Polestar 3 Performance

Man darf annehmen, dass Joakim Rydholm ziemlich gut in Mathe ist. Immerhin gibt es in seinem Job, als Chef der Fahrwerksentwicklung bei Polestar, jede Menge zu rechnen. Mehr aber noch als Sinn für Zahlen hat er Gespür. Denn so bestechend exakt all die Winkel, Formeln und Gradienten auch sein mögen – unterm Strich muss etwas weit Größeres stehen als die Summe aus Ableitungen von ein paar Dutzend Funktionen. Man nennt es Vertrauen.

Genau das müssten Elektroautos der Marke Polestar ausstrahlen, sagt der Mann, der früher auch im Rallyesport unterwegs war. Schwedische Ruhe trifft auf die Präzision von Rennsport, heißt das im Werbeclip, „Tempo 200 im Drift – mit einem Lächeln“ lautet die Rydholm-Übersetzung. Dass man sich bei Polestar rühmen darf, Performance sei eine Haltung, hat auch mit dem Nischenplatz zu tun, in dem sich die Marke erfolgreich eingerichtet hat. Mit Volvo und dem chinesischen Geely-Konzern an der Seite und im Rücken kann einem der Geschmack der Masse weitgehend egal sein, stattdessen darf man sich Freiheiten bei Design und Technik gönnen – nur keine Kompromisse in Sachen Fahrdynamik.

Präzision als Haltung

Wer allerdings den reinen Renn-Trimm für die Krönung der Zunft hält, irrt womöglich. Viel schwieriger sei die Spreizung, wie sie ein Alltagsauto eben immer noch bieten muss. Übersetzt: Der ältere Herr soll sich am Steuer des 380-kW-Brummers genauso wohlfühlen wie die ambitionierte Flottfahrerin. „Das“, sagt Rydholm, „ist die wahre Herausforderung.“

Im Polestar 3 mit vollem Namen „Long Range Dual Motor Performance Paket“ hat Rydholm all das beherzigt. Der Aufwand dafür ist gewaltig. Immerhin sind knapp 2,7 Tonnen verteilt auf 4,90 Meter Länge zu bewegen. Von Schwerpunkt, Radstand und Spurweite kommt man zu Wankneigung und Schwimmwinkel und schließlich zu Federraten und Stabi-Durchmessern. Und dann sind da noch all die Buchsen und Lager, die dafür sorgen, dass die Konstruktion unter Last gewollt nachgibt. Grundsätzlich gilt: „Vertikaldynamik“ entscheidet über Komfort, „Horizontaldynamik“ über Kurvenverhalten. Obendrein spielt die Bremsstabilität eine Rolle. Nichts wäre fataler, als wenn beim Tritt ins Pedal die Hinterachse zu leicht würde.

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