Eine Audienz beim Gottvater aller Land Rover auf Madeira

Die zu Portugal gehörende Atlantik-Insel ist berühmt für ihre Blütenpracht und atemberaubenden Küsten. Madeira ist aber auch die Heimat des “Godfather of Land Rover”, Miguel Nunes. Wir haben uns auf den Weg gemacht, um herauszufinden, wo seine Landy-Liebe herrührt…

Zerklüftete Küsten, enge, gewundene Straßen, unwegsames Gelände und sonnenverbrannte Böden. Eine Insel vulkanischen Ursprungs, die von den Göttern geschaffen zu sein scheint, aber für die Bewohner Madeiras ist es ein ganz normaler Tag im Paradies. Unter den Einheimischen ist auch der selbsternannte Land Rover-Liebhaber Miguel Nunes. Ein Mann, dessen ganzes Leben von seiner Liebe zu klassischen Autos und insbesondere zu Landys geprägt ist. Vielleicht kein Wunder, weist die Insel doch die weltweit größte Land Rover-Dichte pro Quadratmeter auf. Wir waren so fasziniert von Miguels Geschichte, das wir uns mit ihm zu einem längeren Interview trafen. In dem er sich zu unserem Glück als formidabler Geschichtenerzähler entpuppte.

Miguel erklärt uns, wie eng er mit dem britischen Urviech und Alleskönner Nutzfahrzeug verbunden ist. „30. April 1948 – nein das war nicht der Tag, an dem ich geboren wurde, sondern das Datum, an dem der erste Land Rover auf dem Amsterdamer Autosalon sein Debüt feierte. Für mich hat dieses Datum eine besondere Bedeutung, da ich am selben Tag 21 Jahre später, 1969, geboren wurde. Seitdem habe ich gleich zwei Gründe zum Feiern.

Geboren und aufgewachsen auf der Insel Madeira, wuchs ich umgeben von den alten Autos meines Vaters auf, darunter ein Jeep von 1946, ein Dodge von 1948, ein Mercedes 180D von 1957 und ein Peugeot von 1958. Den Jeep und den Mercedes besitze ich immer noch und habe die Sammlung, die mein Vater begonnen hat, immer weiter ausgebaut.“

Was uns am meisten auffällt, ist, wie viele Land Rover Miguel auf einer so kleinen Insel besitzt, und dass er sich scheinbar jeden Klassiker schnappt, der auf Madeira auftaucht. Es gibt jedoch eine bestimmte Serie, die ihn schon immer fasziniert hat, wie er erklärt: „Es begann alles, als ich zehn Jahre alt war, also 1979. Ich ging mit meinem Vater und meiner jüngeren Schwester zum örtlichen Händler, um einen brandneuen Land Rover Serie III 88“ Diesel zu kaufen. Leider war es ein Dreisitzer und wurde bald gegen einen Toyota BJ40 eingetauscht, in dem sechs Personen Platz fanden. Damals ahnte ich noch nicht, dass dies erst der Anfang meiner Liebe zu Land Rovern war! Sieben Jahre später bekam ich mit, dass ein bei einem Unfall beschädigtes, aus Südafrika importiertes Modell zum Verkauf stand. Ich erwarb es ein Jahr vor meinem 18. Geburtstag und machte mich daran, es zu reparieren, bis ich es legal fahren konnte. Dank der vielen Stunden, die ich damit verbrachte, meinen Landy wieder in Form zu bringen, habe ich diese erste Fahrt sehr genossen! Gut 43 Jahre nach dem ersten Kontakt mit einem Land-Rover suche ich immer noch nach diesem sandfarbenen Landy, der, wie ich glaube, immer noch auf der Insel steht.“

In den fast 37 Jahren, in denen er einen Land-Rover besitzt, hat Miguel nur drei brandneue Autos gekauft – zwei Defender und einen Discovery, den er unglaublicherweise immer noch besitzt. Inzwischen hat er 17 Landys sowie einige andere Oldtimer. Der älteste Land-Rover ist von 1955, der jüngste ein Range Rover L322 Baujahr 2006. Er gibt zu, dass er zu viele hat, aber wenn man jeden einzelnen wegen seiner Eigenheiten und seiner Geschichte liebt, ist es sehr schwer, sich von ihm zu trennen.

