Test Jaguar F-Pace: Wohlfühl-Lounge mit E-Anschluss

Es knarzt und knistert im Fond!? Wie jetzt? Wir sitzen im brandneuen Jaguar F-Pace, umhüllt von perforiertem Windsor-Leder in Light Oyster, feinsten Materialien, wohin das Auge schaut und die Hand greift, gleiten elektrisch auf Schleichfahrt dahin – und nun dieses lästige Geräusch aus dem Rückraum beim Überfahren von Verwerfungen und Bitumenflicken im Asphalt? Dabei gehört zu den bemerkenswerten Neuerungen des überarbeiteten SUV nicht nur ein wuchtiger Plug-in-Hybridantrieb, sondern auch die von Kopfhörern bekannte aktive Geräuschunterdrückung. Ist das Knarzen etwa deshalb zu hören, weil im Innern nun bibliothekische Stille herrscht?

Das neue System soll allerdings allein niederfrequentes Hintergrundrauschen von Fahrbahn und Reifen rausfiltern, das Knarzen und Knistern hat aber eine hörbar höhere Frequenz. Nun, um das Rätsel aufzulösen: die Ladekabel und deren ummantelnder Kunststoffbeutel im Kofferraum störten bei der ersten Ausfahrt die akustische Harmonie. Das ist natürlich umso ärgerlicher, als Jaguar bei der zur Mitte der Laufzeit üblichen Überarbeitung seines großen SUV größte Sorgfalt auf die Details gelegt hat. Ob offenporiges Holz, gebürstetes Aluminium, Applikation in Klavierdeckel-Optik oder die präzise geätzten Lautsprechergitter und metallisch gerändelten Drehschalter für Heizung und Lüftung – der Feinschliff ist überall zu sehen und zu spüren. Auch 20-fach einstellbare Massagesitze oder die dezente Ambientebeleuchtung sprechen für sich. Und nicht nur in Pandemie-Zeiten willkommen ist die Luft-Ionisierung, die ultrafeine Partikel und Allergene aus der Kabinenluft filtert.

Im Mittelpunkt der britischen Wohlfühl-Lounge aber thront der 11,4 Zoll große HD-Touchscreen aus gebogenem Glas, über den das neue, bereits im neuen Land Rover Defender und demnächst auch Discovery, eingesetzte Pivi-Infotainment-System gesteuert wird. Die Bedienlogik folgt der moderner Smartphones, so dass man für die meisten Wünsche maximal zwei Mal auf den Screen tippen muss. Die chemisch gehärtete Glasoberfläche besitzt zwei Beschichtungen, die sowohl ungewollte Spiegelungen wie Fingerabdrücke reduziert.

Ins Auge fällt außerdem der neue, nun wieder konventionell gestaltete Schaltknauf fürs Automatikgetriebe, der den bisherigen, beim Start spektakulär ausfahrenden Drehzylinder ersetzt. Einen Hauch Exklusivität versucht Jaguar dem ,,Drive Selektor“ dennoch durch einen angenehm handschmeichlerischen Lederbezug mit der Ziernaht eines Kricketballs zu geben. Nun ja, Geschmacksache, im Gebrauch etwas sperrig zeigte sich hingegen die Funktion, dass fürs Gangeinlegen stets eine ,,unsichtbare“ Taste hinter dem Knauf gedrückt werden muss. Bei schnellen Rangier-Manövern führt das schon mal zu nervig-nervösen Verzögerungen. Doch das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau. Im Großen und Ganzen ist die Handhabung der meisten Funktionen nach kurzer Zeit intuitiv und selbst erklärend.

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