Technologie erobert die Welt in rasantem Tempo – oft mit dem Versprechen von mehr Komfort, Produktivität und Sicherheit. Automobilhersteller packen ihre neusten Fahrzeuge voll mit Displays und Halbleitern. Volvo bildet da keine Ausnahme und positioniert den neuen Volvo EX60 als Vorboten einer softwaredefinierten Zukunft der Marke.
Ein rollendes Rechenzentrum (Megabrain on Wheels)
Das neue zweireihige Elektro-SUV ist weit mehr als nur eine rein elektrische Alternative zum Verbrenner-Modell XC60. Es dient als Schaufenster für das neue digitale Ökosystem der Marke, angeführt vom zentralen Nervensystem **HuginCore**, das sowohl in Eigenregie als auch mit Partnern wie Google, Nvidia und Qualcomm entwickelt wurde. Zu den Hauptvorteilen gehören sinnvollere Over-the-Air-Updates (OTA) über den gesamten Lebenszyklus sowie optimierte aktive Sicherheitsfunktionen.
Als Basis dient die neue **SPA3-Plattform** mit 800-Volt-Elektroarchitektur, die Energieeffizienz und Ladezeiten verbessert. Dank der Integration von Batteriezellen direkt in den Fahrzeugboden als tragendes Strukturelement sowie dem Einsatz von Aluminium-Megacasting für den hinteren Hilfsrahmen (womit über 100 Einzelteile ersetzt werden) konnte zudem Gewicht eingespart werden.
Drei Antriebs- und Batterieoptionen
Der EX60 tritt in einem hart umkämpften Segment gegen Modelle wie Audi Q6 e-tron, BMW iX3 und Mercedes-Benz GLC Electric an:
- P6 (Einstiegsmodell): Einzelner Elektromotor mit Heckantrieb, 369 PS, 80-kWh-Batterie und Schnellladeleistung bis zu 320 kW.
- P10 (Testmodell): Zwei Elektromotoren mit Allradantrieb, kraftvolle 503 PS und eine 91-kWh-Batterie (Ladeleistung bis zu 370 kW).
- P12 (in Vorbereitung): Topmodell mit 670 PS und 112-kWh-Batterie.
- Cross Country: Eine robustere Variante in P10- und P12-abstimmung folgt als Modelljahr 2028.
Laut Volvo können P6 und P10 in nur 10 Minuten rund 160 Meilen (ca. 257 km) Reichweite nachladen; eine Ladung von 10 auf 80 Prozent beansprucht 18 Minuten. Dank serienmäßigem **NACS-Anschluss** ist der Zugang zum Tesla Supercharger-Netzwerk problemlos möglich. Im Test benötigte der P10 lediglich 23 Minuten für den Hub von 10 auf 90 Prozent (bei einer durchschnittlichen Ladeleistung von 204 kW).
Innenraum und Technologie-Lounge
Im Vergleich zum XC60 ist das Elektro-SUV um 3,7 Zoll länger gewachsen und bietet einen um 4,1 Zoll größeren Radstand. Der Kofferraum schluckt im Heck 20 Kubikfuß (ca. 566 Liter) plus ein großes Unterflurfach, ergänzt durch einen vorderen Frunk. Bei umgeklappten Sitzen wächst das Volumen auf 58 Kubikfuß (ca. 1.642 Liter).
Das minimalistische Interieur im skandinavischen Stil besticht durch hochwertige Materialien, ein stoffbezogenes Armaturenbrett und serienmäßiges Glasdach. Im Zentrum arbeitet ein Android-basiertes Infotainmentsystem mit einem reaktionsschnellen 15-Zoll-OLED-Touchscreen. Die Integration von **Google Gemini** ermöglicht natürliche Sprachabfragen, auch wenn die starke Konzentration auf den Touchscreen – selbst Klimaregelung, Lüftungsdüsen, Lenksäule und Spiegel werden darüber bedient – kritisch angemerkt wurde.
Fahrleistungen und Fahreindruck
Der EX60 punktet mit einer erstklassigen Geräuschdämmung (nur 66 Dezibel bei 70 mph) und exzellentem Federungskomfort dank adaptiver Dämpfer im P10. Im Performance-Test sprintete der **P10 in rasanten 3,9 Sekunden von 0 auf 60 mph** (ca. 97 km/h). Zwischensprints von 30 auf 50 mph (1,7 Sek.) und 50 auf 70 mph (2,1 Sek.) sorgen für souveräne Überholreserven. Die Bremsung aus 70 mph gelingt nach vorbildlichen 161 Fuß (ca. 49 Metern).
Mit einem Einstiegspreis von 59,795 US-Dollar für die Basis und rund 68,745 US-Dollar für das getestete P10-Modell (inklusive Extras wie dem hervorragenden 28-Spiekern Bowers & Wilkins Soundsystem) markiert der EX60 einen bedeutsamen Meilenstein in Volvos technologischer Evolution.
Original-Testbericht erschienen auf Car and Driver.
