TEST: MAZDA CX-60

Unsere Autorin hat den Mazda CX-60 mit Plug-in Hybridantrieb in der Farbe Soul Red Crystal getestet. Im Fokus steht weniger das Fahren und der Wagen, sondern der Lifestyle.

Im Prinzip wollen alle Automobilhersteller weltweit nur das eine: Autos verkaufen. So viele wie möglich. Neuerdings versuchen die Marken, ihre Multiplikatoren mit Lifestyle-Erlebnissen an sich zu binden. Das Auto und das Fahren desselbigen spielt dann nur noch eine zweite Geige.

Jüngstes Beispiel: Mazda. Kurz vor Weihnachten letztes Jahr ging es darum, den nagelneuen Mazda CX-60, den ersten Plug-in-Hybrid des japanischen Herstellers Mazda Motor Corporation, kennenzulernen. Location: Amsterdam. Da muss man erst einmal hinkommen, also mit dem Flugzeug. Der Abflug ist für früh am Morgen geplant, das offizielle Happening für das neue Modell soll mittags mit einem gemeinsamen Lunch aller Teilnehmer beginnen.

Historie und Nachhaltigkeit

Wir, also die von Mazda eingeladenen Journalisten und vor allem Influencer aus verschiedenen Ländern Europas, sind im Hotel Jakarta untergebracht und das ist die erste Sensation auf diesem 24-Stunden-Trip. Das Jakarta liegt gegenüber dem Kai, an dem die ganz grossen Kreuzfahrtschiffe operieren. Von hier gingen früher die niederländischen Handelsschiffe beladen mit Post, Gütern und Passagieren nach Indonesien, das bis zur Übernahme durch die Japaner 1942 eine holländische Kolonie war.

Das Hotel, benannt nach der Hauptstadt Indonesiens, ist eines der ersten klimaneutralen Hotels in den Niederlanden. Die riesige Hotelhalle beherbergt einen Palmengarten als thermischen Puffer für das aus Beton und Holz gebaute Gebäude. Sonst wird man in neuen Hotels von der meist viel zu kühlen Luft aus der Air-Condition empfangen, hier zirkuliert eine natürliche Belüftung, sehr angenehm.

Lifestyle erleben

Der Lunch im hauseigenen Restaurant Café Jakarta im Hortus des Hotels ist asiatisch geprägt, serviert wird er in Royal-Dutch-Porzellan, das auf Java produziert wird. Trotz der Höhe der Halle ist die Akustik gedämpft, auch juchzende Kids, die die Brücke quer durch die Halle im ersten Stock entdeckt haben und sie geräuschvoll austesten, stören nicht wirklich. Dann aber geht es endlich ins Auto.

Keine Zeit für Erklärungen, der Mazda CX-60 sei intuitiv, meint der Fahrer, der mir Mazdas ersten Plug-in-Hybrid bereitstellt. Er hat weitestgehend recht, die Autos ähneln sich ja inzwischen alle, vor allem Crossover-SUV wie dieser. Ich fahre privat einen Volvo XC 40 Recharge, und habe nicht das Gefühl, in diesem Mazda in einem völlig fremden Auto zu sitzen.

Die haptische Erfahrung

Der Mazda CX-60 e-Skyaktive PHEV 327 AWD (heutzutage sind die korrekten kompletten Modellnamen definitiv länger als High-End- Kosmetikproduktbezeichnungen) ist mit 327 kombinierten PS das leistungsstärkste Strassenfahrzeug, das Mazda je gebaut hat. Auf die Strasse bringt man das in Holland und vor allem durch Amsterdam hindurch nicht, überall herrschen Geschwindigkeitsbegrenzungen. 

Muss ja auch nicht sein. Im Auto mit mir sitzt die Presseverantwortliche für Mazda Schweiz, und sie erklärt mir die spezielle Innenausstattung, wir sitzen in der Variante Takumi. Es gibt Verkleidungen in elfenbeinfarbenem Holzlook und Stoff, der mit Kakenui-Stichen verziert ist, wie man sie beim Nähen von Kimonos verwendet (die Stiche lassen den Blick auf das Material darunter frei).

