Der Name Volvo hat seinen Ursprung ja im Lateinischen und heißt „Ich rolle“. Höchstwahrscheinlich hatten Herr Gabrielsson und Herr Larson – die beiden gründeten Volvo 1927 – so etwas wie den 2022er V90 Cross Country noch nicht im Sinn. Dabei passt hier die Übersetzung perfekt.
Rollen klingt schließlich so schön leichtgängig, ungehemmt, fröhlich-frei – und genau das ist der V90 CC. Er ist angenehm und flutschend durch den 100.000-Kilometer-Dauertest von AUTO BILD geschwommen, hat uns nicht im Stich gelassen, dabei über Komfort und Packeselqualitäten die Dienstreisen versüßt. Das deckt sich mit dem Stimmungsbild der Nutzer. Dazu gleich mehr.
Der V90 Cross Country zeigt sich zunächst zuverlässig
Wir hangeln uns zunächst durch die Werkstatt-Literatur. Sondieren Inspektionen, suchen Funktionsfehler, ziehen Bilanz aus der obligatorischen Zerlegung der Technik in alle Einzelteile. Hier können wir zumindest für die fast zwei Jahre Arbeitszeit bei AUTO BILD Entwarnung geben. Kein einziger Fehler bremste den 235 PS starken Dieselmotor (heißt bei Volvo D5) während der 100.000-Kilometer-Prüffahrt aus.
Keine Pannen, keine irrlichternden gelben Kontrollanzeigen, kein Stirnrunzeln ob verschlissener Bremsen in der Vertragswerkstatt. So soll das sein, so passt das in diese prestigeträchtige Liga, entsprechend hoch fällt unsere Bewertung (Teilnote 1+) im Kapitel Zuverlässigkeit aus.
Das große Aber kommt bei der Demontage
Aber Achtung, die großartige Note gilt nur für das fehlerfreie Abschneiden „über die Betriebszeit“. Die abschließende gründliche Untersuchung hat nämlich offenbart: Die Fehler kommen leider noch! Denn zwei Auffälligkeiten bereiten uns, dem für die Demontage zuständigen DEKRA-Kollegen Marcus Constantin und bald wohl auch dem Volvo-Kundendienst Kopfzerbrechen.
Erstens: Der Kurbeltrieb des Zweiliter-Turbodiesels hat Federn gelassen. An den Pleuellagern hat der Sachverständige Abnutzung und Laufspuren entdeckt, an den Schalen des zweiten Zylinders auch die Riefe durch ein eingedrungenes Fremdteilchen. Zwar liegen die Abtragungen nur im Mikrometer-Bereich, doch sie sind auffällig genug. Deutlich eher werden sich die verschlissenen Radialdichtungen der hinteren Antriebswellenflansche durchschlagen – hier sickert bereits Differenzialöl raus.




