Jaguar Souvereign 4.0 als eBay-Schnäppchen

Ein 1000-Euro-Jaguar von eBay hat Fotograf Michael Nehrmann acht Jahre treu durch den Alltag begleitet. Jetzt macht der Wagen seine letzte Reise.

Leise knirscht der Kies unter den Reifen, als unser roter Jaguar Souvereign 4.0 im Schatten alter Zedern auf das Herrenhaus zupirscht. Während wir an der akkurat getrimmten Rasenkante entlangrollen, erhebt sich vor der Motorhaube die Fassade, die zartrosa in der Morgensonne leuchtet. Neben Rabatten aus Pelargonien und Tagetes kommen wir zum Stehen.

Scott Shearman erwartet uns schon. „Welcome to Wappenbury Hall“, sagt er und bietet, very British, zur Begrüßung Tee und Ingwerkekse an. Ob wir zu Zeiten von Sir William Lyons (1901–1985) auch so herzlich empfangen worden wären? Der Jaguar-Gründer, der hier mal gewohnt hat, soll ein Gentleman gewesen sein, aber auch ein ziemlicher Geizkragen. Kekse hätte es also nur vielleicht gegeben. Die bunte Blütenpracht ganz sicher nicht.

Wappenbury Hall ist heiliger Boden für Jaguar-Fans

Hier ließ sich der Patriarch vorm Haus die neuesten Prototypen vorführen. Sie parkten alle hier, wo heute unser XJ40 steht. Heiliger Boden für Jaguar-Fans! Auch Scott, der Wappenbury Hall 2017 gekauft hat, kann sich der Magie des Ortes nicht entziehen.

Seine Leidenschaft für die Markenhistorie teilt der australische Millionär gerne mit Gleichgesinnten, öffnet das Anwesen für Club-Events oder führt Besucher durch die früheren Pferdeställe, die Sir Williams Autos als Garage dienten. Eins steht heute wieder hier: ein Mk 10 von 1961. Als die Limousine unlängst versteigert wurde, musste Scott sie einfach haben.

Auch unser XJ40 ist Auktionsware, jedoch kein teures Sammlerstück, sondern ein 1000-Euro-eBay-Schnäppchen. Eigentlich war AUTO BILD-Fotograf Michael Nehrmann nur auf einen Kurzzeitflirt mit einer restgetüvten Luxusmieze aus, als er vor acht Jahren den Zuschlag erhielt. Da sich der Jag allen Unkenrufen zum Trotz jedoch als problemloser Daily Driver entpuppte, wurde eine glückliche Dauerbeziehung daraus.

Deren Tage sind nun allerdings gezählt: Inzwischen hat sich der Rost auch in tragende Teile verbissen, und bevor der Prüfer der räudigen Raubkatze bei der nächsten Hauptuntersuchung die Karten legt, soll sie noch ein letztes Mal nach Hause – dorthin, wo sie einst „geboren“ wurde.

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