Elektroauto-Fahrer fällt nach drei Jahren ein hartes Urteil: „War ein Fail“

Mittlerweile passiert es mir täglich dass ich bei meiner Suche nach Testberichten über irgendwelche „Ich hasse Elektroautos“-Postings stolpere. Im Normalfall steh ich drüber weil Sie meist von denselben Menschen kommen, welche sich darüber beschweren, dass vegan lebende Menschen in Wursthülle gepressten Fleischersatz auch „Wurst“ nennen.

Gestern allerdings hab ich einen Bericht in einer Onlinezeitschrift gelesen, welchen ich nicht so unkommentiert stehen lassen kann. Nicht nur, weil ich für Jaguar arbeite und den Jaguar I-PACE über alles liebe sondern weil in mir der Eindruck entsteht, dass der Fahrer sich nicht unbedingt mit seinem Fahrzeug auseinandergesetzt hat.

Einige Argumente werden ohnehin im Artikel entkräftet. Ich möchte aber dennoch meinen Senf dazugeben. Immerhin habe ich im letzten Jahr 25.000 km mit dem I-PACE zurückgelegt und denke doch, dass ich den Jaguar doch ein bissl kenne.

Aber genug der Worte, wenden wir uns dem besagten Artikel zu welcher am 23. 1. auf 24auto.de gepostet wurde:

Elektroauto-Fahrer fällt nach drei Jahren ein hartes Urteil: „War ein Fail“

Die Tage des Verbrenners sind gezählt, daran gibt es inzwischen keinen Zweifel mehr. Sein Erbe dürfte wohl das Elektroauto antreten, zumindest wenn es nach den allermeisten Herstellern geht. Viele Autofahrer steigen schon jetzt um und die Mehrheit bereut diesen Schritt auch nicht. Ganz anders sieht das bei einem TikToker aus, der so gar nicht glücklich mit seinem Stromer ist.

Vor drei Jahren hat sich Christoph Gärtner, der sich auf der Plattform founder_christoph nennt, einen Jaguar I-Pace gekauft. Dieser sei „keine Schrottkarre“ immerhin hat der Stromer einen gut sechsstelligen Betrag gekostet, betont der TikTok-Nutzer. Dennoch fällt sein Urteil nach drei Jahren deutlich aus: „E-Autos sind scheiße!“

Elektroauto-Fahrer fällt nach drei Jahren hartes Urteil: „War ein Fail“

Aber warum? Immerhin schwärmt Gärtner von der Beschleunigung und dem fehlenden Sound des Elektroautos. Das Problem ist aus seiner Sicht der Alltag. Das Laden findet er „furchtbar“, weil die Ladesäulen ständig belegt sind und es „super teuer“ ist. Auch die verschiedenen Ladesysteme, Anbieter und Karten nerven den Gründer.

Als ich im Jänner 2022 meinen ersten I-PACE als Dienstwagen übernommen habe, war ich zu Beginn unschlüssig, ob das mit der Langstrecke denn wirklich so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Ich fahr dann doch fast jedes Wochenende die Strecke Wien – Deutschlandsberg – Wien und anfangs war ich auch „geflasht“ von der Anzahl der Ladetarife.

Welcher ist der ideale Stromanbieter? Ladekarte mit Flexrate, monatlicher Grundgebühr oder ohne Grundgebühr? All das „kostete“ mich ein gemütliches Wochenende an Recherche bis ich meine passenden Tarife, Ladekarten usw gefunden hab.

Dies war allerdings dem Umstand geschuldet, dass ich immer und bei jeder Ladestation entlang meiner Stammstrecke immer mit dem günstigsten Stromtarif laden möchte. So schaff ich es, durch die Bank mit ca. 30 bis 40cent/kWh laden zu können, wohlgemerkt an Ladern mit mehr als 50 kW Leistung. Bei Ladestationen mit 11 oder 22 kWh sind durchaus auch 22 Cent pro kWh drin.

Bei vielen Ladestationen ist es mittlerweile möglich mit Kredit- oder Bankomatkarte zu laden. Der Stromtarif liegt aber dann bei ca. 60 cent/kWh und mehr.

Kritik übt der TikToker auch an den Akkus, die seiner Meinung nach schnell kaputtgehen würden und „vielleicht fünf Jahre halten“. Das würde man ja vom Handy kennen, betont Gärtner. „Die Dinger sind auch noch fest eingebaut, das heißt, man kann die nicht wechseln und das Auto ist danach wahrscheinlich Kernschrott.“ Ergo gäbe es auch keinen Gebrauchtmarkt.

Wenn ich ein Fahrzeug nun seit 3 Jahren fahre und meine, dass die „Batterie“ lediglich 5 Jahre hält hab ich vermutlich meine Kristallkugel länger nicht abgestaubt. Da ist die Sicht etwas getrübt.

Fakt ist: Jaguar, und viele andere Hersteller auch, bieten eine umfassende Garantie für die Dauer von 8 Jahren bzw. 160.000 km auf Akkumodule. 

„Die Dinger“ sind definitiv nicht so fest eingebaut, dass man sie nicht wechseln kann! Beim I-PACE liegt das Batteriepaket in einem Metallkasten gesichert, direkt unter der Fahrgastzelle zwischen den Achsen verbaut. Eine Fachwerkstätte kann diesen Kasten, unter Berücksichtigung der Sicherheitsvorschriften, vom Fahrzeug trennen und das defekte Akkupack, von welchen es 36 im I-PACE gibt, einfach und sicher austauschen. 

 

Dass es kaum einen Gebrauchtwagenmarkt gibt liegt zudem daran, dass der Jaguar, gleich hinter Tesla als einer der ersten Hersteller 2018 ein Fahrzeug in dieser Grössenordnung als BEV angeboten hat. Die Kunden sind fast ausnahmslos zufrieden. Warum also ein Fahrzeug tauschen, welches gerade mal 3 oder 4 Jahre alt ist?

Die getauschten Akkus werden im übrigen nicht einfach entsorgt. Sie finden zB Anwendung als stationäre Stromspeicher. Mehr Infos dazu gibts hier

Zu guter Letzt wäre da noch die Reichweite. Laut Werk soll der Jaguar I-Pace 480 Kilometer schaffen. Das sei jedoch nur ein „sehr theoretischer Wert“, erklärt der Gründer. Real komme er rund 300 Kilometer weit. Doch es müsse im Winter nur schneien und schon sinkt die Reichweite um 50 Kilometer. Und schneller als 120 km/h kann man mit dem Elektroauto ohnehin nicht fahren, da dann der Verbrauch sofort steigt. Und auch das Umfahren einer Baustelle sieht er als Gefahr, dass er dann nicht mehr nach Hause kommt. Man stehe „permanent unter Stress“, sagt der TikToker, dessen erster Blick immer auf den Akkustand geht.

Aus eigener Erfahrung: Ich fahre meinen I-PACE auf Autobahnen mit max. 136 km/h. Die Reichweite hier liegt bei ca. 350 km. Bei Fahrten im Umland ohne Autobahn schaff ich 400 km. Ich nutze alle Heizungen wie Sitzheizung, Lenkradheizung ausserdem Licht und Radioanlage genau so, wie ich sie beim Fahrzeug mit Verbrennermotor auch nutzen würde. 

Im Winter ohne Vortemperierung rechne ich ca. 10% weniger Reichweite. Sie glauben mir nicht? Vereinbaren Sie einfach einen Termin für eine Probefahrt unter +43 676 349 63 86

Elektroauto-Fahrer fällt nach drei Jahren hartes Urteil: Bis zu acht Jahre Garantie auf Batterie

Eigentlich wollte er ein Vorreiter sein: „War aber ein Fail“. Viele Nutzer der Plattform freuen sich über das Video. „Ehrlich reflektiert. Find ich gut“, schreibt einer. „Endlich mal jemand, der sich ehrlich äußert“, findet ein anderer. Und auch andere Elektroautofahrer pflichten ihm bei. Doch ist dem wirklich so?

