Mit Freude begrüßen wir einen seltenen Gast: den Jaguar XF Sportbrake mit 204 PS starkem Diesel. Nach einer umfangreichen Modellpflege lässt er sich auf ein Duell mit dem erfahrenen BMW 520d Touring ein und überrascht mit viel Temperament.
Allzu häufig sieht man so einen Jaguar XF Sportbrake ja nicht. Auch bei Jaguar sind SUV derzeit viel stärker nachgefragt. Ein Trauerspiel, das auch der 5er Touring von BMW im Machtkampf mit all den X-Derivaten plus E-Mobilen durchlebt. Fatal, denn dieser Vergleichstest wird zeigen, wie klasse und ausgereift diese beiden Kombis sind, selbst mit den Basisdieselmotoren im Maschinenraum. Beide? Jawoll – denn der Jaguar hat inzwischen deutlich aufgeholt.
Das liegt an einer überaus hilfreichen Modellpflege, die zudem seiner traditionell sportlich-stattlichen Statur zugutekommt. Die Sechszylinder flogen dabei zwar raus, dafür zog ein neues und fein eingerichtetes Cockpit ein – inklusive gut ablesbarer digitaler Instrumente, des gelungenen und verständlich programmierten Pivi-Pro-Infotainments und optimierter Sitze. Bis auf ein zu kleines Fach unter der Armauflage zeigt der angemessen geräumige Jaguar XF Sportbrake hier wirklich wenig Schwächen.
Der bereits 2020 modifizierte BMW blinzelt da nur milde mit seinem Laserlicht. „Kenn’ ich doch alles“, könnte er dem Jaguar zuraunen. „Und siehst du meinen Dreh-, die klar strukturierte Bedienung und meine großen Türfächer? Das muss mir erst mal Drück-Steller einer nachmachen.“ Über die etwas einfältigen Digitalinstrumente und seitenhaltschwachen Seriensitze sollte er indes lieber schweigen.
Keine Blöße gibt er sich mit seinem 560 bis 1.700 Liter großen Kofferraum. Ganz im Sinne der Touring-Kultur erfüllt der luftigere Fünfer alle Wünsche, die man an einen Kombi stellen kann. Feine Auslegware bis runter in die etwas zu flachen Unterbodenfächer. Rollo und Gepäcksicherungsnetz lassen sich problemlos verräumen, und die Lehnen klappen im Gegensatz zum XF federvorgespannt vor. Dazu eine Cargo-Stellung, Schienen und natürlich die separat aufklappbare Heckscheibe. Super.
Dennoch darf man den Jaguar nicht unterschätzen. Ordentlich Stauraum (563–1.675 l) und Schienen sind auch für ihn kein Problem. Ärgerlich ist schon eher die geringe Zuladung (505 Kilo) und der Adblue-Einfüllstutzen. Der sitzt links in der Kofferraum-Seitenwand, gut versteckt hinter einer Klappe zwischen Gepäckhaken und dem Hebel der Fernentriegelung. Die Nachteile sind offensichtlich. Harnstoffreste auf dem Teppich weisen den Weg, schon nach rund 1. 000 Kilometern Laufleistung. BMW löst das mit einem Stutzen hinter der Diesel-Tankklappe viel praktischer.




