Kann der skandinavische Sternenzerstörer die deutsche Oberklasse herausfordern?
Wer das Vergnügen hatte, sich hinter das Steuer der neuesten schwedischen Elektro-Generation zu setzen, spürt sofort: Die Zeiten klassischer Kombis sind längst nicht mehr das einzige Aushängeschild der Marke. Mit dem neuen Volvo ES90 schickt Volvo eine vollelektrische Oberklasse-Limousine ins Rennen, die im britischen Langzeittest von Top Gear-Redakteur Jason Barlow auf Herz und Nieren geprüft wurde – mit faszinierenden Erkenntnissen über Komfort, Technik und die Tücken moderner Automobil-Ergonomie.
Gleiten wie auf Wolken: Flüsterleiser Luxus im Alltag
Auf der Langstrecke entfaltet die auf der modernen SPA2-Architektur basierende Limousine ihre wahren Stärken. Der Innenraum ist dank der geschlossenen Elektro-Architektur so extrem von Wind- und Abrollgeräuschen abgeschirmt, dass Tester Barlow das Fahrgefühl treffend mit einem „skandinavischen Sternenzerstörer“ vergleicht. Das Fahrwerk zeigt sich straff genug für souveräne Kontrolle, bügelt aber die meisten Fahrbahnunebenheiten gekonnt weg.
In puncto Reichweite zeigt sich im realen Alltag ein solides Bild: Zwar verspricht das Datenblatt knapp 400 Meilen, im normalen Testbetrieb pendelt sich der Wert auf sehr praxistaugliche rund 330 Meilen (ca. 530 Kilometer) ein. Auch das integrierte Thermomanagement mit serienmäßiger Wärmepumpe und Vier-Zonen-Klimaanlage sorgt dafür, dass sich der Wagen zu jeder Jahreszeit wie eine Wohlfühloase anfühlt.
Das Interieur: Skandinavisches Design trifft auf Google-Power
Wer den ES90 betritt, landet in einem echten Design-Refugium. Klare Linien, edle Materialien und ein aufgeräumtes Layout dominieren das Cockpit. Das Infotainment-System setzt voll auf die nahtlose Integration von Google-Diensten (Google Assistant, Maps, Waze und Play Store), ergänzt durch blitzschnelle Konnektivität und standardmäßiges Apple CarPlay.
Doch bei aller Begeisterung für die wohnzimmartige Atmosphäre zeigt sich im Alltag auch die Kehrseite des modernen Tech-Trends:
- Bedienung via Touchscreen: Kleine Einstellungen – etwa das Nachjustieren von Außenspiegeln oder Lenkrad während der Fahrt – erfordern oft mehrere Klicks durch die Menüs des 14,5-Zoll-Zentralbildschirms. Im Rückwärtsgang blockiert zudem die Kameraansicht temporär wichtige Menüoptionen.
- Übervorsorgliche Assistenten: Ganz im Sinne der Volvo-Sicherheitshistorie passt das Auto gut auf den Fahrer auf – manchmal jedoch zu gut. Sensoren, die Müdigkeit erkennen wollen, oder akustische Hinweise bei Tempowechseln können im Alltag mitunter für Stirnrunzeln sorgen.
Fazit: Edler Gleiter mit kleinen Digital-Kanten
Der Volvo ES90 beweist im Langzeittest, dass er ein hochkomfortabler, verdammt schneller und optisch eindrucksvoller Herausforderer im Segment der elektrischen Premium-Limousinen ist. Er bietet ein Fahrgefühl der Extraklasse und ein Interieur zum Verlieben – auch wenn man sich an die moderne Touch-Bedienung und die schwedische Bevormundung bei Assistenz-Warnungen erst einmal gewöhnen muss.
Den Original-Langzeittest von Jason Barlow findest du zum Nachlesen auf topgear.com.
