Egger: „Ich kann mir den MX-5 Elektro gut vorstellen“

Heimo Egger, Geschäftsführer von Mazda Austria, im großen NÖN-Interview. Das EU-weite Verbrennerverbot 2035 ist für ihn „schwer vorstellbar“.

NÖN: Kurzer Rückblick auf das Autojahr 2022 – wie lief es für Mazda in Österreich?

Heimo Egger: Das vergangene Jahr war für die Autobranche ein herausforderndes Jahr. 2022 gab es nur 215.050 Pkw-Neuzulassungen – so wenige wie zuletzt vor 43 Jahren! Auch für Mazda war es ein schwieriges Jahr, stark durch die Lieferkrise – Stichwort Halbleiter – beeinträchtigt. Positiv dagegen waren unsere Neuwagenkundenabschlüsse, wir haben einen hohen Lieferbestand in das aktuelle Jahr mitgenommen, konkret reden wir bei uns von rund 1.700 Autos. So eine hohe Zahl hatten wir noch nie.

Wie lange war die längste Wartezeit auf einen Mazda? Welches Modell hatte/hat die längste Lieferzeit?

Egger: Wir haben heuer, und das war im vergangenen Jahr auch so, eine durchschnittliche Lieferzeit von vier bis sechs Monaten. Die längste Lieferzeit aktuell gibt es beim CX-60 Plug-in-Hybrid, da reden wir von sieben Monaten.

Was erwarten Sie sich vom heurigen Jahr? Wird es leichter?

Egger: Ich bin überzeugt, dass es heuer wieder besser wird, dass der Neuwagenmarkt heuer im Vergleich zum letzten Jahr wieder wachsen wird. Die Verfügbarkeit der Autos wird besser. Seit September, Oktober 2022 geht es schon spürbar bergauf. Wird der Markt so groß sein wie vor der Pandemie 2019? Nein, das wird leider nicht der Fall sein. Wir von Mazda Austria planen für heuer ein Wachstum: 2022 waren es rund 6.000 Autos, 2023 sollen es rund 8.500 Autos werden.

Ein Plus von 2.500 Autos, ein hohes Ziel …

Egger: Ja, aber dieses hohe Ziel ist machbar – einerseits durch das Ausliefern der bestehenden Kundenverträge und andererseits durch die neuen Modelle, die heuer kommen. Zum Beispiel der CX-60 Diesel. Oder der MX-30 R-EV, die Rückkehr des Wankelmotors – ganz ein spannendes Konzept. Zudem gibt es bei fast allen Modellvarianten Facelifts.

Der CX-60 hat voll eingeschlagen, haben Sie mit dem Erfolg des SUVs gerechnet?

Egger: Wir liegen derzeit bei 900 Kaufverträgen, das ist eine Stückzahl, die über unseren Erwartungen liegt. Da sind wir echt happy! Der CX-60 Diesel ist gerade beim Handel angekommen – und bei diesem Modell haben wir sehr hohe Erwartungen. Weil in dieser Klasse der Diesel wichtig ist. Es handelt sich hier um ein cooles Konzept: ein 3,3-Liter-Sechszylinder, da schwimmen wir gegen den Strom, bei der kleineren 200-PS-Version (es gibt auch eine Version mit 254 PS, Anmerkung der Redaktion) liegt der CO2-Wert unter 130 Gramm pro Kilometer! Das ist schon sehr attraktiv. Ein Auto, das auch als Firmenauto interessant ist. Der CX-60 hat aktuell einen Firmenkundenanteil von 43 Prozent. Im letzten Kalenderjahr lag bei Mazda Österreich der Firmenkundenanteil bei 18,5 Prozent. Beim CX-60 ist für Firmen das Full-Service-Leasing ein Thema. So kostet dieses Leasing (es muss hier nur das Tanken bezahlt werden) ab 899 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von 48 Monaten und null Euro Anzahlung.

Was ist bei Mazda Österreich aktuell das „wichtigste“ Modell?

Egger: Wir sind sehr stolz, dass wir eine relativ gute Balance zwischen den Modellreihen haben. Bei den Modellen führt momentan der CX-30 vor dem CX-5 und dem CX-60 – also drei SUVs. Besonders auffällig ist, dass wir in den ersten zwei Monaten des heurigen Jahres beim Mazda2 eine Steigerung von 55 Prozent haben. Das liegt auch daran, weil die Konkurrenz teurer geworden ist.

Wie wichtig ist das Automatikgetriebe für Mazda?

Egger: Wichtig! Der Automatikanteil generell steigt kontinuierlich. Unser Automatikanteil über alle Modelle liegt derzeit bei 30 Prozent.

