Eine Woche Albanien! Der Plan war denkbar simpel: Koffer packen, ab in den Süden, den heimatlichen Alltag rigoros hinter sich lassen und einfach mal gepflegt die Seele baumeln lassen.
Angetreten im Urlaubsparadies, ging es direkt zum Check-in im Appartement – Traumlage, direkt am Strand. Doch kaum waren die Koffer über die Türschwelle geschoben, meldete sich auch schon die Magengegend mit einem leisen, aber bestimmten Knurren. Ein Glück, dass sich direkt an der Ecke unseres Hauses – quasi auf der strategischen Hauptschlagader Richtung Strand – ein charmantes kleines Restaurant namens „Big Lunch“ befand.
Der Verführung standgehalten? Keine Chance!
Das Lokal präsentierte sich optisch von seiner besten Seite: modern eingerichtet, wunderbar luftig, elegant, aber absolut bodenständig und ohne diesen krampfhaften Schickimicki-Schmäh.
Eigentlich wollten wir nur kurz Orientierungssinn beweisen, aber die Kellner machten uns einen Strich durch die Rechnung: Sie begrüßten uns bereits mit einer derartigen Herzlichkeit, als wir das Appartement noch nicht einmal fertig bezogen hatten! Da gab es dann schlichtweg keine Diskussionen mehr. Wir blieben direkt hängen.
Und was soll ich sagen? Es war der Beginn einer tiefen kulinarischen Liebe.
Ohne Schwindel: In der gesamten Woche haben wir genau zwei Mal den Versuch gewagt, fremdzugehen und andere Restaurants zu testen. Ein Satz mit X! Das Restaurant am ersten Abend war diplomatisch ausgedrückt „vernachlässigbar“. Das zweite war zwar ganz nett, aber im Endeffekt konnte schlichtweg niemand dem Big Lunch auch nur im Ansatz das Wasser reichen.
Ein Paradies für Gaumen und Promille
Was hier aus der Küche auf die Tische gezaubert wurde, war eine absolute Leistungsschau der mediterranen Gastronomie: Frisch gegrillter Fisch, dessen Haut perfekt knusperte, saftige Muscheln, zarteste Meeresfrüchte – jeder Teller ein Volltreffer!
Dazu kam eine Belegschaft, die ihresgleichen sucht: Jeder einzelne Kellner war nicht nur bemüht, sondern ehrlich aufmerksam, aufgeschlossen und herzensgut. Und dann war da noch der Wein…
Der Wein war hervorragend. Um ehrlich zu sein: Er war gefährlich hervorragend. Er floss derart geschmeidig die Kehle hinunter, dass der Abend regelmäßig eine sehr beschwingte Wendung nahm. Aber bei der Aussicht am Abend – mit einem kühlen Glas in der Hand, der sanften Meeresbrise im Gesicht und dem kitschig-schönen Sonnenuntergang über dem Strand – war diese Dosis Lebensfreude schlichtweg unbezahlbar.
Von der kleinen Gefälligkeit zur albanisch-internationalen Gala
Wie weltklasse der Laden menschlich geführt wird, bewies sich spätestens an dem Tag, als einer unserer Mitreisenden Geburtstag hatte.
Auf die beiläufige Frage unsererseits, ob sie denn eventuell eine kleine Geburtstagstorte organisieren könnten, gab es kein langes Abwägen oder Bürokratie-Gezicke. Die Jungs nickten, zuckten nicht einmal mit der Wimper – und zauberten prompt ein Prachtexemplar herbei.
Damit aber nicht genug: Wie der Zufall es so wollte, stieg am selben Abend im Lokal noch eine zweite Geburtstagsgesellschaft. Es dauerte gefühlt fünf Minuten, bis die Barriere zwischen den Tischen komplett kollabierte. Aus zwei getrennten Grüppchen wurde spontan eine gigantische, ausgelassene Multikulti-Sause!
Plötzlich lagen sich Schweden, Österreicher, Albaner, Ukrainer und Koreaner in den Armen, stießen gemeinsam an, tanzten und feierten, als gäbe es kein Morgen mehr. Ein Völkerverständigungs-Event, das jede UNO-Vollversammlung vor Neid erblassen gelassen hätte!
Das Fazit
Sagen wir es, wie es ist: Alleine das Big Lunch und die unglaubliche Art und Weise, wie herzlich wir dort vom ersten Tag an als Fremde aufgenommen und als Freunde verabschiedet wurden, ist Grund genug, die Koffer baldmöglichst wieder zu packen.
Albanien, wir kommen definitiv wieder – und der erste Tisch im Big Lunch ist hiermit schon reserviert! (Der in der Ecke auf der Terrasse :-))










