Der große Abschied vom Verbrenner war bei Volvo längst beschlossen – zumindest auf dem Papier. Inzwischen klingt das deutlich vorsichtiger. Mit dem neuen EX60 soll die elektrische Wende nun weniger ideologisch, dafür umso alltagstauglicher gelingen. Erste Sitzprobe.
Volvo EX60 fährt mit einigen Technik-Highlights vor
Für Volvo ist der eben vorgestellte EX60 so etwas wie eine Wette auf die eigene Zukunft. Schließlich soll er mittelfristig den Kassenschlager XC60 ersetzen. Keine einfache Aufgabe. Und so wird auch manche Superlative bemüht. Laut Hersteller sollen modellabhängig bis zu 810 Kilometer mit einer Akkuladung möglich sein, die maximale Ladeleistung beträgt bis zu 370 kW. In Kilometern umgerechnet bedeutet dies, dass unter idealen Bedingungen in nur zehn Minuten so viel Strom nachgeladen werden kann, dass er für weitere 340 Kilometer reicht.
Da sprechen wir freilich vom vorläufigen Top-Modell namens P12 AWD, das zudem eine Maximalleistung von bis zu 500 kW / 680 PS bereitstellt. Alternativ gibt es zwei weitere Leistungsvarianten mit 275 kW / 374 PS und Heckantrieb sowie 375 kW / 510 PS mit Allradantrieb. Ausstattungstechnisch werden derzeit für alle drei Motorisierungen nur die Linien „Plus“ und „Ultra“ angeboten – die preisgünstigeren „Core“-Varianten folgen später. Aktuell liegt der Startpreis in Deutschland zwischen 62.990 und 71.990 Euro und unterbietet damit sogar den Volvo XC60 Plug-in Hybrid. Der Bestellstart ist bereits erfolgt.
Batterie wird Karosseriebestandteil – 10 Jahre Garantie!
Anders als die ebenfalls neue Limousine ES90 basiert der EX60 auf der SPA3-Plattform von Volvo. Diese ist erstmals konsequent auf die reine Nutzung für Elektroantriebe ausgelegt und soll zudem eine verstärkte Sicherheitszelle bieten. Außerdem ist der Akku direkt in die Karosseriestruktur integriert – das spart bis zu 70 Kilogramm Gewicht und erhöht die Gesamtsteifigkeit. Da die Batterien allerdings fest mit der Fahrzeugstruktur verklebt sind, ist ein Austausch nicht mehr ganz so einfach. Um mögliche Nachteile für den Kunden abzufedern, gewährt Volvo für den EX60 eine Garantie von zehn Jahren beziehungsweise bis zu 240.000 Kilometern Laufleistung. Voraussetzung ist, dass sämtliche Wartungs- und Servicearbeiten bei einem autorisierten Volvo-Partner durchgeführt werden.
Beim ersten Probesitzen im Hamburger Studio zeigt sich der Innenraum großzügig bemessen. Vorne wie hinten sitzt man bequem und nicht wesentlich schlechter als in einem EX90. Klar, es fehlt die dritte Sitzreihe, doch für den Alltag gibt es viele Verstaumöglichkeiten und clevere Details – die neuen „Wing-Grip“-Türgriffe außen gehören allerdings nicht dazu.



