Das (japanische) Sportcoupé erlebt eine Renaissance. Der Prelude präsentiert sich als Spaßgerät mit aufwendiger Technik und ein paar besonders emotionalen Features
Carsten behauptet, 8 Uhr 30 sei zu früh für ihn, sich hinter das Lenkrad zu klemmen, also nehme ich die Position dort ein. Erst einmal manövrieren wir uns durch urbanes Umfeld, dann raus ins Kurvenreich. Die Teststrecke hat Honda mit Bedacht gewählt. Denn das Objekt der Betrachtung ist eines, das mit Kurven gut zurechtkommt. Trara, und gute Nachricht inmitten der allumfassenden und SUV-Flut: Das japanische Sportcoupé ist zurück, nach 25 Jahren fährt ein neuer Prelude vor.
So, jetzt ist die Strecke frei, und wie wir am Vorabend bei der Präsentation von Honda-Technikexperten Ko Yamamoto empfohlen bekamen, drücken wir gleich den S+-Knopf in der Mittelkonsole. Was dann passiert? Der Prelude legt entweder selbsttätig oder per Wippenbetätigung am Lenkrad insgesamt acht Gänge ein, mitunter begleitet von lustigem Zwischengas, er suggeriert damit besonders dynamisches Vorankommen in der Welt.
Na und, sagen Sie vielleicht? Acht Gänge, nichts Besonderes? Naja, hier schon. Weil im Prelude nämlich prinzipiell das Antriebspaket aus dem Civic zum Einsatz kommt. Hybrid nach Art des Hauses mit vorwiegend elektrischem Fahranteil. Von den zwei E-Motoren besorgt einer den Antrieb (135 kW / 184 PS), einer versorgt die Batterie (Kapazität: knapp 1,1 kWh) mit Strom, als Generator.
Dieser wiederum wird angetrieben vom Zweiliter-Atkinson-Benziner (105 kW / 143 PS), der, im optimalen Drehzahlbereich, Strom für den Antriebs-E-Motor erzeugt. Bei höherer Geschwindigkeit bekommt er via Überbrückungskupplung direkten Zugriff auf die Antriebsräder, die Übersetzung entspricht dann inetwa einem fünften oder sechsten Gang.
Der Wagen wechselt fließend von rein elektrischer auf seriell-hybride oder verbrennungsmotorische Betriebsart, jederzeit der Situation angepasst, praktisch unmerkbar. Und im S+-Fall dreht jetzt eben der Verbrenner hoch, in den acht erwähnten simulierten Schaltstufen – frei nach Asterix bei den Briten: Der simuliert nur.
Der dabei entstehende kernige Sound wird künstlich verfeinert – „Akustisch werden Schwingungen höherer Ordnung, ich glaube siebenter, verstärkt“, erläutert Yamamoto – und kommt aus der Konserve bei den Insassenohren an.
Gut komponiert
Peinlich, wie bei etlichen anderen Fahrzeugen? Weit gefehlt, sondern da wurde ein überraschend harmonisch zum Fahrzeug passendes Emotikum komponiert, zumal der Klang gar nicht bei den Lautsprechern zu verorten ist, sondern dort, wo der Verbrenner sitzt.
Die Fahrwerkskomponenten stammen vom Sportkracher Civic Type R, nur die Federkennung ist sanfter abgestimmt. Beeindruckend dabei allerdings, welch enorme Spreizung die adaptiven Dämpfer ermöglichen und wie das die Honda-Sans umsetzen. Das in Verbindung mit hochpräziser Lenkung und gut konturierten Fahrersitzen macht den Prelude zum Fahrspaßgerät, mit dem es sich aber auch trefflich zu zweien cruisen lässt.



