GV60/Mustang/Polestar 2: Vergleichstest

Wer sagt eigentlich, dass Elektroautos einzig reine Vernunftsentscheidungen sind? Der Ford Mustang Mach-E GT, der Genesis GV60 Sport Plus und der Polestar 2 Performance beweisen in diesem Vergleichstest, dass sich Herz und Hirn keineswegs ausschließen müssen – im Gegenteil!

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Mit dem seitens der EU beschlossenen Aus für Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 mehren sich die Zweifel, ob Elektroautos wie in diesem Vergleichstest ein adäquater Ersatz für Menschen mit Benzin im Blut sein können. Schließlich stehen kraftvolle Vier-, Sechs- oder gar Achtzylinder-Triebwerke für Emotionen, Fahrfreude und Genuss. Können diese Eigenschaften auch für reinrassige Stromer gelten? Dieser Diskussion stellt sich der Erfinder der Fließbandfertigung mit dem Topmodell des Ford Mustang Mach-E. Das GT getaufte E-Pony tritt mit 358 kW (487 PS) und reichlich Legendenlametta an, um entsprechende Vorbehalte auszuräumen. Doch der amerikanische Hersteller steht nicht allein da. Mit Genesis GV60 Sport Plus (360 kW/490 PS) und Polestar 2 Long Range Dual Motor samt Performance-Paket (350 kW/476 PS) bekommt es der Hochvolt-Mustang mit äußerst potenten Wettstreitern zu tun. Der Vergleichstest klärt, welcher der drei schnellen Stromer das beste Gesamtpaket darstellt und gleichzeitig die größte Fahrfreude vermittelt.

GENESIS GV60, FORD MUSTANG MACH-E & POLESTAR 2 IM VERGLEICHSTEST

Auch wenn der Ford Mustang Mach-E aus diesem Vergleichstest mit seinen 4,71 Metern Länge und 1,88 Metern Breite eine stattliche Erscheinung ist, ist er keineswegs ein veritables Raumwunder. Zumindest nicht im Fond, wo die sportlich abfallende Dachlinie doch etwas zu Lasten der Kopffreiheit geht. Vorn hingegen sitzt man dank der reduzierten Armaturentafel und der flachen Mittelkonsole recht luftig. Dennoch bietet der rund 20 Zentimeter kürzere Genesis GV60 mehr Raum zur freien Entfaltung – und dies auf allen Sitzgelegenheiten. Sein Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen von 432 Litern bei fünf belegten Sitzen zwar etwas größer als der des Ford, allerdings bietet der wiederum einen mit 100 zu 31 Litern deutlich größeres Staufach unter der Fronthaube. Dadurch erhöht sich die Praktikabilität deutlich. Für Camping-Freunde taugt der Ford Mustang Mach-E aber nicht, die maximale Anhängelast fällt mit 750 Kilogramm für einen gebremsten Hänger sehr mickrig aus.

Und der Polestar 2? Der chinesisch-schwedische Stromer sieht mit seiner flacheren Karosserie nicht nur deutlich dynamischer aus als die SUV-Crossover der Vergleichstest-Wettbewerber, er wirkt auch im Innenraum eher wie ein Sportcoupé. Anders ausgedrückt: Der 4,61 Meter lange Fünftürer sitzt vorn passgenau wie ein Turnschuh, während es im Fond – gemessen an den Rivalen – massiv an Knie- und Kopfraum mangelt. Das Kofferraumvolumen beträgt 405 bis 1095 Liter bei umgelegter Rücksitzlehne. Immerhin: Auch der Polestar 2 offeriert unter der Fronthaube einen sogenannten Frunk, der mit 41 Litern aber ebenfalls kleiner bemessen ist als der des Ford. Kein Blöße geben sich die drei Kandidaten des Vergleichstests hinsichtlich ihrer Sicherheitsausstattung. Diverse Assistenten zum Spurhalten und Spurwechseln, helle LED-Scheinwerfer, automatische Notbremssysteme samt Fußgängererkennung und sogar automatisierte Fahrfunktionen erhöhen in allen drei Wettbewerbern die Sicherheit und den Komfort an Bord auf langen Reisen, aber auch in der Stadt.

GENESIS GV60 MIT VIEL FAHRKOMFORT

Wer bereits ein Elektroauto gefahren ist, weiß, dass durch das weitgehende Fehlen von Antriebsgeräuschen Abroll- und Windgeräuschen eine viel größere Aufmerksamkeit zuteil wird, als dies in einem Verbrenner der Fall ist. Am geschicktesten unterdrückt im Vergleichstest die akustische Isolierung des Genesis GV60 sämtliche etwaigen phonetischen Störungen, die von außerhalb in den Innenraum gelangen könnten. Gerade im Vergleich zum Polestar 2, bei dem die Reifen je nach Untergrund viel Lärm verursachen können, geht es im edlen Koreaner fast schon gespenstisch leise zu. Das ist aber nicht sein einziger Vorzug. Auch die serienmäßig mit adaptiven Dämpfern bestückte Federung drängt sich positiv ins Rampenlicht. Zwar ist der Genesis GV60 wegen seines dynamischen Grundwesens sicherlich alles andere als eine Sänfte, im direkten Vergleich aber bügelt er wesentlich mehr Unebenheiten ganzheitlich aus als etwa der Ford Mustang Mach-E. Der kernige Ami missfällt auf unebener Strecke mit deutlichen Vertikalbewegungen und teils unangenehmem Absacken beim flotten Überfahren von Bodenwellen. Der Polestar ist indes ein Sonderfall, was das Fahrwerk angeht. Zum Performance-Modell aus dem Vergleichstest gehören nämlich manuell justierbare, passive Sport-Stoßdämpfer von Öhlins. Dass die schwedischen Autos ihre Wurzeln im Rennsport haben, ist dem Set-up des Polestar durchaus anzumerken. Seine Aufhängung ist äußerst fest angebunden und verarbeitet Anregungen sportwagentypisch trocken. Ein positiver Aspekt ist, dass sich der Aufbau anschließend blitzartig wieder beruhigt. Außerdem liegt der Polestar 2 in schnell gefahrenen Autobahnkurven äußerst satt und stabil, was einem als Fahrer:in ein sicheres Gefühl beschert.

