Fahrbericht Mazda CX-60 e-Skyactiv D 200

Für den politisch korrekten Zeitgeist hat sich Mazda noch nie besonders interessiert. Technikverliebt und eigensinnig setzen die Japaner traditionell auf ungewöhnliche Lösungen, die sich oftmals nicht an der Mode orientieren, dafür aber sehr gut funktionieren. Eine davon konnten wir jetzt im Mazda CX-60 e-Skyactive D 200 ausprobieren: Er kommt mit einem nagelneuen Dieselmotor auf den Markt, der seine Kraft aus sechs Zylindern und 3,3 Litern Hubraum schöpft.

Derzeit wird die 200-PS-Variante mit Heckantrieb angeboten, nächsten Monat kommt eine Hochleistungsvariante mit 254 PS und Allradantrieb dazu. Unser Test war als Verbrauchsfahrt ausgelegt – um zu zeigen, was sich aus einem gut gemachten Diesel herausholen lässt. Statt Downsizing folgt man dem ,,Rightsizing“-Prinzip – und deshalb fiel die Entscheidung für den großen Hubraum: 3,3 Liter und sechs Zylinder statt 2,2 Liter und vier Zylinder, wie im CX-5 Diesel.

Das Überraschende: Mit vielen Neuerungen konnte Mazda diesen Turbomotor, der derzeit zu den saubersten weltweit zählt, deutlich im Verbrauch verbessern – und zwar im Vergleich zum Vierzylinder um stolze 22 Prozent. Zu den technischen Schmankerln gehören doppelt eiförmige Kolbenböden, die den Motor leiser machen und zugleich mit der neuen DCPCI-Zündanlage Kraftstoff sparen helfen. Der thermische Wirkungsgrad liegt über weite Strecken bei über 40 Prozent.

Das serienmäßige 48-V-Hybridsystem funktioniert mit einem Elektromotor, der zwischen der Acht-Stufen-Automatik und dem Dieselmotor liegt. Eine Kupplung ermöglicht es, Energie ohne Verluste durch die Motorbremse zu rekuperieren.

Auf 203 Kilometern, die einen Mix aus allen gängigen Bedingungen aufweisen, sollen wir das Auto prüfen: Wie realistisch sind die im WLTP-Zyklus erreichten 4,8 Liter pro 100 Kilometer?

Es kann losgehen: Beim Anlassen verströmt der Klang des laufruhigen Selbstzünders Gelassenheit und Kraft. Mein Kollege lässt es flott angehen: Nachdem wir die Stadt verlassen haben, liegt der Durchschnittsverbrauch bei 6,5 Litern; über Land, inklusive einiger Überholvorgänge unter Vollast, sinkt der Verbrauch bis zum Fahrerwechsel auf 6,1 Liter.

Jetzt bin ich dran, nehme mir vor, den Verbrauch weiter zu senken. Und das klappt auch, ohne zum Verkehrshindernis zu werden oder im Windschatten von LKWs zu verweilen. Ich beschleunige sanfter, lasse das Auto öfter rollen: Bis zum Ziel sinkt der Durchschnittsverbrauch auf 4,9 Liter. Ein Kollege, der Radio und Klimaanlage ausschaltet und es deutlich langsamer angehen lässt, kann am Ende sogar einen Verbrauch von nur 3,66 Litern pro 100 Kilometer vorweisen.

Das Aufschalten des Elektromotors führt ab und zu noch zu leichtem Ruckeln; ein Entwicklungsingenieur verspricht Nachbesserung bis zur Auslieferung.

Von außen ist von der modernen Techni nicht viel zu sehen; die Form ist praktisch und gefällig, wenn auch weniger schwungvoll und sportlich als bei anderen Mazda-Baureihen. Auf den vorderen Kotflügeln prangt stolz ein ,,Inline 6″-Emblem. Innen gefällt mir vor allem die Takumi-Ausstattungslinie, die mit hellen Stoffen, einer besonderen Sichtnaht am Armaturenbrett und Ahornholz in den Türen japanische Handwerkskunst überzeugend verkörpert.

Getriebe, Lenkung und Fahrwerk sind sehr harmonisch abgestimmt. Die 200 PS sind völlig ausreichend, sportliche Ambitionen werden dann mit der 254-PS-Variante bedient. Das Gesamtkonzept überzeugt: Auch im Fond sitzt man komfortabel und mit viel Platz, der 570-Liter-Kofferraum lässt sich auf bis zu 1726 Liter erweitern.

Übrigens gibt es den Mazda CX-60 auch mit einem Vierzylinder-Ottomotor und Plug-in-Hybrid-Technik. Das bringt steuerliche Vorteile, Langstreckenfahrer sind allerdings mit diesem neuen Diesel deutlich besser bedient. Und auch die Umwelt lässt sich mit einem so sparsamen Diesel vermutlich wirksamer entlasten als mit elektrifizierten Antrieben, deren Energie einem schmutzigen Stromnetz entstammt.

Kein Wunder, dass Mazda bestätigt: Der Verbrenner hat Zukunft und er wird kontinuierlich weiterentwickelt. In Europa wird er so lange angeboten, wie es erlaubt ist – politische Korrektheit hin oder her.

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