Nicht ganz, wie ein Blick auf die Fakten zeigt. „Bei Batterien zählen Ladezyklen, wie oft die Batterie von voll bis leer geladen wird, das passiert beim Handy dementsprechend öfter. Zudem gibt es schon viele E-Fahrzeuge, die nach 300t + km immer noch über 90 Prozent Kapazität haben (Tesla, BMW)“, schreibt der Nutzer „freekickerz“ in den Kommentaren. Bei vielen Herstellern gebe es zudem acht Jahre Garantie auf die Akkus.

Elektroauto-Fahrer fällt nach drei Jahren hartes Urteil: An der Ladesäule einfach mit Karte zahlen

Auch beim Laden liegt Gärtner nicht ganz richtig. Dass eine Ladesäule belegt oder im schlimmsten Fall tage oder wochenlang blockiert ist, kann natürlich vorkommen und ist ärgerlich. Allerdings sind Elektroautofahrer im Vergleich trotz gestiegener Stromkosten noch immer günstiger unterwegs – zumindest wenn sie zu Hause laden können. Kostenlose Ladesäulen werden indes immer weniger. Und auch was die Ladesysteme angeht, hat der TikTok-Nutzer nur bedingt recht. Mit dem CCS-Stecker hat sich in Europa inzwischen ein Standard durchgesetzt und ab 2023 neu installierten Ladesäulen lässt sich bequem mit Handy oder Karte bezahlen, ohne dass man eine Ladekarte des Anbieters braucht.

Belegte Ladesäulen? Mein Ex-Chef bei Volvo hätte daraufhin gemeint: „geh drah di!“ Bei meinen Fahrten nach Deutschlandsberg und retour muss ich entweder 1x lang oder 2x kurz (eine Kaffeelänge) laden. Gewartet hab ich im letzten Jahr gerade 3 mal je ca. 5 Minuten auf eine freie Ladesäule. Musste ich also einen Kaffee mehr trinken. Oh Schreck!

Wenn ich dann am Ende des Monats die Stromabrechnung bekomme, lässt mich das aber dann wieder schmunzeln und der Wegfall der kostenlosen Lademöglichkeiten? Najo, Strom geschenkt zu bekommen ist ja schön aber ich setz es jetzt mal nicht voraus. Wenn ich kostenlos in der Gegend rumgondeln will, kauf ich mir ein Fahrrad (was mir vermutlich angesichts meines BMI nicht schaden würde)

Auch die Sorge bezüglich der Reichweite ist nicht unbedingt gerechtfertigt. Hier spielt uns unser Gehirn einen Streich und geht immer von Langstrecken aus. Zudem steigt die Reichweite der Elektroautos immer weiter. Manche Modelle schaffen inzwischen bis zu 700 Kilometer. Hinzu kommt, dass das Ladenetz entlang der Autobahnen immer besser wird. Im Schnitt gibt es in Deutschland 25,8 Ladepunkt pro 100 Kilometer – also alle vier Kilometer einen. Wer diese rechtzeitig ansteuert, muss auch keine Sorge haben, dass die Batterie leer geht. Zumal die meisten Navigationsprogramme diesen in die Routenplanung mit einbeziehen. Schon nach 20 Minuten sind oft wieder mehrere Hundert Kilometer möglich.

Ich lade aber jeden gern dazu ein, sich von der alltagstauglichkeit des Jaguar I-PACE zu überzeugen. Probefahrten und Beratungsgespräche gibts jederzeit unter +43 676 349 63 86 und für Schnellentschlossene hab ich auch den einen oder anderen I-PACE prompt verfügbar!

Zu guter Letzt: Es tut niemanden weh, wenn eine vegane Wurst auch Wurst heisst. Man stirbt auch nicht, wenn mal als bekennender „Fleischfresser“ mal ne vegane Bratwurst isst! Ehrlich! Ich habs getestet!

 

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