Eindrücke des Volvo XC40 Plug-In-Hybrid: Kleiner Volt-Volvo

Wikinger werden meist als wilde Gesellen beschrieben. Groß, gerne auf Raubzug unterwegs und nichts fürchtend – außer das Tor nach Walhall versperrt zu finden. Seit den Zeiten der Hörner-Helme mag sich vieles gewandelt haben – die Kühnheit aber scheint den Nordmännern geblieben. So wollen sie bis Jahresende bei Volvo den Absatz gegenüber 2014 um die Hälfte steigern, was hierzulande 60 000 verkaufte Autos bedeuten würde. Auch und gerade elektrisch unterstützte.

Derzeit steht der Wind gut für die Schweden. Gut 53 000 Volvos fanden 2019 in Deutschland Käufer oder Käuferin. Der XC40 – 2018 „Car oft the Year“ – folgt hinter dem Bestseller XC60 auf Platz zwei. Und das, obwohl er den ersten Dreizylinder der Firmengeschichte an Bord hat.

Seiner Idee vom kleinen Hubraum plus großem Gebläse bleibt Volvo auch beim Plug-In-Modell des Wikinger-Schiffchens treu. Dort liefert der Dreipötter knurrige, aber quirlige 180 PS, ein Aggregat mit Wicklung steuert weitere 82 bei. Die gute Nachricht: Weil am Doppelkuppler angedockt, kann der E-Motor mit Übersetzung eingreifen. Die nicht ganz so gute: Allrad fällt beim Doppelherz-XC40 leider aus.

Dafür kann man wählen: Geballte Wucht, kluge Kombination für theoretische 1,9 Liter Verbrauch – oder bis zu 45 Kilometer rein elektrische Fahrt. Allerdings müsste man dafür schon mit der Gelassenheit eines Zen-Mönches gesegnet sein. An die 30 Strom-Kilometer und eine Fünf im Schnitt lassen sich aber ohne Lähmung im Gasfuß hinbekommen.

Das Fahrwerk ist eher kommod getrimmt. Was kein Schaden ist, weil es sportlich straffe Konkurrenten in ausreichender Zahl schon gibt. Obendrein bleiben so Federungsreserven, falls es – wider Erwarten – doch mal in tieferes Geläuf gehen sollte. Die Lenkung indes dürfte gerne direkter sein. Und zu heftig sollte man den XC40 Plug-In nicht in die Kurve treiben – 1,8 Tonnen streben durchaus Richtung Tangente.

Ansonsten gibt sich Volvos Jüngster beinahe so nobel wie die großen Brüder. Vor allem die wuchtige C-Säule ist ein Blickfang. Leider in des Wortes doppelter Bedeutung. Rückblickend betrachtet wird die Welt nämlich eng – und die Kamera zur guten Idee. An Platz herrscht im 4,40 Meter langen XC40 kein Mangel. Vorne sitzt man überaus bequem – und auch hinten, sofern man sich durch die etwas enge Luke gefädelt hat. Weil sich der 10,7 kWh speichernde Lithium-Ionen-Akku in den Kardantunnel schmiegt, finden hinter der zweiten Reihe auch beim Plug-In 460 Liter Gepäck Platz, bei umgeklappter Lehne ist es knapp das Dreifache.

Erwärmen soll der Wagen mit einem Mix aus nordischer Kühle und bewusstem Understatement. Das beginnt bei der Außenansicht und endet beim Hochformat-Touchscreen über dem fast schalterlosen Cockpit. Der schwedische Weg war eben schon immer etwas Besonderes.

Apropos: Droht die Abdrift Richtung Gegenspur, greift der XC40 selbst ins Volant. Optional auch dann, wenn man den Totwinkel-Warner ignoriert. Und wenn’s per Bremse zum Vordermann nicht mehr reicht, weicht er aus. Der optionale „Pilot Assist“ fährt – zeitlich begrenzt – bis Tempo 130 selbstständig, und aus der Cloud gibt’s Warnungen vor allerlei Ungemach.

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