Die Optik wäre jetzt nicht so meins, zu sehr Wohnzimmerfeeling. Was hingegen gefällt, ist die Aufgeräumtheit. Weniger ist mehr, lautet die japanische Devise, kein überflüssiger Schnickschnack ist im gesamten Mazda CX-60 auszumachen.

Das Auge trainieren

Ziel der 45-minütigen Fahrt ist eine Event-Location, die Mazda in ein Fotostudio umgewandelt hat. Der Fotograf René van der Hulst, der auch schon diverse Mazda-Modelle in Szene setzte, empfängt uns und erklärt seine Art, sich an ein neues Auto heranzutasten. Licht und Schatten sind seine Werkzeuge. Das Ziel: das Auto auch im Stand so dynamisch aussehen zu lassen, als ob es sich bewegt, das ist Teil der Mazda-Philosophie. Das müssen wir heute nicht, dennoch ist für uns Anwesende heute ein Fotoworkshop angedacht, wir sollen mit Design, Licht und Schatten experimentieren.

Auch Gustave Djon Toug, Senior Designer und im Brand Style Management von Mazda Motor Europe in Leverkusen, ist anwesend. Er vermittelt nochmals die japanische Haltung, die hinter der Fertigung eines Mazda steckt. Seit 2010 hat Mazda sich dem Kodo-Design verschrieben. Kodo ist Japanisch und heisst so viel wie «Soul of Motion», die Kraft und Schönheit in der Bewegung. Gustave hat eine Präsentation dabei (die man nicht fotografieren darf, top secret), die zeigt, wie jede Handlung, die zum fertigen Auto führt, bei Mazda mit Verve ausgeführt wird.

Mazda weiss, dass keine Maschine die Kunstfertigkeit der Menschenhand ersetzen kann. Das kommt besonders bei den Tonmodellen zum Tragen, die in verschiedenen Grössen bis hin zum 1:1 Modell von Hand erarbeitet werden. Der Senior Designer erzählt von Takumi-Technikern, den Meisterlackierern, die Metall hauchdünn schleifen können. Für einen kurzen Moment gelingt es ihm, den Eindruck zu erwecken, jeder Mazda sei ein in Zen-Manier in tiefer Ruhe und Ausgeglichenheit erbautes Unikat.

Spoiler: Allein in der Schweiz wurden 2022 4215 neue Mazdas zugelassen. Die wurden sicher niemals per Hand einzeln angefertigt.

Für die Geschmacksnerven

Nach der Theorie dürfen wir selbst fotografieren, alles und jeden im Raum, der oder die will, jedes Objekt und natürlich auch das Auto. Die Influencer gehen sofort ans Werk, ich bin noch unschlüssig, produziere am Ende zwei Fotos, die der Gruppe gefallen. Fotografin ist aber definitiv nicht meine Berufung.

Der Abend klingt aus mit einer Grachtenfahrt durch das Amsterdam Light Festival (noch bis 22. Januar 2023), das sich zu besuchen lohnt; 25 Installationen im oder am Wasser.

Das Dinner ist dann die zweite Überraschung des Events. Wir speisen im Bellezza The Restaurant, ein winziges Etablissement im Cartier Rouge von Amsterdam. Um die 25 Personen haben in dem kleinen Raum im Erdgeschoss Platz, es folgt ein Feuerwerk an sensorischen Highlights, hab irgendwann aufgehört, die Gänge zu zählen, zu jedem gab es anderen Wein, dazu eine Foto- und Videoshow an den Wänden.

Die Basics

Der Morgen danach ist dann vollends nach meinem Geschmack. Wir dürfen frei fahren, ich mache mich auf den Weg nach Zandvoort, ans Meer, werde belohnt mit crispy kalten, von leichtem Frostzuckerguss überzogenen frühmorgendlichen Dünen.

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