Fahrbericht Land Rover Discovery D300 AWD

Land Rover gönnt dem Discovery zum neuen Modelljahr eine Überarbeitung, die den Reihensechszylinder-Diesel aus dem Defender unter die Motorhaube und das leistungsstärkere Pivi Pro-Infotainment in das Cockpit bringt.

Wenn man sich die Land Rover Modellpalette so anschaut, sind die Hauptrollen klar verteilt. Der Range Rover ist das Herrenfahrer-Vehikel, mit dem der Adlige seine Güter inspiziert, aber auch zur Oper fahren kann, der Defender ist die unantastbare Geländewagen-Ikone und der Evoque der Lifestyle-Beau. Lediglich beim Discovery scheiden sich die Geister. Das geht schon beim Design los: Das markante Heck mit der deutlichen Stufe und der auffälligen C-Säule wirkt wie ein Rucksack und fügt sich nicht geschmeidig in die Linie ein.

Das ist vermutlich so gewollt. Der Discovery ist der unverwüstliche Arbeiter im Blaumann im britischen SUV-Reigen. Einer, der nicht die Räder einzieht, wenn es mal zur Sache geht und kräftig ist er auch noch. Der Discovery zieht bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast und wird deswegen auch gerne vor Pferdeanhänger gespannt. Der passende Assistent sorgt dafür, dass es beim Rangieren keine Probleme gibt. Aber eine Anhängerkupplung macht noch kein Erfolgsmodell, also haben die Briten den Discovery etwas aufgefrischt.

Neue Details im Inneren

Äußerlich sind die Änderungen kosmetisch: größere Lufteinlässe vorne und ansehnliche Rücklichter hinten. Viel wichtiger ist, dass der Discovery bei den inneren Werten zugelegt hat. Die Mittelkonsole ist neu, damit der 11,4 Zoll große Touchscreen des Pivi Pro-Infotainment Platz findet. Ansehnlich ist, dass sich das Glas etwas wölbt und so der Monitor sich den Formen des Cockpits anpasst. Die optische Veränderung zieht auch eine technische nach sich. Also bekommt auch der Discovery jetzt auch die aktuelle Ausbaustufe des Infotainments und rückt damit näher an die Premiumkonkurrenz heran.

Mehr Komfort für die hinteren Sitzreihen

Jetzt sind zwei Sim-Karten verbaut, so können Updates im Hintergrund aufgespielt werden. Das Smartphone kann induktiv geladen und per Apple CarPlay oder Android Auto drahtlos in das Infotainment eingebunden werden. Die Bedienlogik mit den Apps kennt man von anderen aktuellen Modellen britischen Herstellers. Also ist auch hier die Bedienung im Vergleich zum Vorgänger-System deutlich entschlackt und geht einfacher von der Hand, ohne komplett intuitiv zu sein. Das bessert sich, sobald man sich ein wenig mit den Begrifflichkeiten auseinandersetzt: Zum Beispiel findet sich der Durchschnittsverbrauch unter dem Menüpunkt Fahrstil. Warum man da nicht gleich Verbrauch darüberschreibt, bleibt ein Geheimnis der Entwickler. Zu den Verbesserungen gehört aber auch der Komfort in der zweiten der maximal drei Sitzreihen. Die Polsterung des Gestühls ist dicker, die Wangen sind konturierter und die Oberschenkelauflage länger. Solche vermeintlich kleinen Details erhöhen den Reisekomfort und auch die Tatsache, dass die Belüftungsdüsen von der B-Säule in die Mittelkonsole gewandert sind, war eigentlich überfällig. Zum guten Infotainment-Ton gehören auch die separaten Ladebuchsen und Allergiker freuen sich die Ionisierung des Innenraums.

Dass der Dreiliter-Reihensechszylinder-Diesel mit 221 kW / 300 PS, der zum Beispiel auch im Defender seinen Dienst verrichtet, mit dem neuen Modelljahr den Weg unter die Motorhaube des Discovery findet, ist ein weiteres Plus. Denn dieses Triebwerk passt mit seinem maximalen Drehmoment von 650 Newtonmetern, das bereits bei 1.500 U/min bereitsteht, perfekt zu dem 2.386 Kilogramm schweren SUV und wuchtet den Discovery nach 6,8 Sekunden auf Landstraßentempo und weiter bis maximal 209 km/h. Untermotorisiert ist man mit dem D300 also definitiv nicht und man kommt flott voran. Allerdings kann der aufgeladene Reihensechszylinder trotz der geschmeidig agierenden Achtgangautomatik eine Anfahrtsschwäche sowie eine akustische Präsenz nicht ganz verhehlen.

Geländeuntersetzung nicht mehr serienmäßig

Als Durchschnittsverbrauch gibt Land Rover 7,4 Liter pro 100 Kilometer an. Wir kamen bei unserer Testfahrt auf 9,6 l/100 km. Die Luftfederung gleicht die Unebenheiten und Risse im Asphalt größtenteils souverän aus, verwandelt den Land Rover aber aufgrund dessen Eigengewicht nicht in eine Sänfte. Der Allradantrieb erhöht die Traktion und hilft dem Discovery auch abseits befestigter Wege weiter. Wer die Camel Trophy als Ambition hat, freut sich über ein dementsprechendes Getriebe. Allerdings ist die Geländeuntersetzung jetzt nicht mehr serienmäßig, sondern Teil des On-/Off-Road-Paket Plus, das 1.220,63 Euro Aufpreis kostet. Apropos Kosten: Für den Discovery D300 AWD muss man mindestens 67.022,64 Euro.

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