Über Nudie’s Honky Tonk gäbe es eigentlich enorm viel zu erzählen – wenn ich mich nur noch an alles lückenlos erinnern könnte… Die Tatsache, dass diese legendäre Bar mitten am weltberühmten Broadway in Nashville liegt (genauer gesagt an der Hausnummer 409), bringt es naturgemäß mit sich, dass man dort erst aufschlägt, wenn man schon mehrere Whiskey-Shots und ähnliches hochprozentiges Zeug intus hat. Aber vielleicht ist es genau dieser leicht vernebelte Zustand, der den unvergleichlichen Charme dieses Ladens erst so richtig ausmacht.
Ein dreistöckiges Monument der Musikgeschichte
Wenn man das historische, über 100 Jahre alte Gebäude betritt, fällt einem selbst im größten Rausch sofort eines auf: Das hier ist kein gewöhnlicher Schuppen, sondern im Grunde ein gigantisches, dreistöckiges Museum. Überall hängen Millionen von Dollars an raren Country-Musik-Memorabilien, bizarren Bühnenkostümen und Geschichte pur.
Der Namensgeber der Bar, Nudie Cohn (1902–1984), war ein in der Ukraine geborener Schneider, der in den USA mit seinen übertrieben mit Strasssteinen besetzten Anzügen – den legendären „Nudie Suits“ – weltberühmt wurde. Nudie kleidete schlichtweg alles ein, was Rang und Namen hatte: von Ronald Reagan über John Wayne, Hank Williams, Johnny Cash, John Lennon und Bob Dylan bis hin zu Elton John. Sogar der berühmte, 10.000 Dollar teure goldene Lamé-Anzug, den Elvis Presley auf dem Cover seines Albums „50,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong“ trug, stammte aus seiner Feder.
Auch seine Leidenschaft für Autos war legendär. Nudie gestaltete Automobile mit Silberdollar-besetzten Armaturenbrettern, Revolvern als Türgriffen und Schalthebeln sowie riesigen Longhorn-Rinderhörnern auf der Motorhaube. Genau so ein Prachtstück – sein eigener, maßgeschneiderter Cadillac El Dorado („Nudie Mobile“) – hängt heute direkt an der Wand über der Hauptbühne. Das Auto ist übrigens mit schlappen 400.000 Dollar versichert.
Rock’n’Roll, Stiegl-Radler und die längste Bar Nashvilles
Während man eigentlich nahezu überall am Broadway klassischen Country hört – no na ned –, geht es im Nudie’s definitiv rockiger zur Sache. Über drei Etagen verteilen sich mehrere Bars, drei Live-Bühnen und eine geniale Dachterrasse.
Ich erinnere mich noch an eine verdammt lässige Rockband auf der Bühne. Der Sänger hat nach der letzten Nummer mit einer Dose Stiegl Grapefruit Radler der Menge zugeprostet und sich lautstark für das „tolle deutsche Bier“ bedankt. Die Amerikaner stehen auf das Zeug, das kriegst du drüben in den meisten Bars sogar frisch vom Fass! In meiner leichten Schräglage musste ich mich echt beherrschen, um nicht auf die Bühne zu hirschen und ihn darüber aufzuklären, dass Salzburg definitiv in Österreich liegt. Wäre aber glaube ich eh schiefgegangen – obwohl ich exakt zu diesem Zeitpunkt mein Englisch für absolut hervorragend hielt.
Apropos Bar: Im Nudie’s steht der angeblich längste Tresen ganz Nashvilles. Über 30 Meter lang und überzogen mit fast 10.000 echten Silberdollarmünzen. Ein absolut beeindruckendes Teil, auf das man beim Bestellen des nächsten Whiskeys starrt.
K.O.-Tropfen und mysteriöse Uber-Fahrten
Eigentlich darf man sowas ja gar nicht erzählen, aber andererseits: Es war Urlaub und es war Nashville! Außerdem hat uns die Kellnerin in der allerersten Bar am Abend in den ersten Whiskey ganz sicher K.O.-Tropfen reingedreht. Anders lässt es sich absolut nicht erklären, dass ich am nächsten Tag bis 11 Uhr mittags durchgeschlafen habe und den kompletten nachfolgenden Tag wie gerädert war.
Als im Nudie’s schließlich Sperrstunde war und das Licht anging, konnte ich einfach nicht mehr. Ich bin nur noch aus der Tür getorkelt und glücklicherweise direkt in das Uber gefallen, das exakt vor dem Eingang parkte. Der Uber-Fahrer hatte übrigens auch noch eine hollywoodreife Geschichte parat: Er erzählte uns auf der Fahrt ausführlich von seiner dramatischen Flucht und was weiß ich noch nicht alles. Wir waren jedenfalls tief gerührt – und dementsprechend extrem großzügig beim Trinkgeld. Er war ja so arm. Und wir waren halt einfach komplett besoffen.
Fakt ist: Wenn ihr in Nashville seid, müsst ihr dort unbedingt hineinspazieren und die Nacht ausklingen lassen. Das Nudie’s Honky Tonk ist Kult!

