Jaguar XJ-S 5.3 Coupé trifft auf F-Type P575 AWD Coupé

Bald ist der Jaguar XJ-S 50 Jahre alt. Sein mehr oder weniger legitimer Nachfolger, der F-Type, ist auch schon zum Klassiker gereift und das sogar noch innerhal seiner Bauzeit. