Mach-E GT/EV6 GT/ET5/2/Model 3: Test

Die brandneuen Starkstromer Nio ET5 und Kia EV6 GT treffen im erste Vergleich auf drei potente Wettberber: Tesla Model 3 Performance, Ford Mustang Mach-E GT und Polestar 2 Long Range Dual Motor Performance.

FORD MUSTANG MACH-E GT IM VERGLEICHSTEST

Bürde oder Booster? Mit dem Mustang im Namen stieg der Erfolgsdruck für den Ford Mustang Mach-E jedenfalls. Spätestens als Ford Mustang Mach-E GT wird der Stromer seinem ehrenwerten Namen in puncto Leistung gerecht. Der netto immerhin 91 kWh große Akku sowie die opulente Leistung (860 Nm!) rüsten den elektrischen Mustang definitiv zum Gran Turismo auf. Durch das in Cyber Orange getunkte Blech (1200 Euro) herrscht keine Verwechslungsgefahr mit dem in Mattgrau zum Vergleichstest angetretenen Kia EV6, der nicht nur eine ähnlich proportionierte Karosserie besitzt, sondern sich in der neuen Topversion ebenfalls die gewichtigen zwei Buchstaben gönnt. Bei den beiden wächst die Erwartungshaltung folglich schon, wenn es um den Platz geht. Vor allem der Ford überragt die Rivalen in der Höhe. Einstieg und Raumangebot in der Fahrgastzelle profitieren entsprechend. Einen Tick großzügiger gestaltet lediglich Kia den Fond des EV6 GT. Dennoch: Verschwenderische Platzverhältnisse bietet hier keiner, auch im Fond des Mach-E GT wird es ab 1,80 Meter knapp für den Kopf.

Knapp wird es auch bei der Qualitätsanmutung. Die ansehnlichen Stoffe im Ford Mustang Mach-E GT genügen, um den Tesla in dieser Disziplin auszupunkten. Ein etwas dünnblechiger Eindruck stellt sich beim Schließen der Türen oder beim Befühlen der Lenkradtasten ein, die wir noch vom aussortierten Fiesta in bester Erinnerung haben. Keine Schande, bei einem Grundpreis von knapp 90.000 Euro aber auch nicht rühmlich. Zudem sind die sportlichen Sitze mehr Schein als sein: Beherzt in die hohen Flanken gezwickt, spürt man sofort den weichen Schaum und keinen haltspendenden Rahmen. Immerhin ist der Bolide voll ausgestattet und kommt auch in Sachen Sicherheit ziemlich komplett daher. Hier hat lediglich der Nio ET5 mehr zu bieten. Fast 2,3 t, die langsamste Beschleunigung und ein hoher Schwerpunkt – kein gutes Omen für die Dynamik, oder? Abwarten! Grundsätzlich gefällt die Fahrwerksabstimmung, radikal hart ist der Mustang nie, allerdings auch nicht so komfortabel wie der Nio ET5 oder das Tesla Model 3 Performance. So passt die Topversion auch in den Alltag.

Jedoch fällt auf: Ähnlich starke und fast ebenso schwere Konkurrenten wie der Polestar 2 stürmen jenseits von 100 km/h dem Ford Mustang Mach-E GT vehement davon. Die Leistungsabgabe beschränkt die Elektronik des Mustang vergleichsweise früh. Dennoch: 4,2 s auf 100 km/h wirken auch hier wuchtig, der künstliche V8-Klang hingegen etwas lächerlich. Der lässt sich aber abschalten. Und wozu die sperrigen Fahrmodi-Namen? Egal, „Temperamentvoll plus“ bietet jedenfalls nur der GT. Fahrwerk und Pedalkennlinie straffen sich, allerdings längst nicht so konsequent wie im Kia EV6 GT. Dennoch liefert der Mustang im Handling einen verbindlichen Eindruck ab, lässt sich dank nun erhärteter Dämpfer sowie der präzisen Lenkung willig entlang der Ideallinie über den Kurs scheuchen. Doch dem Antrieb wird es schnell zu heiß. Die erste Runde ist noch nicht beendet, und von den knapp 500 Pferdchen traben gefühlt kaum noch die Hälfte mit – und der Mustang so eben nur im Galopp. Vermutlich um die vier Sekunden gehen so verloren. Glanzpunkte kann der Antrieb auch nicht bei der Effizienz setzen. Zudem verhindert der sehr hohe Grundpreis jedwede Förderung, was den letzten Platz im Vergleichstest besiegelt.

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