TEST: KIA CEED SW 1.6 CRDI

Guter Schnitt und hochwertige Details: Kia verschafft dem an sich vernunftorientierten Kompaktklasse-Kombi einen modischen Auftritt. Inhaltlich betont der Ceed SW traditionelle Tugenden, die das Leben leichter machen: Großer Laderaum, einfache Bedienung, reichweitenstarker Diesel.

Wie entwickelt sich Kia technisch?

Einerseits gehört Kia zur elektrischen Avantgarde – der EV6 wurde Auto des Jahres, der Niro EV startet bereits in zweiter Generation, bald geht es mit dem EV9 weiter. Dagegen vertreten Autos wie der neue Sportage oder der überarbeitete Ceed weiterhin den technisch konservativen Flügel. Es gibt immer noch viele Kunden, die lieber in einem Zug nach Italien oder Kroatien fahren (aber nicht mit der Bahn), also die Pragmatik von Benzin-, Diesel- und Hybridantrieben schätzen.

Was muss man über den Ceed wissen?

Technisch hat er eine bemerkenswerte Entwicklung gemacht und beim letzten Modellwechsel von 2018 zum Wolfsburger Klassenprimus aufgeschlossen. Als Golfschläger eignet sich der Ceed auch deshalb, weil er auf volkswagenhafte Tugenden wie klassisches Design, einfache Bedienung und eine breite Auswahl vernünftiger Antriebe setzt. Parallel haben sich natürlich auch die Preise entwickelt, heute geht es bei Kia nicht mehr um Schnäppchenjagd, sondern um hochwertige Autos zu attraktiven Konditionen. Wie gut das Gesamtpaket gelungen ist, war nach der Premiere auch bei der Wahl zum „Car of the Year“ zu sehen: Lächerliche drei Punkte fehlten dem Ceed am Ende zum Sieg (247 zu 250), prominente Kompaktklasse-Rivalen wie Ford Focus und Mercedes A-Klasse konnte er aber klar hinter sich lassen.

Einzigartig in der Branche ist die aktuelle Artenvielfalt der Baureihe mit Hatchback (Ceed), Kombi (Ceed SW), Crossover (XCeed) und Shooting Brake (Proceed). 2022 markierte im Modellzyklus des Ceed die Halbzeit, einher ging eine umfangreiche Auffrischung in den Bereichen Multimedia, Design und Antriebe.

Kompakt-SUV oder Kompakt-Kombi – was ist besser?

Die Mehrheit der Kunden entscheidet für das SUV, der Tester sieht nach Punkten eher den Kombi vorne – er ist in der Regel etwas günstiger zu haben, praktischer zu beladen und flotter zu fahren. Objektive Nachteile der Kombis sind die niedrigere Sitzposition und die Parkplatzsuche, der Ceed SW bleibt mit 4,60 Metern Länge aber im Rahmen.

Konservativ oder lässig – wie tritt der Ceed SW auf?

Kompaktklasse-Kombis hängt ein konservatives Image an, sie gelten als vernünftige, aber nicht sonderlich coole Allrounder. Oberklasse-Kombis tun sich bei den Proportionen, und damit der Lässigkeit, etwas leichter. Kia zeigt aber, dass sich mit gutem Schnitt und hochwertigen Details auch auf 4,60 Metern Länge ein fescher, modischer Kombi darstellen lässt. Zum Einsatz kommen zunächst klassische Golf-Tugenden – frei von Experimenten, gut proportioniert und in allen Details hochwertig ausgeführt, dürfte dem Design eine lange Haltbarkeit beschieden sein. Zudem zeigt der Ceed, was ein gelungenes Facelifting bewirken kann: Die Eingriffe in Kühlergrill und Schürzen haben dem Auftritt neue Würze gegeben und das Auto deutlich markanter gemacht, ganz besonders in der sportlichen GT-Line-Variante. Der Testwagen hebt sich auch mit einer schönen Grün-Lackierung vom Einerlei ab, und in der Extraliste stehen weitere hochwertige Farbmischungen.

Was bietet das Cockpit?

Es gibt aufregendere Innendesigns, aber kaum angenehmere. Kia verwendet hier noch relativ viele Knöpfe und scheint sich zudem am langjährigen VW-Konzept der größtmöglichen Klarheit orientiert zu haben: Das Cockpit ist benutzerfreundlich und übersichtlich, der Ceed steht für die Freuden einfacher Bedienung.

Im Zentrum ist ein Multimediasystem mit 10,25-Zoll-Touchscreen, es zeigt wahlweise großflächige Navigationskarten oder mehrere Themenbereiche nebeneinander. Beides kann im Alltag sehr angenehm sein. Ein großer Fortschritt, nicht zuletzt für den stressigen Arbeitsalltag der Firmenwagenfahrer, ist die schnelle Eingabe von Zielen über die Tastatur oder – noch viel besser – die Sprachsteuerung. Während der Fahrt lassen sich in kürzester Zeit mehrere Orte in das Navigationssystem eingeben und wieder löschen, etwa um Entfernungen zu vergleichen. Automatisch werden die Wetterlage, die Verkehrssituation und die Treibstoffpreise der umliegenden Tankstellen eingespielt, dieses Services haben im Test tadellos funktioniert.

