Fast schon Vollstromer
Die Transformation der weltweiten Automobilbranche bringt derzeit überraschende Wendepunkte hervor. Während viele Fahrzeughersteller den PHEV vor wenigen Jahren noch als reine Übergangstechnologie abgetan hatten, vollzieht Volvo mit der grundlegenden Überarbeitung seiner Erfolgsmodelle XC60 und XC90 einen technologischen Befreiungsschlag.
Mit einer Batteriekapazität von imposanten 41,2 kWh stoßen die schwedischen Premium-SUVs in Reichweitenregionen vor, die bis vor Kurzem reinen Elektrofahrzeugen (BEVs) der Mittelklasse vorbehalten waren. Bis zu 200 km rein elektrische Strecke verspricht der Hersteller nach WLTP-Norm für den überarbeiteten XC60, während der mächtige Siebensitzer XC90 immerhin bis zu 164 km stromert. Damit wandelt sich der Teilzeitstromer vom Kompromissfahrzeug mit bescheidenem Alibi-Akku zu einem vollwertigen Alltags-Stromer. Pendler und Familien können den Großteil ihrer täglichen Fahrstrecken ohne einen einzigen Tropfen Benzin zurücklegen, behalten aber für spontane Fernreisen die gewohnte Gelassenheit des fossilen Verbrennungsmotors.
Doch hält dieser gewaltige Reichweitensprung im rauen Alltag, was die Datenblätter versprechen, und wie fügen sich die tiefgreifend überarbeiteten Modelle in die langfristige Strategie der Göteborger Traditionsmarke ein? Ein genauer Blick auf Technik, Fahrwerk, Preise und Design enthüllt die technischen Details.
Sprung in eine neue Reichweitenklasse: Das Technik-Paket unter der Lupe
Aber die eigentliche Sensation verbirgt sich unter dem skandinavischen Blechkleid der beiden Bestseller. Volvo verdoppelt die Akkukapazität im Fahrzeugboden mehr als, indem der bisherige Energiespeicher mit 18,8 kWh durch ein Paket mit 41,2 kWh Nennkapazität ersetzt wird. An der Hinterachse arbeitet zudem ein erstarkter Elektromotor mit 130 kW, was umgerechnet 177 PS entspricht. Gegenüber dem bisherigen E-Motor mit 115 kW beziehungsweise 156 PS bedeutet dies einen spürbaren Zuwachs an elektrischem Durchzugsvermögen. Bei Bedarf schaltet sich an der Vorderachse ein gründlich überarbeiteter Zweiliter-Vierzylinder-Turbobenziner hinzu. Zusammen ergibt sich beim XC60 T6 eine Systemleistung von 262 kW bzw. 357 PS. Die stärkere Antriebsvariante T8 bringt es sogar auf beeindruckende 339 kW und 461 PS.
Deshalb schrumpft der Verbrennungsmotor im normalen Berufsverkehr zur reinen Reserveeinheit. Um dem vergrößerten Akku gerecht zu werden, spendiert Volvo den Fahrzeugen ein dreiphasiges Onboard-Ladegerät mit 11 kW Wechselstrom-Ladeleistung. Bisher bremste eine maximale Ladeleistung von lediglich 6,4 kW den Ladevorgang aus. An einer entsprechenden Wallbox dauert die vollständige Aufladung von null auf 100 Prozent nun knapp vier Stunden. Ein Gleichstrom-Schnellladeanschluss via CCS fehlt allerdings weiterhin. In Anbetracht des riesigen 41,2-kWh-Akkus lässt dies leise Zweifel aufkommen. Wer auf langer Strecke unterwegs ist und die elektrische Reichweite nachladen möchte, muß mit Wechselstrom geduldig sein oder den Benziner arbeiten lassen.
Der Vierzylinder-Benziner und die Thermodynamik des Miller-Zyklus
Aber wie schlägt sich die Verbrennungstechnik unter der Fronthaube, wenn der Akku auf langer Autobahnfahrt doch einmal leergefahren ist? Der verbauter Zweiliter-Vierzylinder arbeitet nun konsequent nach dem thermodynamischen Miller-Verbrennungsverfahren. Bei dieser Steuerung werden die Einlassventile bereits deutlich vor dem unteren Totpunkt geschlossen. Dies ermöglicht ein höheres geometrisches Verdichtungs- und Expansionsverhältnis, wodurch der thermische Wirkungsgrad im Teillast- und Volllastbereich spürbar steigt. Auf eine zusätzliche Anreicherung des Kraftstoff-Luft-Gemischs bei hoher Last kann verzichtet werden, was den Verbrauch bei höheren Fahrgeschwindigkeiten zügeln soll. Ein serienmäßiger Benzinpartikelfilter fängt die rußartigen Partikel der Direkteinspritzung ab.
