
Vor mehr als 20 Jahren haben mein Ex-Arbeitskollege und Fahrer beschlossen, uns ein Rallyeauto zu kaufen. Die Wahl fiel auf einen Citroen AX Gti „Multipoint Injection“ den wir aus dem Waldviertel holten.
40.000 Schilling hat er gekostet, rot war er und nach Aussagen des Vorbesitzers rennfertig aufgebaut. Dem war nicht so. Das merkten wir recht schnell als uns die neuen Bestimmungen der OSK reinflatterten. Die Scheiben mussten mit Splitterschutzfolie versehen werden, die Löschanlage mussten wir erneuern. Zusätzlich zu Helm, Rennanzug, Garage usw usf keine kleinen Beträge.
Testen waren wir auch. Hierzu haben wir uns am Rallyecross-Ring in Greinbach einen Samstag eingemietet, den Cit auf Herz und Nieren getestet – bis die Halbachse flöten ging.
Und genau vor 20 Jahren war es dann soweit. Wir packten unseren Citroen ein und machten uns mit dem Gespann auf nach Ostbayern. Genauer gesagt nach Hutthurm zum ersten Lauf der Rallye Challenge. Noch nie aktiv bei einer Rallye gewesen zu sein, war eine ziemliche herausforderung. Folkrad Payrich gab uns zwar am Vorabend zur Besichtigung noch einige Tips dennoch vertrödelten wir irgendwie die Zeit und mussten dann in Rekordzeit die Sonderprüfungen besichtigen. Dies führte zu der einen oder anderen knackigen Situation. Das erschrockene Gesicht der Frau die uns im alten Mercedes entgegenkam seh ich heut noch vor mir. Sie hat wohl nicht damit gerechnet, dass da vor ihren Augen ein „Stadtflitzer“ über die Kuppe springt. 😀
Nach getaner Arbeit liessen wir den Tag mit ein paar Rallyekollegen ausklingen. Alkoholfrei natürlich.

Dass dies nicht jedermanns Vorsatz war, zeigte sich schon auf den ersten 100 Metern der ersten Sonderprüfung. Aus den Augenwinkeln heraus sah ich in diesen meinen ersten aktiven Rallyeminuten ganze 5 Autos neben der Strasse liegen und fragte mich, wo zur Hölle ich da reingeraten bin. Grundsätzlich verlief der erste Turn aber gut. Die Zeiten waren hervorragend, wir kamen langsam in den Rythmus und hatten zunehmends Spass an der Sache. Bis, ja bis…. zur 5. Sonderprüfung.
Wir waren schon in Vorfreude auf die 6. Sonderprüfung. Eine, mehr als 20 km lange, Asphaltprüfung mit richtig schnellen Passagen. Tjo, nur leider leider gabs auf der 5. ein Waldstück. Kein langes, grad eine Verbindungspassage zwischen zwei Asphaltstücken. Es war also nicht nötig, andere Reifen als die Asphaltreifen aufzuziehen. Leider mündete die Gatschdreckpassage in ner 90 Grad Links Abzweigung und leider war der Dreck durch die Autos vor uns schon bis in die Abzweigung reingetragen worden und so spürte ich, mit dem Kopf schon zwei Kurven weiter vorne, dass da nix mit Abzweigung war. Wir rutschten schräg in die Abzweigung rein, die Handbremse griff leider zu spät und wir rutschten über die Strasse drüber, was kein Problem gewesen wäre, wär da nicht der Strassengraben in dem wir seitlich reinrutschten, als die Reifen, leider zu spät wieder griffen.
Ich konnte nicht raus da das Auto ja am Seitenspiegel lag und so musste uns der Traktor rauszerren der, emotionslos wie ein Traktor halt nun mal ist, am Abschlepphaken anriss dass wir das Gefühl hatten, wir verlieren da jetzt den Vorderbau.
In „Sonntagsfahrergeschwindigkeit“ beendeten wir die Sonderprüfung. In der Servicezone stellte sich dann heraus, dass die Lenkung einen Schlag bekommen hat und wir somit in der 5. Sonderprüfung vor dem Lokalmatador im Audi S3 liegend leider aufgeben mussten. War sein Glück, wir hätten den ziemlich „herbrennt“
20 Jahre ist das nun her und bildete den Startpunkt von 3 aktiven und vielen weiteren passiven Rallyejahren die mich quer durch Österreich, Tschechien und die Slowakei bis zu den WM-Läufen nach Deutschland und Finnland führten.
Vielleicht passts mal wieder und vielleicht setz ich mich mal wieder in den Beifahrersitz.

