Der neue Kia Niro EV im Alltagstest

In den letzten Tagen begleitete mich die Neuauflage des Kia Niro EV von 2022 im Alltag und ich habe dabei ein paar Dinge gelernt. Und ich muss gestehen, dass der Niro EV positiv überrascht hat, wobei er am Ende das übliche Problem mitbringt.

Ich habe mich beim heutigen Beitrag mal wieder für meine 10 Stichpunkte aus dem Alltag entschieden. Meist ist das eine Liste mit Punkten, die ich mir während der Testfahrten notiere und dann ausformuliere. Und darunter gibt es dann mein Fazit.

Kia Niro EV 2022: Test im Alltag

Die Optik ist gewöhnungsbedürftig und ich habe die neuen Niro zwar schon öfter gesehen, aber nie richtig lange. Und je mehr Tage vergingen, desto mehr sagte er mir zu. Doch mein Highlight war die Länge von 4,4 Metern. Er ist zwar etwas länger als ein VW ID.3 und Co., aber alles unter 4,5 Meter ist für mich noch kompakt und ich bevorzuge kompakte Autos. Da gibt es bei Elektroautos weiterhin viel zu wenig Auswahl.

Der Akku ist mit dem Upgrade auf 64,8 kWh gewachsen und Kia spricht von bis zu 460 km Reichweite, was für diese Größe wirklich gut ist. Ich hatte nicht selten einen Verbrauch von 17 kWh auf 100 km – und das trotz kaltem Wetter. Vollgeladen wurden mir 350 km angezeigt und es waren schon einige Kilometer auf dem Auto, es war also „eingefahren“. Und das kommt sehr gut hin.

Allerdings gibt es eine große Schwäche, denn mit 80 kW ist die DC-Ladeleistung unterdurchschnittlich schlecht. Ich erwarte hier keine 200 kW, aber 120 kW sind da durchaus Standard für ein Elektroauto von 2022. Die AC-Ladeleistung mit bis zu 11 kW ist aber normal und daher habe ich das Auto auch meistens so geladen. Damit will ich nicht an einem Schnelllader stehen, wenn die Ladeleistung ab 50 Prozent Akku bei ca. 60 kW liegt, definitiv nicht. Was mir beim Laden aber gut gefallen hat, ist der Ladeanschluss auf der Front. Für meine Ladesäulen im Alltag ist das optimal.

Die Leistung mit 150 kW bzw. 204 PS ist ausreichend und kenne ich exakt so von den MEB-Modellen der Volkswagen AG, wobei der Kia Niro EV etwas mehr „drückt“ beim Start. Und er macht erst bei 175 km/h dicht und fährt sich wirklich gut und teilweise etwas sportlich im Alltag. Hätte ich bei einem Antrieb an der Vorderachse nicht erwartet, ich bevorzuge eher die Hinterachse.

Wandern wir in den Innenraum, der vorne angenehm ist, aber auf der Rückbank wird es hinter mir (ich bin 1,90 m groß) zu eng. Und der Kofferraum ist auch nicht wirklich groß. Man merkt, dass das eine Verbrenner-Plattform ist, ein VW ID.3 nutzt die Elektro-Plattform zum Beispiel besser aus.

Dafür gibt es einen Frunk (Kofferraum vorne), der zwar winzig ist, aber für ein AC-Ladekabel reicht. Und weil das im Winter und bei Regen gerne mal nass und dreckig ist, will man das nicht zwingend in den Kofferraum legen. Ein kleiner Frunk gehört bei einem Elektroauto einfach dazu.

Ebenso wie eine passable App mit wichtigen Daten und einer Anbindung zum Auto, mit der man die Klimaanlage und Co. steuern kann. Geht theoretisch, kenne ich auch vom Kia EV6, konnte ich aber in den zwei Wochen nicht mit meinem Smartphone koppeln. Ich habe alles zurückgesetzt und neu eingerichtet und es ging nicht. Theoretisch finde ich die App von Kia aber sehr passabel.

Was mich hingegen etwas gestört hat, ist das kleine Display. Das hinter dem Lenkrad ist okay und zeigt alle wichtigen Infos an, aber das in der Mitte ist doch etwas klein. Ja, ein EV6 ist teurer und eine Klasse darüber, aber so würde ich im Jahr 2022 nicht mehr entscheiden. In dieser Preisklasse gibt es größere und bessere Displays und das hätte Kia hier auch verbauen dürfen.

Womit wir bei der Software wären, die für mich okay, aber nicht zwingend gut und flüssig ist. Daher nutze ich gerne Apple CarPlay (oder Android Auto). Das geht. Theoretisch. Allerdings nur via Kabel. Und nur via USB A-Port. Und nur mit einem zertifizierten Kabel von Apple. Das wird sei Jahren (!) nicht mehr mit einem iPhone ausgeliefert. USB C heißt die (nachhaltige) Zukunft und es gibt sogar einen solchen Port im Auto. Nur nicht für CarPlay, sondern nur zum Laden des Smartphones. Und es gibt sogar Qi in der Mitte. Ich verstehe es manchmal nicht, wer trifft diese Entscheidungen? USB C, Qi, alles da, warum dann kein Wireless CarPlay, wie man es seit Jahren kennt?

Kia bietet Wippen hinter dem Lenkrad an, mit denen man die Stufe der Rekuperation verändern kann. Sowas mag ich und in der maximalen Stufe gibt es ein richtiges One Pedal Driving (i-Pedal heißt das bei Hyundai und Kia) und damit bleibt man auch komplett stehen. Genau so geht das.

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