Wie Jaguar Land Rover jetzt zu den deutschen Herstellern aufschließt

Zu lange setzte der britische Autobauer auf Hybrid-Fahrzeuge – und fiel weit hinter die Konkurrenz zurück. Jetzt sollen die Jaguar und Range Rovers aufschließen zu den elektrischen Modellen von Porsche bis Mercedes. Dabei setzt der Konzern auf eine gewaltige Veränderung.

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Agile Transformation, Scrum Master und Zwei-Wochen-Sprints – mit diesen Methoden aus der Software-Entwicklung will der britische Auto-Hersteller Jaguar Land Rover (JLR) schneller als bisher auf die radikalen Veränderungen in der Automobilbranche reagieren. Über 100 Scrum Master, Experten für Veränderung, sollen im ganzen Konzern helfen, komplexe Projekte schnell und dynamisch umzusetzen, von der Entwicklung über die Produktion bis zur Verwaltung.

„Wir wollen eine kontinuierliche, inkrementelle Verbesserung schaffen“, sagt John Cormican, zuständig für Fahrzeugtechnik bei JLR in Großbritannien und Irland. Üblich seien dafür Sprints, in denen innerhalb von zwei Wochen Projekte in Teams angestoßen und umgesetzt werden. „In der Software-Entwicklung ist diese Technik ein bewährtes Verfahren. Aber für die Automobilindustrie ist es eine gewaltige Veränderung.“

Der Ingenieur kommt aus dem Bereich Halbleiter und Software. In Shannon im Westen Irlands hat er binnen fünf Jahren ein Team von 300 Software-Ingenieuren aufgebaut, die an der digitalen Plattform des Auto-Herstellers arbeiten: Konnektivität, Data Science, Assisted Driving, Cybersecurity, Elektroniksysteme sind Stichworte, an denen die Angestellten hier arbeiten.

Die angekündigte rasche Elektrifizierung des JLR-Fahrzeugangebots sollen alle diese Maßnahmen mit unterstützen. 15 Milliarden Pfund (17 Milliarden Euro) an Investitionen hat das Unternehmen, das zum indischen Tata-Konzern gehört, Mitte April für die kommenden fünf Jahre angekündigt, doppelt so viel wie in den vergangenen Jahren. Damit sollen die Jaguars und Range Rovers aufschließen zu den elektrischen Modellen der deutschen Premium-Hersteller.

Sieben komplett elektrische Modelle sind in diesem Zeitraum geplant. Den Anfang macht eine Elektroversion des Range Rover, die dieses Jahr vorgestellt und im kommenden Jahr in die Fertigung gehen wird. 2025 sollen zwei weitere Batterie-Modelle folgen, darunter ein elektrischer Jaguar mit einer Reichweite von 700 Kilometern, um die zuletzt schwächelnde Marke wieder fest in der Luxusklasse zu etablieren. Angesetzt sind dafür Preise ab 100.000 Pfund.

Kein Erfolg mit Hybrid-Strategie

Mit dem Jaguar I-Pace hatte JLR schon 2017 eines der ersten Batterie-Modelle in der Luxusklasse vorgestellt. In den folgenden Jahren hat sich das Unternehmen aber auf Hybride konzentriert, während die Wettbewerber vermehrt erste Modelle mit reiner Batterie-Elektrik ins Programm genommen haben. Der Marke Jaguar hat das erheblich zugesetzt, der Absatz ist deutlich zurückgegangen.

„Sie mögen denken, dass es um uns still geworden ist in den vergangenen zwei Jahren“, sagte Vorstandschef Adrian Mardell bei der Vorstellung des Elektro-Zeitplans. „Doch es ist viel passiert seit 2021.“ Damals hatte Mardells Vorgänger Thierry Bolloré die Strategie „Reimagine“ vorgestellt, laut der JLR spätestens bis 2039 netto keine Emissionen mehr ausstoßen wird. Im vergangenen November hat Bolloré den Konzern schon wieder verlassen, nach nur zwei Jahren im Amt.

Sechs Quartale in Folge hatte das Unternehmen zuvor Vorsteuer-Verluste geschrieben, während andere Premium-Anbieter wie Mercedes oder Porsche einen Geschäftserfolg nach dem anderen vorlegten.

Vor allem die Lieferschwierigkeiten bei Halbleitern, die die Autobranche weltweit in Mitleidenschaft gezogen haben, machte das Management für die langen Wartezeiten und das schwache Abschneiden verantwortlich. Inzwischen hat sich die Lage entspannt, betonte Mardell. Im Ende März abgelaufenen dritten Quartal schrieb JLR wieder schwarze Zahlen.

Unterstützen soll bei den nächsten Veränderungsschritten auch das Programm aus dem irischen Shannon. „Wir sind auf dem Weg, zu einem Technologie-Unternehmen zu werden“, sagt Cormican. Dazu gehören nicht nur die neuen, agilen Arbeitsansätze, die im ganzen Konzern genutzt werden.

Die Ingenieure haben auch die wichtige Aufgabe, die Fahrzeug-Software, Sensortechnik, Sicherheitsfeatures und das Infotainment in den Autos zu gestalten. „Diese Plattformen haben wir hier entwickelt“, so Cormican.

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