Kurzer Radstand, großer Auftritt: Der Land Rover Defender 90 P425 V8 will kein Kompromiss sein – sondern ein Statement. Wie er sich fährt, klären wir im Fahrbericht.
Was ist das?
Wer an den Land Rover Defender V8 denkt, hat aufgrund der aktuellen Berichterstattung womöglich den Zusatznamen „Octa“ im Kopf. Doch abseits des geschliffenen Diamanten mit BMW-Achtzylinder gibt es auch noch zwei weitere vielzylindrige Motorisierungen im englischen Offroader. Neben dem hier gefahrenen P425 wird in einer eigens aufgelegten „Defender V8“-Variante auch eine 525 PS starke Version angeboten.
Das Besondere? Anders als beim von BMW beigesteuerten S63-Biturbo-V8 im Defender 110 Octa handelt es sich beim P425 (ab 127.400 Euro) und P525 (ab 146.000 Euro) noch um den guten alten Kompressor-Achtzylinder mit fünf Litern Hubraum. In Kombination mit dem kurzen Radstand des Defender 90 (2,59 m) ergeben sich ansprechende Fahrleistungen und ein sehr amerikanisches Fahrgefühl.
Motor & Antrieb: Im Geiste ein Ami
Der Defender 90 P425 leistet nicht nur namensgebende 425 PS, sondern stemmt ab 1.800 U/min auch massive 550 Nm auf die Kurbelwelle. Der 5,0-Liter-Kompressor-V8 verhilft dem kurzen Landy zu durchaus sportwagenähnlichen Sprintzeiten: 100 km/h fallen aus dem Stand nach nur 5,6 Sekunden, abgeregelt wird aus Vernunftgründen bereits bei Tempo 209. Der Defender 90 P525 darf optional sogar bis auf 240 km/h beschleunigen.
Zum wilden Treiben im Motorraum gesellt sich eine feine akustische Kompressor-Note, die bei passender Drehzahl entfernt an eine Dodge Challenger Hellcat erinnert. Der Defender 90 P425 trägt damit durchaus einen Hauch Ami in sich – klingt kernig, kraftvoll und kann auf Wunsch auch leise nachfrotzeln. Doch so ungestüm er sich zeigen kann, so kultiviert bleibt er im Kern: Mit britischer Contenance meistert er den Alltag, souverän und erstaunlich zurückhaltend. Laufruhe und Understatement stehen trotz der vier Endrohre und der großen Bremsanlage an oberster Stelle. Wer es nicht besser weiß, würde unter der Haube wohl kaum einen V8 vermuten.
Weniger gelungen erscheint allerdings die Anbindung des großen Motors an die ZF-Achtgang-Automatik. Besonders aus dem Stand heraus wirkt es, als würde der 5,0-Liter-V8 das Getriebe regelrecht überrumpeln. Wer sanft anfahren will, braucht etwas Übung. Zwar legt sich die Aufregung im Getriebetrakt anschließend, doch eine bekannte Schwäche moderner Land-Rover-Modelle bleibt bestehen: Bei Autobahntempo wird unnötigerweise ständig zwischen der siebten und achten Fahrstufe hin- und hergeschaltet. Auch wenn wir es beim Straßentest nicht explizit eingesetzt haben, wollen wir es dennoch erwähnen: Der Defender „X“ P425 verfügt neben einem zweistufigen Verteilergetriebe auch über zwei elektronisch geregelte Sperren.
Eigenheiten & Fahreindruck: Die Familie hat das Nachsehen
Während sich die Defender-Varianten 110 und 130 auch an Familien richten, ist der kurze 90er (4,58 m) sozusagen der automobile Outlaw. Lediglich zwei Türen machen den Einstieg nach hinten zur Turnübung, das Anschnallen des Nachwuchses im Kindersitz wird zur Herausforderung. Hat man als Erwachsener hinten Platz genommen, ist der Beinraum zwar durchaus stattlich – im lediglich 297 Liter kleinen Kofferraum findet aber kaum der Wocheneinkauf Platz. Dafür können bis zu 3,5 Tonnen an den Haken genommen werden.
Fahrdynamisch zeigt der Defender P425 ebenfalls gewisse Eigenheiten. Trotz spezieller Continental-Pneus ist das flotte Fahren auf nassen Straßen ein durchaus spannendes Erlebnis, das man nicht übertreiben sollte. Hin und wieder giert der 2,3-Tonner auch leicht mit der Hinterachse nach außen, und beim beherzten Gasgeben wandert der Blick des Fahrers schon mal gen Himmel. Aktive Wankstabilisierung kennt der Landy nicht, das Luftfahrwerk ist für den V8 zwar etwas straffer ausgelegt, macht seinem Namen aber weiterhin alle Ehre. Einzig kurz aufeinanderfolgende Unebenheiten oder Querrillen werden durch den kurzen Radstand nicht ganz so souverän weggesteckt.
Zum komfortablen Federungskomfort passt auch die leichtgängige, aber etwas unpräzise Lenkung, die bei Geländefahrten sicherlich ihre Vorteile hat. Den Spritdurst des 5,0-Liter-Kompressor-V8 hat der Fahrer selbstverständlich ein Stück weit selbst im Gasfuß – weniger als 15 Liter auf 100 Kilometer haben wir allerdings nicht geschafft.




