Test: Ford Capri Extended Range

In Handling und Abstimmung zeigt der Fließheck-Crossover, dass gute alte Ford-Tugenden auch im Elektroauto funktionieren. Die Marke bleibt der Sportfachhandel im Mainstream-Segment. Mit seinen Real-Reichweiten liegt der Capri Extended Range im oberen Drittel des aktuellen Marktschnitts. Den großen Namen gibt es Draufgabe.

Gibt es Erklärungs-Bedarf?

Ein bisschen. Wann immer ein neues Modell den Namen eines Klassikers exhumiert, werden die Gralswächter rasch laut. Beim Capri waren sie zumindest hörbar – allerdings rangiert Fords fesches Sportcoupé aus den 70er- und 80er-Jahren heute eher unter der Rubrik Insel-Fetisch. Die Original-Besitzer pflegen inzwischen wohl ernsthaftere Wehwehchen als den Weltschmerz über die Namens-Dreistigkeit. Ford tut ohnehin nur das gleiche, was etwa auch Renault macht: Seinen Stromern mit dem Griff in die eigene Historie eine klassiche Note verpassen, um ihnen den Start in die neue Mobilitätswelt zu erleichtern.

Was macht das Design des Capri aus?

Ford kaschiert recht erfolgreich, dass unter dem Capri ein ID.5 steckt. Linie und Karosserieaufbau waren unveränderbar – soweit sie es zulassen, wurde die Außenhaut aber individuell gestaltet. Mit dem Verlauf der Sicken, der Hauben-Topografie oder dem Layout der Stoßfänger hat das Ford-Design dem Capri einen eigenständigen Look verpasst. Und das sogar mit praktischer Auswirkung: Der besseren Aerodynamik wegen liegt der Capri in der Reichweite um bis zu 55 Kilometer vorne. Das halbrunde hintere Seitenfenster als Reminiszenz an den namensspendenden Urahn hat sich dabei auch noch unterbringen lassen. Als identitätsstiftende Unterscheidungsmerkmale fallen noch die Scheinwerfer und Rückleuchten ins Auge: Mit dem schwarzen Mittelpanel vorne und dem durchgehenden Hinterglas-Element hinten sind sie jeweils als horizontale Einheiten gestaltet, die ebenso schlicht wie wirkungsvoll sind.

Wie ist das Cockpit-Erlebnis?

Wer im Innenraum weitere historische Zitate erwartet, wird enttäuscht – zumindest fast: Die gelochte Alu-Lenkradspeiche schreit geradezu nach 70er-Jahre, da konnten die Ford-Designer offenbar nicht widerstehen. Dazu kommen ein paar schlaue Lösungen – etwa der im Winkel verstellbare 14,6 Zoll Hochformat-Touchscreen, der das dahinter liegende Ablagefach blicksicher abdeckt. Eine der jüngsten Ford-Ideen hat es ebenfalls ins Cockpit geschafft: Der sogenannte Soundbar, die flach auf dem Armaturenbrett sitzende Lautsprechereinheit samt entsprechend hochwertigem Klangerlebnis. Leider von VW übernommen wurde die Unsitte der Umschalt-Fensterheber für vorne und hinten sowie der unpraktische Slider für die Lautstärkenregelung. Wohl in Gedenken an den Ahnen sind im Elektro-Capri serienmäßig Sportsitze montiert, optional oder als Teil der Premium-Ausstattung auch mit Häuten aus Leder-Ersatz bespannt. Insgesamt wurde bei der Materialauswahl ein bisschen viel vom gleichen Kunsstoff genommen, Armaturenbrett und Türen hätte Stoff oder Dekor schon gutgetan. Beim Nutzwert ist der Capri sehr stark, es gibt es reichlich Platz für bis zu fünf Passagiere und auch ihr Gepäck: 572 bis 1510 Liter Stauraum sind für ein Fließheck-Modell ein mehr als passabler Wert.

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