBI & VOLVO V60 IM VERGLEICHSTEST
Von außen finden sich am überarbeiteten BMW 3er Touring nur geringfügige Retuschen, etwa an den leicht modifizierten Frontscheinwerfern. Im Innenraum sieht die Sache durch das neue Curved Display schon anders aus. Dabei handelt es sich um eine konkave Anzeigenfläche, die ein 12,3-Zoll-Instrumenten-Display mit einem 14,9 Zoll messenden Control-Monitor kombiniert. Das wirkt edel, übersichtlicher als bei der Vorgänger-Variante ist es nicht. Zwar gibt es individuelle Darstellungsmöglichkeiten – wer sich aber alle Menükacheln anzeigen lässt, zählt im Testwagen 33 Stück auf dem Bildschirm. Die lassen sich zwar mit dem nach wie vor vorhandenen Dreh-Drück-Steller anwählen, in diesem Fall aber nur horizontal, was unter Umständen in einer längeren Dreherei mündet. Ein Ausweg: Wer auf das haptische Erlebnis verzichtet, greift auf die sehr gut funktionierende Sprachsteuerung zurück. Ansonsten zeigt auch der facegeliftete Münchener seine bewährten Kombiqualitäten.
Zum ordentlichen Raumangebot gesellt sich ein Laderaum, der mit maximal 1550 Litern eher am unteren Ende des Quartetts aus diesem Vergleichstest liegt, sich aber dafür per separat zu öffnender Heckscheibe be- und entladen lässt. Das ist praktisch, wenn mal wieder der Hintermann etwas dicht am eigenen Heckstoßfänger geparkt hat. Nützlich wie auch im VW Passat Variant ist die dreigeteilt klappbare Rücksitzlehne. Die Verarbeitung des BMW 3er Touring ist top. Das skandinavische Kombi-Pendant Volvo V60 trägt beim Gepäckraumvolumen mit maximal 1407 Litern die rote Laterne. Das ist bestenfalls Kompaktklasse-Niveau und kann mit den Kapazitäten der anderen Kombis im Vergleichstest nicht mithalten. Das gilt ebenso für das Raumgefühl: Der wuchtige Armaturenträger und die vergleichsweise hohe Gürtellinie beeinträchtigen den Größeneindruck nachhaltig. Doch auch der Volvo V60 beweist Sinn fürs Praktische: Im Ladeboden gibt es eine aufstellbare Klappe, mit deren Hilfe Gepäckstücke fixiert werden können.
Der rechteckige Bildschirm mit seinen etwas verstreut und teils verschachtelt angeordneten Bedienmenüs benötigt allerdings ein gewisses Maß an Gewöhnung. Im Vergleich dazu mag der Skoda Superb Combi für manche zwar etwas altbacken wirken, aber man findet sich in ihm schnell zurecht. Das sollte auch so sein, denn die Sprachbedienung nervt etwa bei der Eingabe von Zieladressen für die Navigation mit ständigen Nachfragen oder versteht manche Befehle gar nicht. Auch die Streckenberechnung dauert vergleichsweise lange. Das sind Eigenschaften, die das System mit dem des VW Passat Variant teilt.
Dessen Sprachsteuerung forderte gar während der Navigationseingabe einmal unvermittelt dazu auf, ein Telefon zu koppeln. Zu den herausragenden Qualitäten des Skoda Superb Combi zählen dagegen nicht nur das üppige Platzangebot (Kniefreiheit im Fond: 22 bis 47 Zentimeter), sondern auch der Riesen-Kofferraum (max. 1950 Liter) und die im Vergleichstest größte Zuladung von 641 Kilo. Da kommt selbst die Kombi-Ikone aus Wolfsburg nicht mit (maximales Gepäckvolumen 1780 Liter, Zuladung 563 Kilogramm).
FAHRKOMFORT: VW PASSAT VARIANT TRÄGT DIE KRONE
Tausendfach verkauft, haben die Kandidaten aus diesem Vergleichstest ihre Reisetauglichkeit längst unter Beweis gestellt. Doch treten bei den Komfortkriterien teils deutliche Unterschiede zutage. So verfügen die optionalen Sportsitze des BMW 3er Touring zum Beispiel über verstellbare Seitenwangen, wirken aber auf der Sitzfläche und an der Rückenlehne deutlich schmaler als etwa die „ergo Active“-Sitze des VW Passat Variant, die außerdem über eine auf Langstrecken sehr angenehme Massagefunktion verfügen. Ähnlich körpergerecht gestaltet präsentiert sich das Gestühl des Skoda Superb Combi, auch wenn ihm die Massagefunktion fehlt. Für die Torso- und Oberschenkelabstützung bei Kurvenfahrt dürfte die Polsterung der Seitenwangen aber weniger weich sein.
Den Komfortsitzen im Volvo V60 könnte mehr Seitenhalt ebenfalls nicht schaden. Im Rückenbereich fällt im direkten Vergleich mit den Konkurrenten die Polsterung etwas zu straff aus. Hier wird zweifellos auf hohem Niveau geklagt. Im Fond des Skandinaviers zwingt die Fahrzeug-Architektur einen dagegen aufgrund des geringen Abstands zwischen Fahrzeugboden und der recht kurzen Sitzfläche objektiv in eine auf Dauer unbequeme Sitzhaltung mit zu stark angewinkelten Beinen. Als Komfort-einschränkend entpuppt sich auch das unter Last etwas arg kernige Motorgeräusch.
Akustisch setzen BMW 3er Touring und Skoda Superb Combi in diesem Vergleichstest die Bestmarken: Sie schonen Gehör und Nerven am besten. Was die Feder-Dämpfer-Eigenschaften angeht, muss der Bewertung vorausgeschickt werden, dass der Volvo V60 der einzige Kandidat in diesem Vergleichstest war, der ohne adaptive Dämpfer antrat. Zwar absorbiert der Schwede Fahrbahnunebenheiten im Großen und Ganzen recht kompetent, bei langsamer Fahrt über löchrigen Asphalt wirkt er aber etwas stuckerig und produziert vereinzelt deutlich vernehmbare Fahrwerksgeräusche. Diese Eigenschaften traten insbesondere unter Ausnutzung der vollen Zuladung zu Tage.
Wie schlägt sich dagegen der BMW 3er Touring mit seinem adaptiven M-Fahrwerk? Dessen sportlich straffe Grundnote lässt sich nicht leugnen und führt dazu, dass der Fahrbahnzustand bei höheren Tempi recht ungefiltert durchgereicht wird. Bei Stadttempo überraschen seine Feder-Dämpfer-Elemente dagegen mit einem vergleichsweise feinfühligen Ansprechen, das seine Grenzen in der überschaubaren Eigendämpfung der Reifen, vorn mit einem 40er-, hinten mit einem 35er-Querschnitt. Noch gelassener geht der Skoda Superb Combi mit Fahrbahnschäden um. Diese Souveränität leidet unter voller Beladung nur wenig. So würde ihm eigentlich die Komfortkrone des Vergleichstests gebühren, wenn er sich nicht durch ein leicht nachschwingendes Heck unterdämpft zeigen würde. Wie es besser geht, beweist Wolfsburg mit dem VW Passat Variant.




