Sitzprobe Volvo EX90: Wie gut ist der große Volvo?

Noch hat Volvo nur ein Elektroauto in zwei Varianten auf dem Markt. Doch die Schweden geben Vollstrom und bringen neben einem kleineren SUV unterhalb des XC/C40 ab 2024 auch den vollelektrischen EX90 auf die Straße. Wir machen einen ersten Innenraum-Check bei Volvo in Göteborg.

Der Volvo EX90 hat stets alles im Blick

Bekanntermaßen dreht es sich bei einer Sitzprobe primär um die Qualitäten des Innenraums. Doch geht dies kaum, ohne das Auto vorher von außen gesehen zu haben. Der erste Eindruck: Mächtig, aber nicht protzig. Der neue Volvo EX90 folgt der bekannten Designsprache der Nordeuropäer und wird sich ohne groß Aufhebens in den alltäglichen Straßenverkehr einfügen. Highlights im wahrsten Sinne sind die neugestalteten „Thors Hammer“ Pixel-LED-Hauptscheinwerfer. Sie tragen in ihrem Inneren mechanische Stellelemente, die bei Bedarf die Projektoren des Abblend- und Fernlichts freigeben. Im Normalfall zu sehen sind lediglich die LED-Elemente des Tagfahrlichts.

Rundherum haben Kameras und Radarsensoren inklusive Lidar das Umfeld im Blick, scannen Straßen und andere Verkehrsteilnehmer. Wer hier einmal den Außenspiegel samt zweier Kameras pro Seite abfährt, dürfte mit seiner Versicherung über einen hohen vierstelligen Eurobetrag verhandeln. Noch dramatischer dürften selbst kleinere Schäden an den Seitenschwellern ausfallen, die ebenfalls zahlreiche Sensoren beheimaten. Mit dem Volvo EX90 ins Gelände? Eher keine gute Idee.

Bis zu 1.915 Liter Kofferraumvolumen

Doch wie der bereits bekannte XC90, der übrigens noch einige Jahre parallel im Programm bleiben wird, dürfte auch der EX90 eher als üppig bemessenes Familienauto eingesetzt werden. Also ab in den Innenraum und hier beginnen wir ausnahmsweise hinten im Kofferraum. Dieser fasst mindestens 310 Liter bei voller Bestuhlung, zusätzlich gibt es ein gut nutzbares Unterflurfach. Bereits wer die dritte Sitzreihe versenkt, erntet ein sehr stattliches Ladeabteil von 655 Litern. Wird zusätzlich die zweite Reihe umgeklappt entsteht eine ebene Ladefläche mit einem Volumen von bis zu 1.915 Litern. Was sich mächtig anhört, wirkt auch in echt imposant. Ein kleines Täfelchen auf der Innenseite der Kofferraumklappe informiert übrigens, welche Gegenstände in den Volvo passen – clever. Nicht unterschlagen wollen wir zudem den Frunk, der immerhin bis zu 34 Liter fassen kann.

Seine Größe trägt der Volvo EX90 für die Fondpassagiere nicht nach innen

Weniger berauschend sind hingegen die Platzverhältnisse in der dritten Sitzreihe. Wer auf eine ähnliche Luftigkeit wie beispielsweise beim etwas längeren BMW X7 (5,15 Meter) gehofft hat, wird enttäuscht. Der Zugang nach hinten ist beschwerlich, ebenso dürfte die Montage von Kindersitzen (beide Sitze mit Isofix-Befestigungspunkten) keine Freude bereiten. Für Erwachsene ist daher in der zweiten Reihe Schluss. Dort hinter Fahrer und Beifahrer sitzt es sich zumindest was die Bein- und Kopffreiheit angeht ausreichend bequem. Die äußeren Sitze haben ebenfalls Isofix-Aufnahmen, der Mittelsitzt enthält eine aufklappbare Sitzerhöhung für Kinder jenseits der 1,50 Meter. Auffällig hingegen war der Mangel an Schulterraum – man sitzt förmlich press an der Tür. Für solch ein großes Auto wie den EX90 doch enttäuschend.

Reduziert in Bedienung und Qualität

Für die allermeisten allerdings am wichtigsten ist natürlich der Fahrkomfort in der ersten Reihe. Dass es hier keine Platzprobleme gibt, sollte selbstverständlich sein und auch das mit Stoff bezogene Gestühl gab bei der ersten Sitzprobe keinen Anlass zur Kritik. Die haptischen Bedienelemente im Volvo EX90 wurden derweil auf ein absolutes Minimum reduziert, es herrscht eine aufgeräumte Schlichtheit, dominiert vom hochgestellten 14,5-Zoll-Infotainment-Touchscreen mit Google-Betriebssystem. Testen konnten wir dieses in Göteborg nicht und so konzentrierten wir uns auf die Materialauswahl und -verarbeitung. Alles in allem in Ordnung, mehr aber auch nicht. Wir würden gar von einem qualitativen Rückschritt gegenüber der aktuellen XC90-Generation sprechen.

Teils harte Kunststoffe, hauchdünnes Furnierholz (das allerdings hinterleuchtet wird) aus unbekannter Herkunft sowie das nicht sonderlich wertig wirkende Lenkrad hinterlassen einen gemischten Eindruck. Wer das Schweden-SUV übrigens nicht mit hellen Stoffsitzen haben möchte, hat auch die Wahl auf Kunstlederbezüge. Echtes Leder wird nicht mehr angeboten. Ebenfalls nicht angeboten wird ein Handschuhfach. Der persönliche Krimskrams wandert bestenfalls in die Mittelkonsole mit erweitertem Unterflurfach.

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