Wir kennen viele Land Rover-Liebhaber aus der ganzen Welt, und viele von ihnen antworten auf die Frage, wie es ist, einen Land Rover zu fahren, dass es ein unvergessliches Erlebnis sei – im Guten wie im Schlechten! Wir waren neugierig auf Miguels Erinnerungen an seine allererste Fahrt mit einem Land Rover. „Es fällt mir oft schwer, mir diese Gefühl selbst zu erklären, denn sie sind laut, kalt und nicht der beste Freund für den Rücken! Aber auch wenn sie nicht die schnellsten Fahrzeuge sind und die alten definitiv nicht die am einfachsten zu fahrenden, bieten Land Rover etwas Besonderes, das man bei keiner anderen Marke findet. Wenn man einen Land Rover fährt, vergisst man einfach alle „Achillesfersen“, denn man wird Teil des Autos selbst und das Lenkrad wird fast zur Verlängerung des Arms!”

Miguel erzählt detaillierter, wie die Landies in sein Leben passen: „Ich bringe meine Töchter jeden Tag zur Schule, gehe einkaufen oder erkunde die alten Straßen auf meiner Heimatinsel Madeira – ich sitze immer am Steuer eines Land Rover. Und besonders gerne treffe ich mich mit anderen Enthusiasten – denn tauschen wir bei einem Kaffee in unserer örtlichen Gruppe Geschichten aus oder treffen uns auf den Trails (und sorgen dafür, dass keiner stecken bleibt!). Es ist erstaunlich, wie nah man Menschen kommen kann, wenn man etwas so Besonderes wie die Leidenschaft für diese kultigen Fahrzeuge teilt!“

Apropos Geschichten: Bei einem Fahrzeug, das mit dem Abenteuer-Gen in den Kraftstoffleitungen konstruiert wurde, ist es fast garantiert, dass jemand, der sich so sehr für Land Rover begeistert, die eine oder andere Abenteuerstory zu erzählen hat. Miguel enttäuschte denn auch nicht: „Im Jahr 1998 gründete ich mit zwei Freunden den örtlichen Land Rover-Club. Im Laufe der Zeit haben wir sowohl auf Madeira als auch auf der kleinen Schwesterinsel Porto Santo verschiedene Veranstaltungen organisiert und gefördert, darunter auch Kaffeetreffen, die Besitzer und Enthusiasten der Marke zusammenbrachten. Das denkwürdigste Ereignis in diesen 25 Jahren war zweifellos unser Abenteuer im Jahr 2005, als vier Land Rover von Madeira nach Lissabon aufs portugiesische Festland transportiert wurden, um von dort eine unvergessliche zweiwöchige Reise nach Marokko zu unternehmen! Es war eine unglaubliche Erfahrung, denn wir fuhren durch atemberaubende Landschaften und lernten unterwegs verschiedene Kulturen kennen. Die Reise hat uns auch gelehrt, wie wichtig es für uns als Fahrer ist, auf so langen Fahrten Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Seitdem haben wir einen langen Weg zurückgelegt, aber eines ist geblieben: Meine Leidenschaft und Begeisterung für dieses Hobby hat auch nach all den Jahren nicht nachgelassen – im Gegenteil, sie ist lebendiger denn je geworden!“

Wir alle kennen die Geschichten von Wüsten- oder Urwalddurchquerungen mit dem ursprünglichen Land Rover und saßen mit offenem Mund vor tief im Schlamm versunkenen Camel Trophy Discos. Aber es sind Geschichten wie die von Miguel, die zeigen, wie leidenschaftlich die Besitzer bestimmter Marken wirklich sind. Land Rover sind für viele eine Lebenseinstellung, und wir waren neugierig, Miguels Gedanken darüber zu hören, was die Marke heute symbolisiert. „Ich bin nach wie vor ein großer Fan der Marke und denke, dass sie mit dem Range Rover eine unglaubliche Leistung vollbracht haben: Er bleibt ein Symbol für Komfort, Eleganz und gute Geländegängigkeit. Was den neuen Defender betrifft, so glaube ich, dass er das robuste Image, das den klassischen Land Rover so attraktiv machte, verloren hat. Er ist immer noch ein schönes Modell, aber nicht der wahre Defender. Man muss sich nur die Preise für vor 2016 gebaute Defender ansehen, um zu sehen, wie begehrt sie geworden sind!“

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