Kia EV6 im Alltagstest: laden, Winter, Kälte, Software, Update, Upgrade

Heute sagen wir unserem Kia EV6 leise Tschüs! Nach einem Jahr hat uns das 325 PS starke Elektroauto überzeugt – wenn die Software frisch ist.

Die Ernüchterung kam an der A5 Frankfurt–Kassel, Ionity-Lader Rasthof Reinhardshain. Es ist bitterkalt, unser Kia EV6 lädt nicht wie im Sommer mit 235 kW, sondern er beginnt mit läppischen 67 und landet irgendwann bei 125 kW. Verglichen mit der (deutschen) Konkurrenz ist das nicht schlecht, aber der EV6 nebenan kommt auf 218, ist zehn Minuten früher weg.

Frage: Was ist da los?
Antwort: Er war beim Upgrade.

Unser Elektro-Kia war jetzt ein Jahr im AUTO BILD-Einsatz, stand selten in der Tiefgarage und verbrachte die meiste Zeit auf der Autobahn, hat fast 46.000 Kilometer runter.

Es ist ein EV6 mit 325 PS und Allradantrieb. Als GT-Line mit 77,4-kWh-Akku sowie allerlei Gepiepse (Totwinkel- und Spurhalte-Assi) und fetten 20-Zoll-Rädern kostet er 63.170 Euro, 800-Volt-Bordnetz wie beim Porsche Taycan inklusive. Aber so richtig schnell laden kann er eben nur im Sommer.

Jetzt stand das Update für die Vorkonditionierung der Batterie bereit. Die Kia-Händler nennen es Upgrade, das ist ein bisschen wie bei Lufthansa, wenn du Economy gebucht hast und gegen Aufpreis Business fliegen kannst. Die Preise für diesen Boxenstopp sind nicht klar definiert, liegen zwischen 120 und 180 Euro, je nach Händler. Das Upgrade dauert eine halbe Stunde, doof nur, dass es bei uns erst nicht funktionieren will.
Frage: Was ist da los?

Antwort: Da fehlen Updates.
193 kW Spitzenwert beim Schnellladen

Da wir in der Nähe sind, fahren wir zur Kia-Pressewerkstatt. Chef-Auskenner und Techniker Attila sagt: Da fehlt neueste Software für die Fahrzeug-Kommunikation, ohne die geht das Upgraden nicht. Nach zwei Stunden ist unser EV6 auf aktuellem Stand. Wie beim Taycan gibst du die Schnellladesäule als Ziel ein, Akku wird auf Temperatur gebracht, kann dann auch bei Kälte fix laden. Als Spitzenwert stand 193 kW auf dem Display, in 20 Minuten war der Kia auf 80 Prozent.

Klar: Auf Dauer kann es nicht gesund sein, permanent schnell zu laden, 11 kW an der Wallbox zu Hause sind das Ziel. Aber wenn du auf Achse bist, so wie ich öfter 1000 Kilometer am Tag fährst, dann willst du nicht mehrmals für 35 Minuten bei McDonald’s sitzen, sondern laden, pinkeln, Kaffee, weiter. (Schlägt der Kia EV6 den VW ID.5 GTX im Vergleichstest?) 

Und genau hier hat uns der EV6 im vergangenen Sommer überzeugt. Er bietet Taycan-Technik zum halben Preis, ist das Elektromobil, das in seiner Klasse mit Langstrecken-Genen glänzt. Und hängt an der Ladesäule die Konkurrenz von Volkswagen (VW ID.4 und ID.5, Audi Q4) ab, jetzt auch im Winter.

Ideen für das Facelift des Kia

Aber wir hätten schon noch ein paar Ideen fürs erste Facelift. Das betrifft die Qualität. Ja, wir wissen, dass den Koreanern der Kofferraum egal ist. Aber nicht, wenn du öfter Getränke holst und dann das Hartplastik an den Seiten verkratzt.

Das Hartplastik an den Türverkleidungen unten ist anfällig für Schuhspuren, am Hartplastik im Fond klappern die Gurtzungen, wenn du allein fährst. Bleibt also Platz für Feintuning. Um nix anderes als um leichte Retuschen geht es beim EV6, denn der Koreaner ist grundsätzlich, subjektiv wie objektiv, ein gutes Auto.

Ach ja, und einen Tipp hätten wir noch, wenn Sie so einen fahren oder kaufen wollen: Stellen Sie sich gut mit der Werkstatt, bringen Sie öfter mal Mettbrötchen mit. Nicht dass der EV6 kränkelt und auf der Hebebühne vorstellig werden muss. Nein, es geht um die Software. Klar kann man auch selbst Updates aus dem Netz ziehen, per Stick aufs Auto spielen. Wir würden das in der Werkstatt lieber regelmäßig prüfen lassen. Denn der EV6 ist wie guter Rotwein: Er wird mit dem Alter besser.

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