INFOTAINMENT IM KIA EV 6

Im Test zeigt sich: Alles in allem bekommt man im vollelektrischen Kia EV 6 ein hochwertiges Infotainmentsystem ab Werk. Eine intelligente Ladeplanung für längere Strecken wäre allerdings wünschenswert.

Was kann das Infotainment des Kia EV 6, und wie gut ist es? Wie seine Geschwister mit Verbrennungsmotor bringt auch das Elektrofahrzeug ein üppig breites Display mit, das aus zwei verbundenen Bildschirmen besteht. Beide haben eine Diagonale von 12,3 Zoll und prägen die gesamte Cockpitlandschaft. Das linke zeigt vor dem Lenkrad die Geschwindigkeit, die Reichweite und den Ladestand der Batterie sowie weitere Details. Nach dem Setzen des Blinkers wird zudem das Bild von Kameras in den Außenspiegeln wiedergegeben. Sie weisen leicht nach unten, sodass man nicht nur in engen Einfahrten besser rangieren kann, sondern an der Ampel sieht, was sich im toten Winkel befindet.

Die rechte Anzeige ist berührungsempfindlich und für die Bedienung des Infotainments zuständig. Hier ist der Einsatz des Fingers gefragt. Vom Hauptmenü ausgehend kommt man in zwölf Untermenüs, die mit lilafarbenen Symbolen visualisiert sind. Unterhalb des Monitors hat Kia eine Sensorleiste mit zwei Drehstellern platziert. Ihre Funktionalität lässt sich umschalten. Entweder ist sie für die Einstellungen der Klimaanlage zuständig, oder sie dient als zusätzliches Bedienelement für das Infotainment. Einen Pluspunkt sahen wir darin nicht. Auch benötigt die Anlage nach dem Start des Elek­tromotors quälend lange Sekunden, bis sie endlich für Nutzereingaben bereitsteht.

Beim Head-up-Display sollte nachgebessert werden

Das Infotainment mitsamt Navigation, Echtzeit-Verkehrsdaten, Bluetooth-Freisprecher und Musikanlage gehört zur Serienausstattung. Aufpreispflichtig ist allein das Head-up-Display, es kostet in einem Paket mit Rundumsichtkameras und anderen Assistenten um die 1700 Euro. Die virtuelle Darstellung über der Motorhaube ist groß, farbig und präzise. Allein die eingespielten, sich bewegenden Hinweispfeile vor einem Abbiegevorgang sind ein Ärgernis, weil sie nicht punktgenau kommen. Viel zu früh winken die hellblauen Dreiecke in eine Richtung, hier müsste dringend die Darstellung mit Augmented Reality nachgebessert werden.

Das Navi arbeitet präzise und schnell, die Ansagen kommen bisweilen jedoch zu häufig, und vor allem des Öfteren als Abbiege-Kommando, wo man nur der Straße folgen muss. Stau-Informationen lassen sich über die Straßenkarte einblenden. Per Online-Anbindung gibt es auch eine Suche nach Parkmöglichkeiten und die Steuerung von Fahrzeugfunktionen über die Smartphone-App von Kia.

Eine umfassende Routenplanung fehlt

Was fehlt, ist eine clevere Routenführung mit Ladeplanung auf längeren Strecken. Zwar stellt der Kopilot fest, dass das Ziel in München mit dem aktuellen Akkustand nicht erreicht wird. Aber eine Bestätigung der eingeblendeten Schaltfläche führt nur dazu, dass Ladestationen in der direkten Umgebung angezeigt werden. Hilfreich wären an dieser Stelle eine Routenplanung mit der vorrangigen Ansteuerung von Schnellladestationen, eine Vorkonditionierung der Batterie eingeschlossen, sowie eine Anzeige, ob die Ladesäule verfügbar oder belegt ist. In anderen Elektrofahrzeugen zeigt das Navi sogar an, mit welcher berechneten Restkapazität man an welcher Station eintrifft und wie lange dort im Sinne einer möglichst kurzen Reisezeit geladen wird. Das alles fehlt im Auto des Jahres leider.

Die Sprachsteuerung des Kia kann über eine Internetanbindung auch komplizierte Anfragen erkennen und entsprechend umsetzen. Das sorgt zum Beispiel dafür, dass man nicht nur feste Formulierungen verwenden, sondern in Alltagssprache mit der virtuellen Dame reden kann. Sie beantwortet zudem auch allgemeinere Fragen, etwa nach dem Wetter in einer bestimmten Stadt.

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