Die Armaturen sind in der GT-Line-Ausstattung als hochauflösendes 12,3-Zoll-TFT-Display ausgeführt, wichtige Themenbereiche wie Telefon, Musik und Navigation (mit Pfeilen, nicht als Karte) rücken prominent ins Blickfeld. Premium-Qualitäten hat auch das Soundsystem vom amerikanischen Spezialisten JBL.

Verzichtbar ist das Erinnerungs-Klingeln, wenn der Vordermann an der Ampel losfährt und den Warnhinweis „Sie fahren gegen die Einbahn“ bekamen wir an falscher Stelle (ja, da sind wir sicher). Großartig ist hingegen das unkomplizierte Deaktivieren der Spurhalteassistenten, im Gegensatz zu vielen anderen Marken genügt bei Kia ein langer Tastendruck am Lenkrad. Herzlichen Dank.

Die Verarbeitung ist akkurat, die Materialauswahl hochsolide, bei den Sportsitzen mit edlem Leder-Alcantara-Mix sogar luxuriös.

Entscheidende Kombi-Frage: Wie groß und flexibel ist der Laderaum?

Volumen ist das wichtigste, und der Ceed SW liegt mit 625 bis knapp 1.700 Litern im absoluten Spitzenfeld der Kompaktklasse-Kombis (und der Kompakt-SUVs auch). Weil das 48-Volt-Mild-Hybrid-System und der JBL-Subwoofer ein bisschen Platz beanspruchen, reduziert sich der Wert bei diesen Modellen auf 512 bis 1.581 Liter, was immer noch gut ist.

Das Umklappen der Fondlehnen ist im Verhältnis 40:20:40 möglich und durch einen Seilzug-Hebel im Kofferraum sehr einfach. Es entsteht eine nach hinten nahezu flache Ladefläche. Der Stauraum ist angenehm tief angesiedelt und dadurch leicht zugänglich. Für Ordnung sorgen versteckte Fächer unter dem Laderaumboden, eines davon ist für die Unterbringung der Kofferraumabdeckung ausgelegt. Letztere funktioniert wunderbar akkurat, das ist nicht immer so. Die 12-Volt-Steckdose, ausklappbare Haken und eine Beleuchtung runden das gelungene Kofferraumkonzept ab. Das hochwertige Schienensystem mit Trennelement, Fixierungsgurt und Seil-Ösen entfällt bei der 48-Volt-Variante leider, ist bei den anderen Modellen aber weiter serienmäßig.

Wie fährt sich der Ceed SW?

Mit der gleichen Abgeklärtheit wie die deutschen Klassenprimusse. Der technische Fortschritt im Detail ergibt in Summe ein neues Fahrgefühl. Die ausgewogene Abstimmung stellt eine vernünftige Balance zwischen Handling und Komfort her. Für leere Landstraße könnte die Lenkung noch ein bisschen gefühlvoller sein.

Überzeugt die Dieselvariante?

Im Test trat der Ceed SW mit Dieselmotor und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an. Der 1,6 CRDi mit 136 PS ist ein Mild-Hybrid und erhält dezente Unterstützung von einem Riemenstarter-Generator samt 48-Volt-Batterie. Dadurch kann das Auto „segeln“, also in Gleitphasen kurz den Motor abschalten. Auch die Beschleunigung unterstützt das Batteriesystem mit sanftem Elektro-Anschub.

Die Motor-Getriebe-Abstimmung beherrscht sanfte Fahrweise mit niedrigen Drehzahlen ebenso gut wie sportliche Etappen. Für eine 136-PS-Maschine wirkt der Selbstzünder ganz schön lebendig und macht aus tiefen Drehzahlen heraus ordentlich Druck – da spürt man auch die gut 250 Kilo Gewichtsvorteil gegenüber dem Diesel-Sportage deutlich. Ein bisschen brummelt der Diesel natürlich, bleibt dabei aber angenehm kultiviert. Der Testverbrauch war mit 5,8 Litern sehr niedrig, auf Landstraßen schafft man auch ohne Probleme einen Liter weniger. Entsprechend reichweitenstark ist der Diesel, mit einer Tankfüllung sind bis zu 1.000 Kilometer zu schaffen! Wunderbar.

Welche weiteren Antriebsvarianten gibt es für den Ceed SW?

Die Einstiegsmotorisierungen (1,0-Liter-3-Zylinder-Turbo mit 100 oder 120 PS) werden ganz klassisch angeboten. Der stärkere Benziner (1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 160 PS), die Dieselvariante (1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 136 PS) und das Sportmodell Ceed GT (1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo mit 204 PS) sind Mild-Hybride mit 48-Volt-System (MHEV). Wer rein elektrisch fahren will, kann das mit dem Plug-in-Hybridantrieb (PHEV – Systemleistung 141 PS) rund 50 Kilometer lang tun.

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