Ford Ranger Raptor: Test

Der Ford Ranger Raptor 3.0 EcoBoost e-4WD verleitet zu wilden Rodeo-Eskapaden, bereitet aber nicht nur Offroad-Fans pure Freude. Test!

Es braucht tatsächlich ein bisschen mehr Platz, damit der Ford Ranger Raptor 3.0 EcoBoost e-4WD zeigen kann, was er drauf hat. Das gilt nicht nur für die Abmessungen der aktuellen Generation des Ford Ranger, wobei die „kleinste“ Pick-up-Reihe der Marke bereits 5,36 Meter misst und einen Radstand von reichlichen 3,27 Metern hat, womit er seinen Vorgänger um glatte fünf Zentimeter überragt. Die Optik fällt ebenfalls nochmals deutlich bulliger und kantiger aus, was auch der martialische F-O-R-D-Schriftzug im Kühlergrill betont. Doch nicht nur das: Statt des bisherigen drehmomentstarken, aber nur 213 PS (156,6 kW) kräftigen Zweiliter-Diesels drückt den Power-Pick-up nun ein drei Liter großer V6-Benziner mit doppelter Turboaufladung voran. Das passt besser! Und vor allen Dingen klingt es besser: Die schaltbare Sportabgasanlage lässt den 292 PS (214,7 kW) starken V6 im Test schon im Normal-Modus heiser röhrend durch das Drehzahlband rotieren.

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Wem das zu viel ist, schaltet um auf „Leise“, wer mehr will, wählt „Sport“ oder „Baja“. Dann krempelt der EcoBoost-Triebsatz akustisch die Ärmel hoch. Herrlich, schließlich ist es genau das, was Fans rustikaler Macho-Mobile erwarten. Wer einfach nur lässig dahin cruist, erfreut sich bei jedem Gasstoß am herzhaften Klangspektakel, das sowohl von der Gaspedal-Stellung als auch von der eingelegten Fahrstufe des Automatik-Getriebes variiert wird. Und weil der Ford von den Fahrstufen gleich zehn hat, schaltet er nach dem Ampelstart viermal hoch, bis er ab Tempo 50 schließlich Stufe sechs nachschiebt. Bleiben immer noch vier! Weil die einzelnen Drehzahlsprünge wegen der engen Stufung gering ausfallen, gehen die Schaltmanöver meist sanft vonstatten. Nur wer es eilig hat oder hektisch zwischen Gasgeben, Bremsen und Ausrollen hin und her wechselt, wird mit ruppigen Eingriffen zu einer gleichmäßigeren Fahrweise erzogen. Die Vielzahl der Gänge sorgt zudem dafür, dass selbst mäßige Beschleunigungswünsche bei höherem Tempo auf Landstraßen oder gar Autobahnen zu zigfachen Rückschaltungen führen. Das dauert dann eben auch schon mal einen kleinen Moment und unterbricht die meist betont gelassene Art, in der der Ford Ranger Raptor 3.0 EcoBoost e-4WD üblicherweise durch sein Revier streicht.

Andererseits ruft erst ein fester Tritt aufs rechte Pedal sämtliche Pferdchen unter der Haube wach und macht dem leer 2,5 Tonnen schweren Pritschenwagen gehörig Beine. Zwar verfehlt er mit 8,8 Sekunden im Test deutlich die versprochene Werksangabe (7,9 s) für den Sprint von null auf 100 km/h und entfacht kein wirklich sportliches Temperament, doch gemessen an den sonst im Pick-up-Segment üblichen Fahrleistungen wird er damit zum Renner unter seinesgleichen. Für seine Mühen gönnt sich das Biturbo-Triebwerk aber auch 15,8 Liter Super je 100 Kilometer auf der Testrunde. Nutzt man die hohe Zuladung von über 600 Kilogramm oder die Anhängelast von immerhin noch 2,5 Tonnen aus, muss man mit Werten um 18 Liter oder mehr rechnen. Wer jetzt mit den Augen rollt, sollte vielleicht doch den weiterhin angebotenen Diesel-Raptor (ab 74.197 Euro) wählen. Der leistet aktuell zwar nur noch 210 PS (154 kW), bietet mit 500 Newtonmeter aber sogar ein paar mehr als der V6-Benziner und dürfte mehrere Liter Sprit weniger verfeuern. Aber ein Power-Pick-up ist nun mal das falsche Konzept, um höchste Effizienz zu zelebrieren.

Der Raptor giert vielmehr danach, seine 491 Newtonmeter einzusetzen, um auch abseits befestigter Wege unaufhaltsam voran zu kommen. Die volle Kraft liegt bereits bei moderaten 2300 Touren an, und weil das Ingenieursteam die Leistungsentfaltung des V6 auf jede einzelne der zehn Fahrstufen abgestimmt haben, scheint er völlig linear an Tempo respektive Power zuzulegen. Das erleichtert ein feinfühliges Dosieren auf rutschigem Untergrund ungemein. Sofern es die Abmessungen und der Wendekreis von 13,4 Metern zulassen, wühlt sich der Ford Ranger Raptor 3.0 EcoBoost e-4WD im Gelände in beeindruckender Manier selbst durch den dicksten Schlamm und erklimmt die steilsten Hügel. Vier Offroad-Fahrprogramme passen die Regelsysteme an den jeweiligen Einsatzzweck an. Neben dem permanenten Allradantrieb setzt der Ford dabei auf eine Getriebereduktion und zwei sperrbare Differenziale an Vorder- und Hinterachse. Außerdem sorgt das Fahrwerk mit 256 Millimeter Federweg an den einzeln aufgehängten Vorderrädern sowie 290 Millimeter Federweg an der hinteren Starrachse für eine gute Verschränkung und hält die grobstolligen Räder lange am Boden.

Für ausreichend Abstand zum Untergrund sorgen die Bodenfreiheit von 265 Millimeter sowie Böschungswinkel von 32 Grad vorn und 24 Grad hinten. Beim Überfahren von Kuppen beträgt der Rampenwinkel ebenfalls 24 Grad, was angesichts des Radstands beachtlich viel Freiraum schafft. Sollte der Ranger dennoch auf Grund laufen, schützen ihn massive Stahlbleche mit 2,3 Millimeter Materialstärke am Unterboden. Zur Bergung gibt es kräftige Zugösen vorn und hinten. Überhaupt glänzt der Ford Ranger Raptor mit soliden Bauteilen und seiner unerschütterlich robusten Grundkonstruktion, die ihn für derbe Ausritte ins ungespurte Gelände prädestinieren. Das allein unterscheidet ihn bereits nachhaltig von all den livestyligen SUV, die zwar in der Theorie bestens fürs Gelände gewappnet scheinen, in Wahrheit aber viel zu empfindlich für solche Eskapaden sind.

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