Alte Liebe rostet nicht – Der Beginn einer neuen Ära

Alte Liebe rostet nicht – Der Beginn einer neuen Ära

Es ist mittlerweile eine halbe Ewigkeit her, als der kleine Jürgen am Spielplatz in der Neuhoferstraße in Freistadt in der Sandkasse saß. Mit ihm ein knallroter Ferrari 512 BB und ein Jaguar E-Type in British Racing Green. Die Versuchsanleitung lautete: Welches Fahrzeug übersteht täglich wiederkehrende Crashtests? Dass dieses Ereignis in meinem späteren leben nochmals vorkommen würde, damit konnte ich damals nicht rechnen.

Von der Sandkiste zu Auto Stahl in Wien

40 Jahre und die eine oder andere Automarke später war es dann soweit. 2019 zog mich das Schicksal zu Auto Stahl in Wien 23. Die Aufgabe war, Land Rover und vor allem Jaguars an den Mann und die Frau zu bringen. Es dauerte nicht allzulange und die britische Marke zog mich in ihren Bann. Die Eleganz, die Dynamik und all die Geschichte, die hinter der Marke steckte – ich war schockverliebt. Besonders angetan war ich vom **Jaguar I-Pace**. Produziert in Graz, liebte ich alles an diesem Auto: die Proportionen, die Kombination aus Kraft und Eleganz, die zeitlose Schönheit und die Tatsache, dass das Auto zehn Minuten entfernt von meiner damaligen Freundin produziert wurde. Jedes Wochenende ging mir das Herz auf, wenn ich mit „meinem“ I-Pace am Magna-Werk vorbeifuhr. Ein Gefühl tiefster Verbundenheit und eine Art Stolz, ein Teil dieser Marke zu sein.

Als ich dann auch noch von Rupert zu einer exklusiven Werksbesichtigung eingeladen wurde, war es komplett um mich geschehen. Vorerst… Die Reise ging ja irgendwie weiter, und auch doch nicht.

Die Achterbahnfahrt der Reimagine-Strategie

Ich habe alle Höhen und Tiefen der Reimagine-Strategie miterlebt. Habe mitgefiebert und mich gefreut, als die ersten Erlkönigbilder des elektrischen XJ-Nachfolgers veröffentlicht wurden. Habe mich geärgert, als die Familie Tata das fast fertige Projekt einstampfen ließ, weil die Plattform nicht tragfähig für die künftigen Anforderungen sein würde.

Ich habe die Monate gezählt, als es hieß, 2022 kommt was Neues; es wurde 2023, es wurde 2024, bis Ende 2024 der Type 00 präsentiert wurde – inklusive Shitstorm, der sich wie ein Rattenschwanz hintnachzog.

Empfehlungen

Das alles sei zu woke, Jaguar mutiere zu einer Marke für Schwule, usw. usf. Fachmeinungen von Menschen, die im Leben keinen Jaguar gefahren sind und sich das recht nahmen, laut „Nie wieder Jaguar“ zu brüllen.

Jaguar reagierte – zu meinem Leidwesen auf die Kritik – und entsorgte Mitarbeiter, die maßgeblich an der Strategie beteiligt waren. Gesichter, die die Marke jahrzehntelang prägten.

Ein unvergesslicher Moment in Gaydon

Langsam verstummten die Kritiker und Neider, und es kehrte Ruhe ein. Im Mai dann der nächste große persönliche Meilenstein: zwei Kolleg:innen und ich wurden nach Gaydon eingeladen. Eingeladen, um an Workshops teilzunehmen, die Entwicklung eines Fahrzeugs kennenzulernen und: den Type 01, der damals noch unter dem Projektnamen geführt wurde, in Augenschein zu nehmen.

Wir wurden in einen Hof auf dem Jaguar-Gelände geführt. Da standen sie: zwei Autos, verhüllt unter leichtem Stoff, der lediglich die Konturen erahnen ließ. Dann kamen endlose Ansprachen, welche meine Geduld ins schier Endlose strapazierten, und zack – stand er vor mir… der Type 00… eh schön, kenn ich schon. Ich will das richtige Auto sehen und zack: War er entblößt in seiner ganzen Schönheit und Pracht. Der **Type 01**. Kraftvoll, dynamisch, unvergleichlich und schöner, als ich es mir je erträumt habe, und ein klein bisschen war ich den Tränen nahe…

Ich habe versucht, jede Ecke, jede Falte, jede Rundung aufzunehmen, im Kopf einzuprägen, um in der langen Wartezeit bis zur offiziellen Präsentation davon zehren zu können…

Zurück zu den Wurzeln – und der Blick nach vorn

Tja, und dann kam das Leben… Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht.

Anfang Jänner wechselte ich zurück zu meiner Wurzelmarke Volvo. Für Jaguar selbst blieb kaum noch Zeit, bis ich, zu meinem Leidwesen, komplett aufgeben musste. Was geblieben ist, ist der Name Jürguar, der zerbeulte grüne E-Type in meinem Kinderzimmer in Freistadt und das Gefühl, zumindest eine Zeit lang die Marke auf ihrem Weg begleitet zu haben.

In einigen Stunden ist es nun soweit… um 2 Uhr werde ich vorm Fernseher sitzen, nicht mehr als Teil der Jaguar-Familie, aber als Augenzeuge bei der Geburt von etwas Besonderem für mich und für viele andere, die jahrelang an diesem Projekt gearbeitet haben.

 

 

 

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