Rallyeberichte von anno dazumal… zumindest das, was ich noch gefunden hab:
ADAC Ostbayern Rallye 2001

Für die vergangene Saison wurden die Ziele nicht allzu hoch gesteckt, da es für uns alle eine Premiere im Rallyesport war. Wir wussten weder über die Administration vor den Rennen noch über den Mitbewerb Bescheid und so waren wir verwundert, als wir anlässlich des ersten Rennens mitten in der Nacht in Hutthurm ankamen und weit und breit keine Hinweise auf eine Rallye zu sehen waren.
Bis dann am nächsten Morgen die ersten Fahrzeuge der Konkurrenten ankamen wurden wir etwas ruhiger und konnten uns auf den Trainingstag konzentrieren.
Dank der Hilfe des „Rallye-Spezialisten“ Folkrad „Folki“ Payrich erfuhren wir noch am Vorabend zur Rallye wissenswertes über Streckenführung, Taktik und den Zeitkarten und so konnte das Rennen beginnen.
Die anfängliche Nervosität legte sich nach der ersten Sonderprüfung und die Zeiten wurden von Mal zu Mal besser. Der Rundkurs fing an Spaß zu machen und wir begannen uns so richtig wohl zu fühlen und riskierten den einen oder anderen Drift.
Die Schotterpassage der 5. Wertungsprüfung endete Schlussendlich im Straßengraben. Eine Abzweigung war durch die vorhergehenden Fahrzeuge dermaßen schmutzig geworden, dass unsere Reifen den Halt verloren und unser Wagen auf der Beifahrerseite zu liegen kam. Nachdem wir von einem Traktor geborgen wurden beschlossen wir, die Rallye aus Sicherheitsgründen (defekte Lenkung, Ölverlust…) zu beenden.
Bis zu diesem Ausfall führten wir die Ergebnisliste in der Gruppe N1 an und deklassierten auch so manches stärkere Fahrzeug (Audi S2). Sogar der im Programmblatt angekündigte Lokalmatador fuhr mit seinem 40 PS stärkerem Renault Clio schlechtere Zeiten als unser Team.
nat. Wechselland-Rallye 2001

Die Zweite Rallye führte uns nach Pinggau/Stmk. Gestärkt mit neuem Selbstbewusstsein und einem generalüberholten Wagen gingen wir in der grünen Mark an den Start. Wiederum eine Rallye die sehr viel Spaß machte. Die Organisation war hervorragend und die Streckenführung bewies wieder einmal, dass Österreich eine der führenden Rallyenationen ist.
Leider machte uns hier die Konkurrenz schwer zu schaffen. Der Suzuki des Werner-Teams schien uneinholbar zu sein, egal wie viel riskiert wurde. Ein Missverständnis zwischen Fahrer und Beifahrer und ein folgender Dreher bei 120 km/h in einem Waldstück belehrte uns wieder etwas konzentrierter zu fahren und so schafften wir es doch noch, den 2. Platz in unserer Gruppe bei dieser Rallye zu halten.
nat. OMV-Rallye 2001

Die dritte Rallye sorgte für großes Aufsehen. Sogar der amtierende Staatsmeister ließ es sich nicht nehmen, unseren kleinen Serviceplatz zu besuchen. Nach einer ersten sensationellen Wertungsprüfung in der einige Fahrer aus dem internationalen Lager deklassiert wurden passierte auf der 2. Wertungsprüfung ein kleines Missgeschick mit schwerwiegenden Folgen.
Aufgrund eines Besichtigungsfehlers wurde eine Bodenwelle in der Kurve unterschätzt. In der Folge verloren wir kurzzeitig die Kontrolle über das Fahrzeug. Dies wäre alles nicht so schlimm gewesen da auf beiden Seiten weite Auslaufflächen vorhanden waren. Leider versäumte es aber der ansässige Landwirt, seine Kühe von der Weide zu treiben.
Eine dieser Kühe erfasste den Ernst der Lage nicht rasch genug und wurde in Folge des Zusammenstoßes über das Auto geschleudert. Die Sonderprüfung wurde mit dem schwer havarierten Auto beendet. In der Servicezone liefen mittlerweile die Vorbereitungen zur Schadensbehebung auf Hochtouren und am Ende der Servicezeit war das Fahrzeug auch wieder soweit ein-satzbereit.
Leider erhielten wir aber aufgrund der fehlenden Stoßstange vom Veranstalter keine Starterlaubnis mehr sodass die Rallye zum Leidwesen des ganzen Teams beendet werden musste.
int. ARBOE-Rallye Steiermark 2001