Deshalb erreicht der XC60 T6 AWD als eines der ersten PHEV-SUVs in seinem Segment die strengen CO2-Emissionsvorgaben der Euro 7 FCM-Norm. Mit einem gewichteten CO2-Ausstoß von unter 50 Gramm pro km qualifiziert sich das Fahrzeuk prächtig für die reduzierte Dienstwagenbesteuerung von 0,5 Prozent und erfüllt strenge Flottenvorgaben. Der gewichtete Benzinverbrauch liegt beim XC60 laut WLTP-Messung bei lediglich 1,0 bis 1,1 Litern auf 100 km, kombiniert mit einem Stromverbrauch von 16,8 kWh. Ist die Batterie vollkommen entladen, verbraucht der XC60 im rein hybriden Modus durchschnittlich 6,5 Liter Superbenzin auf 100 km. Beim größeren XC90 T8 liegt der gewichtete Verbrauch bei 1,6 Litern Kraftstoff und 18,4 kWh Strom, während bei entladener Batterie 7,2 Liter Benzin durch die Einspritzdüsen fließen.
Facelift und Skandinavisches Design beim Volvo XC60
Aber die Schweden haben keineswegs nur am Antrieb gefeilt, sondern dem XC60 auch ein umfassendes Facelift gegönnt. Die Frontpartie wirkt durch einen flacheren Kühlergrill und neu geformte Stoßfänger spürbar geschärft. Motorhaube und Kotflügel wurden neu modelliert, um den optischen Auftritt eleganter und breiter zu gestalten. Die charakteristischen Scheinwerfer in der Form von Thors Hammer wurden auf ihre grafische Essenz reduziert und bestehen nun aus je einer horizontalen und vertikalen Lichtleiste. Serienmäßig kommt nun eine Matrix-LED-Technologie mit 15 individuell ansteuerbaren Segmenten zum Einsatz. Diese ermöglicht es, dauerhaft mit Fernlicht zu fahren, da entgegenkommende und vorausfahrende Fahrzeuge von der Kamera erkannt und gezielt aus dem Lichtkegel ausgeblendet werden.Fahrzeuge
Deshalb wirkt der Bestseller auch am Heck frischer. Abgedunkelte Rückleuchten mit präziser geführten vertikalen Linien und eine überarbeitete Heckklappe prägen die Rückansicht. In der Farbpalette ergänzt der warme, schimmernde Erdton Heather Bronze die Auswahl auf insgesamt acht Außenfarben. Im Innenraum dominiert skandinavische Zurückhaltung. Neu gestaltete Armaturentafeln und Türverkleidungen werden von beleuchteten Dekoreinlagen aus Echtholz oder Aluminium flankiert. Neben den nachhaltigen Stoffbezügen Nordico und Navy Herringbone Weave steht nun eine neue Lederpolsterung in der Farbe Kardamom aus belüftetem Nappaleder zur Auswahl.
Digitale Intelligenz mit Google Gemini und Over-the-Air-Updates
Aber der eigentliche Mittelpunkt des Bedienkonzepts bleibt der frei stehende, hochformatige Touchscreen mit einer Bildschirmdiagonale von 11,2 Zoll. Dahinter arbeitet ein Infotainmentsystem auf Basis von Android Automotive. Als echtes Highlight zieht erstmals die KI-Sprachsteuerung Google Gemini in den XC60 und den XC90 ein. Der digitale Assistent versteht natürliche Alltagssprache und übernimmt Aufgaben von der komplexen Routenplanung mit Zwischenstopps bis hin zum Verfassen und Vorlesen von Nachrichten während der Fahrt.
Deshalb entfällt das starre Auswendiglernen von vordefinierten Sprachbefehlen. Das Fahrzeug passt sich an die Gewohnheiten des Fahrers an. Dank der Fähigkeit zu drahtlosen Over-the-Air-Updates lässt sich die Software des Wagens auch Jahre nach der Auslieferung auf dem neuesten Stand halten. Neue Funktionen, Sicherheits-Updates oder Optimierungen des Anriebsstrangs können komfortabel von zu Hause aus aufgespielt werden, ohne dass ein Werkstattbesuch erforderlich wird.
Sensoren für die Sicherheit: Die neue Elektronik-Plattform
Aber die größte unsichtbare Veränderung betrifft die elektronische Architektur und die gesamte Sensorik. Volvo rüstet den XC60 mit einer komplett neuen Sensorplattform aus. Diese umfasst eine hochauflösende Frontkamera, ein zentrales Frontradar, vier Eckenradare an Front und Heck sowie insgesamt 12 Ultraschallsensoren rund um das Fahrzeug. Das System überwacht das Fahrzeugumfeld lückenlos und bildet die Grundlage für weiterentwickelte Assistenzsysteme. Neu an Bord ist unter anderem der Door Opening Alert, der Insassen beim Aussteigen vor von hinten herannahenden Radfahrern oder Autos warnt.
Das System greift auch in kritischen Fahrsituationen noch entschlossener ein. Ein neuer Kreuzungs-Bremsassistent hilft Kollisionen beim Abbiegen sowie beim Reinfahren in unübersichtliche Kreuzungen zu verhindern. Der Notlenkassistent unterstützt bei Ausweichmanövern, während der Spurwechselassistent des Pilot Assist automatisierte Fahrstreifenwechsel auf der Autobahn geschmeidiger ausführt. Eine neue 3D-Darstellung der 360-Grad-Kamera erleichtert das Rangieren in engen Lücken. Ergänzt wird dieses Paket durch bewährte Volvo-Sicherheitssysteme wie die Oncoming Lane Mitigation, die das Fahrzeug bei drohendem Frontalzusammenstoß zurück in die eigene Spur lenkt, sowie das Schutzsystem Run-off Road Protection.
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