Volvo XC90 Recharge T8 AWD (2022) im Test: Starker Strom-Schwede

Für diesen Bericht bin ich in unser Archiv abgetaucht und musste feststellen, dass die ersten niedergeschriebenen Eindrücke zu einem Volvo XC90 der immer noch aktuellen Generation bereits aus dem Februar 2015 stammen.

Das ist jetzt fast sieben Jahre her. Und optisch ist das SUV-Flaggschiff der Schweden kein Stück gealtert. Wahnsinn. Kann man das auch von der Technik behaupten? Zeit für einen letzten Test, bevor das Modell in Rente geschickt wird.

Was ist das?

Der Top-of-the-Line-XC90. Natürlich … der T8. Die letzte verbleibende Antriebsart, bevor die Baureihe durch den vollelektrischen EX90 abgelöst wird. Der volle Name lautet recht kryptisch „Volvo XC90 Recharge T8 AWD“ und somit ist eigentlich alles gesagt. Dieses Auto fährt mit einem Plug-in-Hybrid-Antrieb, ist ziemlich kraftvoll und hat Allradantrieb. So wie schon der noch als T8 Twin Engine bezeichnete Über-XC90 aus dem Jahr 2015.

Doch bei dem PHEV hat sich einiges verändert. Zum letzten Mal mit dem Modelljahr 2022. Die ersten T8-SUVs kombinierten noch einen 320-PS-Benziner mit einem nur 87 PS starken Elektromotor an der Hinterachse. Der Akku fasste damals 9,2 kWh Strom. Daraus errechnete sich eine Systemleistung von 407 PS und 640 Nm Drehmoment standen parat.

Elektrisch konnten nach NEFZ-Zyklus nur 43 Kilometer zurückgelegt werden, was im damaligen Test natürlich nicht erreicht wurde und schon nach weniger als 30 Kilometern Schluss mit Stromspaß war.

Jetzt kommt zwar immer noch der gleiche 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Turbo- und Kompressoraufladung zum Einsatz, allerdings wurde die Leistung des Verbrenners auf 310 PS gedrosselt. Dafür aber der E-Teil größer dimensioniert. Fortschreitende Elektrifizierung und so.

Der Elektromotor leistet jetzt 145 PS, die Litium-Ionen-Batterie kann nun 18,8 kWh speichern. Damit kommt der XC90 nach WLTP jetzt 86 Kilometer weit und in der Praxis sind trotzdem immer noch beachtliche 50 bis 60 Kilometer möglich.

Ist er dadurch sparsamer … und schneller?

Jein. Mit der Systemleistung von 455 PS und den 709 Nm Drehmoment geht es mit dem 2,3 Tonnen schweren Siebensitzer zwar in 5,4 Sekunden auf Tempo 100 (die älteren Modelle brauchten 5,8 bzw. 5,6 Sekunden) und rein elektrisch kann man bis zu 140 km/h schnell fahren, aber die Hybrid-Höchstgeschwindigkeit wurde von Volvo bekanntermaßen auf 180 km/h begrenzt.

Das mag sich schlimm anhören, denn schließlich durften die älteren XC90 T8 bis 230 km/h ballern, aber bei meiner zweiwöchigen Testperiode gab es lediglich eine einzige Situation (freie Autobahn, gutes Wetter, etwas Zeitdruck) wo ich mir ein Tempo jenseits der 180 km/h-Marke gewünscht hätte.

Sparsamer auf dem Papier ist er (durch den vergrößerten E-Anteil) schon. 1,4 l/100km attestiert der WLTP-Zyklus. 2,1 bis 2,6 l/100km waren es bei den Vorgängern. Allerdings bringt einem natürlich der größte Akku nichts, wenn man ihn nicht regelmäßig lädt.

Und so bleibt es – gerade auf längeren Strecken – bei acht bis elf Liter Superbenzin, die in den vier Brennräumen zu Abgasen verwandelt werden. Klingt viel, ist aber immer noch ein recht akzeptabler Wert für ein Auto von der Größe, dem Komfort und nicht zuletzt … der Power. Und es ginge ja auch besser, umso öfter man ihn an die Steckdose hängt.

Wie fährt er sich nun?

Überraschung … immer noch wie eine schwedische Sänfte. Sie wollen es zielgenau und reaktiv, hassen Wankbewegungen der Karosserie und stehen auf zackige Schaltmanöver? Dann ist der XC90 weiterhin das falsche Auto für Sie. Er sieht mit den 21-Zoll-Felgen, der „Dark“-Ausstattung, die Chrom durch schwarze Elemente ersetzt, und den fantastisch ausgeformten Tailord Wool-Sportsitzen schon recht sportlich aus.

Am Ende sorgen die leichtgängige Lenkung, das immer auf Entspannung bedachte Luftfahrwerk und die sanft abgestimmte 8-Gang-Automatik für einen beruhigende Wohlfühl-Atmosphäre. 

So schippert man also lieber – abgekapselt von der Außenwelt hinter Akustikverglasung – ganz gelassen mit einem wunderbaren Sound aus der 3.060 Euro teuren Bowers & Wilkin-Anlage mit bis zu sieben Personen oder extrem viel Gepäck über die Autobahn, aktiviert vielleicht die wunderbar funktionierenden Fahrassistenten, die serienmäßig an Bord sind und fragt sich gelegentlich, welcher Motor eigentlich gerade was macht. Außerdem kann man so viel besser den wundervoll gestalteten und verarbeiteten Innenraum sowie die großartige Google-Software auf dem Infotainment-Display genießen.

Aber gibt es auch nervige Dinge?

Die gibt es. Und es handelt sich um Punkte, an denen man dann doch merkt, dass der XC90 mittlerweile sieben Jahre auf dem Markt ist. Einerseits fällt das Infotainmentsystem für die Größe des Innenraums recht klein aus, die induktive Ladeschale will mit meinem eigentlich noch recht gängigen iPhone 12 Mini nicht auf einen Nenner kommen und außerdem sind wir in dieser Klasse mittlerweile Matrix-LED-Scheinwerfer gewöhnt. Das Voll-LED-System in diesem Volvo kann zwar schon automatisch abblenden, mehr aber leider nicht.

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