Den Abschluss der Saison bildete die Arbö-Rallye in Admont. Bei dieser Veranstaltung wagten wir es, zum ersten Mal im internationalen Feld an den Start zu gehen. In einem interessanten Rennen mit hoher Zuschauerbeteiligung wurde trotz großer Reifenproblemen und einem, von der Saison bereits gezeichnetem, Motor der 2. Platz in der Gruppe im internationalen Feld herausgefahren.
ADAC Ostbayern Rallye 2002
Wieder einmal planten wir an der Ostbayern Rallye teilzunehmen und wieder einmal lief alles nach Murphys Gesetz ab: Alles was schief gehen konnte ging schief.
Die Kupplung, welche uns am Trainingswochenende zuvor solche Probleme bereitet hatte wurde, genauso wie die Serienbremsscheiben ausgewechselt. Die Rennbrems- scheiben wurden uns von einigen Kollegen empfohlen, da diese auch unter der Extrembelastung im Renneinsatz zuverlässig sein sollten.
Typisch für Deutschland ist wie jedes Jahr der dicht gedrängte Terminplan der kaum Zeit für Verschnaufpausen lässt. Bei der Rückfahrt von der technischen Abnahme stellten wir auf längeren Geraden und bei raschen Lastwechseln Zündaussetzer und einen Leistungsverlust fest.
Die Kontrolle durch unsere Mechaniker bestätigte unsere Befürchtungen das die Zylinderkopfdichtung leicht beschädigt war. Fieberhaft machten wir uns nun auf die Suche nach Mazda-Händlern oder Freunden, welche zufällig eine passende Dichtung liefern könnten.
Leider schlugen alle Bemühungen eine neue Dichtung heranzuschaffen fehl. Somit beschlossen wir, mit der angeschlagenen Dichtung das Rennen anzutreten um Rennkilometer zu sammeln und das Fahrzeug abzustellen, bevor gröberer Schaden für den Motor entsteht.
Entgegen der Wetterprognosen regnete es in der Nacht zum Renntag. Am Morgen nieselte es zwar nur mehr leicht aber die Ungewissheit, wie das Wetter im Laufe des Tages werden würde blieb bestehen da stellenweise auch die Sonne schien.
Nach dem Start aus dem Parc Fermé entschieden wir uns im ersten Service auf Nummer Sicher zu gehen und auf Regenreifen zu setzen was sich als äußerst klug erwies. Bereits bei der Anfahrt zur ersten Wertungsprüfung setzte einkurzer heftiger Regenschauer ein der sich aber bis zum Start der Sonderprüfung legte. Nichtsdestotrotz war die Straße nass und sehr schmierig.
Da wir das Auto noch nie bei solchen Bedingungen getestet hatten, bestand nun die Kunst darin, aus dem Stehgreif die Grenzen des Mazda zu erraten was an und für sich sehr gut gelang. Trotz all dieser Schwierigkeiten verloren wir auf den Gesamtsieger der Rallye bei dieser WP nur 39 Sekunden.
Bereits in der zweiten Sonderprüfung kam ein gewisses Maß an Sicherheit dazu und die Platzierung im Zwischenklassement konnte verbessert werden.
Das Wetter klarte bis zum 2.Service einigermaßen auf und die Strecke begann langsam aufzutrocknen. Wir hofften, das Wetter möge so bleiben und stellten optimistisch auf Trockenreifen um.
Nach den ersten Metern der 3. WP stellten wir fest, dass wir etwas zu zuversichtlich waren und die Wahl der Trockenreifen noch etwas zu früh war weshalb die Reifen nicht genügend Grip aufbauen konnten. Nach ca. 3 Kilometern hörten wir beim Anbremsen eines Abzweigs bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h einen heftigen Knall verbunden mit einem Totalausfall der Bremsen. Zu unserem Glück war an dieser Stelle ein Notausfahrt vorgesehen die wir leider zur Gänze ausnützen mussten.
Bei genauerer Begutachtung stellten wir fest, das die Bremsscheibe vorne links, welche erst in dieser Woche erneuert wurde, komplett gebrochen war.
Enttäuscht traten wir am nächsten Tag die Heimreise an, mit der Hoffnung, im nächsten Rennen etwas mehr Glück zu haben.
