FORD MUSTANG MACH-E MIT DER GRÖSSTEN REICHWEITE

Leistungsmäßig gehören die drei Kandidaten des Vergleichstests, die ihre Kraft ausnahmslos über alle vier Räder auf den Asphalt loslassen, zu den derzeit flottesten Stromern überhaupt. Dabei ist es ausgerechnet der Schwächste im Bunde, der Polestar 2, der mit seinen Beschleunigungsleistungen ein dickes Ausrufezeichen setzt. So stürmt der mit 2160 Kilogramm Leergewicht leichteste Allradler im Feld in nur 8,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 150. Beeindruckender als die nackten Zahlen ist jedoch, in welcher Art und Weise der Schwede Leistungsabfragen beantwortet. Die zur Verfügung stehende Power ist immer präsent und spontan abrufbar. Kleinste Pedalbewegungen werden mit blitzartiger Direktheit in Vortrieb umgesetzt. Dass dies auch bei einem Elektroauto nicht immer so sein muss, beweist der Umstieg in den Genesis GV60. Mit 360 Kilowatt der nominell stärkste Stromer im Test, lässt er sich beim Druck aufs Fahrpedal stets ein klein wenig Zeit und baut seine Kraft erst allmählich auf. Durch diese Eigenschaft verliert er auch beim Standardsprint auf die Vergleichstest-Konkurrenten 0,3 Sekunden – wobei ein Wert von 4,7 Sekunden immer noch äußerst beeindruckend ist. Zudem rennt der GV60 im Sportmodus maximal 235 km/h, während der Ford Mustang Mach-E 200 km/h und der Polestar 2 205 km/h erreichen.

Derlei schnelles Fahren lässt die Reichweiten von batterieelektrischen Fahrzeugen naturgemäß im Zeitraffer schrumpfen, sodass selbst die recht großen Akku-Pakete in Vergleichstest-Trio nicht für hunderte Kilometer lange Etappen mit Höchsttempo reichen. Unsere Testrunde, die auch einen 14-prozentigen Volllastanteil beinhaltet, absolviert indes der Polestar 2 mit dem geringsten Energiebedarf. Auf 100 Kilometern benötigt der Schwede 24,1 Kilowattstunden, sodass sein 75 Kilowattstunden großer Energiespeicher für eine Gesamtstrecke von 311 Kilometern reicht. Die Wettbewerber vernichten jeweils 26,0 Kilowattstunden an elektrischer Energie pro 100 Kilometer. Da der Ford Mustang Mach-E mit einer nutzbaren Kapazität von 91 Kilowattstunden jedoch hier den größten Akku mitbringt, holt er sich mit 350 Kilometern die Reichweitenkrone in diesem Vergleichstest. Die rote Laterne geht in dieser Disziplin an den Genesis GV60, der nur 298 Kilometer am Stück schafft. Allerdings: Dank seiner enormen Schnellladefähigkeit (350 kW) kosten Ladepausen an entsprechenden Säulen deutlich weniger Zeit als bei der Konkurrenz.

POLESTAR 2 PUNKTET DURCH FAHRDYNAMIK

Trotz der immensen Leermassen legen die drei starken Stromer aus dem Vergleichstest auf unserem Handlingkurs ein beeindruckendes Tempo vor – allen voran der Polestar 2, der bei forcierter Kurvenfahrt von seinem tollen Fahrwerk profitiert. In Kombination mit der griffigen Continental-Bereifung sorgt es dafür, dass der Schwede Lenkbefehle mit bestechender Spontaneität umsetzt und in der Folge deutlich mehr Querkraft als die Wettbewerber aufbaut. Im Grenzbereich verhält sich der Polestar vorbildlich neutral und zeigt sich weitgehend unempfindlich gegenüber Lastwechseln. Die kürzesten Bremswege runden die gute Vorstellung in den fahrdynamischen Disziplinen ab – ungefährdeter Kapitelsieg für den Polestar. Der Ford Mustang Mach-E bringt durchaus gute Anlagen mit, etwa eine vergleichsweise direkte Lenkung mit gutem Rückstellmoment oder das recht zackige Einlenkverhalten. Dennoch kann er das Tempo des Polestar 2 nicht mitgehen und schiebt im Grenzbereich stärker über die Vorderräder, was vor allem dem hohen Gewicht zuzuschreiben ist. Mit 2291 Kilogramm ist das Elektro-Pony schließlich der Schwerste in diesem Vergleichstest. Beim Genesis GV60 ist hingegen beim Ritt entlang des Grenzbereichs Fingerspitzengefühl gefragt – zumindest wenn das ESP deaktiviert wurde. Einen Hauch zu viel Antriebskraft am Kurvenausgang, und der Koreaner verlässt die vorgegebene Linie und fährt stumpf geradeaus. Provozierte Lastwechsel quittiert der GV60 dann mit einem vehementen Ausfallschritt des Hecks, was zügige Lenkkorrekturen nötig werden lässt. Den Handling-Parcours umrundet der Asiate so am langsamsten.

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