Der Mazda2 Hybrid ist ein Toyota Yaris Hybrid mit Mazda-Logo – wie wird der Wagen von den Kunden angenommen?

Egger: Europaweit hat der Mazda2 Hybrid eine starke Nachfrage. In Österreich liegt das Verhältnis Mazda2 zu Mazda2 Hybrid bei zwei Drittel zu einem Drittel. Grundsätzlich muss ich sagen, dass diese Mazda-Toyota-Kooperation schon länger besteht. So gibt es in den USA ein gemeinsames Werk oder in Mexiko wird ein Mazda für Toyota produziert. Aufgrund der stärkeren Vollhybrid-Nachfrage wurde dieser Deal für Europa gemacht. Das Ganze macht auch durchaus Sinn. Der Mazda2 Hybrid wird im Laufe des Modellzyklus’ mehr Mazda-DNA bekommen.

Kann man sich den MX-5 als Elektroauto vorstellen?

Egger: Grundsätzlich: Der MX-5 ist unsere Ikone, unser Aushängeschild, das ist unsere DNA! Ich hoffe, dass es ihn noch lange so geben wird. Und ich hoffe, dass ich Ihnen bald Neuigkeiten bezüglich MX-5 mitteilen kann. Und ja, ich kann mir den MX-5 als Elektroauto gut vorstellen …

Apropos Elektroauto: Der MX-30 ist Mazdas erstes Elektroauto – der Verkauf in Österreich war/ist nicht gerade berauschend. Hat man sich mit der Größe der Batterie (nur 35,5 Kilowattstunden) nicht ein wenig verkalkuliert?

Egger: Grundsätzlich muss ich sagen, dass der MX-30 vom Fahrkomfort her ein tolles Auto ist. Vom Design und vom Innenraum gab es ganz, ganz gute Kritiken. Der MX-30 Elektro funktioniert in Europa unterschiedlich. Es gibt Länder, wo er sich wirklich gut verkauft. Bei uns in Österreich sind die Verkaufszahlen konstant auf einem, sagen wir, überschaubaren Niveau. Vom MX-30 R-EV erwarte ich mir, dass wir in einem Volljahr 400 Autos österreichweit absetzen. Der MX-30 Elektro bleibt im Programm.

Wird es in absehbarer Zeit einen weiteren Mazda-Vollstromer geben?

Egger: Mazda hat weiterhin den Ansatz, verschiedene Technologien einzusetzen. Nicht nur Elektrifizierung, sondern auch Verbrenner. Daher CX-60, daher Diesel, daher Sechszylinder. Die Planung von Mazda sieht natürlich auch eine rein elektrische Plattform vor, auf der Mazdas unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Batteriekapazitäten aufgebaut sind.

Ab 2035 dürfen keine Verbrenner mehr verkauft werden, so will es die EU-Politik. Hält Ihrer Meinung nach der Termin?

Egger: Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren stärker, keine Frage. Mit neuen Batterietechnologien, mit günstigeren Batterien, mit mehr Ladestationen. Für mich ist 2035 schwer vorstellbar, weil sich da noch sehr viel ändern muss. Solange eine Vielzahl der Batterien mit nicht grünem Strom geladen wird, ist das schon alles diskussionswürdig. Unser Ansatz ist, dass in nächster Zeit noch Gehirnschmalz in die Optimierung des Verbrennermotors gesteckt wird. Beim CX-60 Diesel sieht man, was drinnen ist, wenn man versucht, gewisse Dinge neu zu denken. Beim Verbrenner gibt es noch Potenzial.

Thema E-Fuel …

Egger: Beim synthetischen Kraftstoff sehe ich ein großes Potenzial, auch wenn es politisch noch nicht ganz durchgedrungen ist. In Österreich sind derzeit rund fünf Millionen Pkw unterwegs und es wäre strategisch richtig und klug, die Autos teilweise und vermehrt mit E-Fuels zu betanken. Das macht bezüglich CO2-Reduktion durchaus Sinn. Das muss natürlich politisch aber auch gewollt werden!

Plug-in-Hybrid oder Vollhybrid?

Egger: Ein Plug-in-Hybrid macht dann Sinn, wenn das Auto regelmäßig elektrisch aufgeladen wird. Wenn man die Möglichkeit nicht hat oder nicht motiviert ist, regelmäßig zu laden, ist meiner Meinung nach ein Vollhybrid oder auch ein Diesel die bessere Wahl.

Kurz zum Thema Ladeinfrastruktur – eine Schwachstelle des Elektroautos?

Egger: Das Thema Ladeinfrastruktur ist eines der großen Themen bezüglich Erfolg oder Misserfolg der Elektromobilität. Und ich glaube, da ist noch viel zu tun! Denn nicht jeder kann zuhause laden.

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