Der EX90 kam diesmal als Single Motor Plus zu uns – mit 800-Volt-Technik und im typischen Volvo-Auftritt: dezent und leise, womit er den Markenkern sehr gut trifft.
Der Volvo-Markenkern ist nordische Gelassenheit, Entschleunigung und Verlässlichkeit. Womit der EX90 anfangs seine lieben Mühen hatte: Als Twin Motor kann er durchaus flott fahren und die Software konterkarierte anfangs all die Kernwerte. Volvo selbst gibt zu, dass man daraus „viel lernen durfte“. Und: Er kam anfangs mit 400-Volt-Technik, was das Laden zwar „entspannt“ machte, aber nicht in dem Sinn, wie die Kunden es wünschten. Unser letztjähriger Testwagen lieferte trotzdem solide ab, doch Volvo legte sofort nach und bot einen Single Motor Plus jetzt mit 800 Volt an.
Der, das nehmen wir gleich mal vorweg, deutlich günstiger kommt als die zweimotorige Version, denn er kostet überall weniger: dramatisch weniger Leasing, weniger Versicherung und natürlich ist er auch sparsamer, verursacht also auch weniger Stromkosten.
Und lädt dafür schneller im Peak mit bis zu 300 kW, sodass der netto 90 kWh bietende Akku im Idealfall binnen 22 Minuten von 10 auf 80 % geladen werden kann. Schafften wir jetzt nicht ganz, aber trotzdem hätten wir die magische halbe Stunde unterboten, was beim Modell mit der 400-Volt-Plattform allenfalls ein frommer Wunsch war.
Die Software hat immer noch kleine Macken
Die Software dürfte dagegen gern noch ein bisschen weiter geupdatet werden: Als wir in eine frisch aufgebaute enge Baustelle fuhren, die Google Maps noch nicht kannte, und das mit „Kacke“ kommentierten, erklärte uns der EX90 die Herkunft des umgangssprachlichen Begriffs aus der Kindersprache … ansonsten gibt sich der EX90 eher sprachverständig und auch die gesprochene Adresseingabe funktioniert in der Regel fein.
Etwas holprig war die Koppelung des Handys: Als wir das Auto nach zwei Tagen Stillstand wieder nutzten, waren wir sofort verbunden. Als wir das Auto danach aber für zehn Minuten verließen, war das Handy weg. Es wurde zwar angezeigt, aber die Verbindung mussten wir neu anstoßen, was umso nerviger ist, wenn man das erst während der Fahrt merkt. Und dass der Autobahnassistent wie einst bei Kia ständig ganz dezent am Lenkrad pendelt, nervt auch.
Das teure Soundsystem ist eine Empfehlung wert
Das sind alles Kleinigkeiten, aber Volvo verlangt für die Basis fast 90.000 Euro und mit ein paar Extras wie beim Testwagen konfiguriert man ihn sofort ins Sechsstellige! Womit wir gleich zum teuersten Posten, dem über 3.000 Euro teuren Bowers & Wilkins High Fidelity Audio Soundsystem, kommen, zu dem wir unbedingt raten! Auch wenn die Briten dafür bekannt sind, den Sound gern von der Bühne, also von vorn, kommen zu lassen, kann man sich mit mehr Umhüllung auch wirklich in den Orchestergraben setzen und hört bei klassischen Bläserstücken jeden Schnaufer des Orchesters – brillant und glasklar!
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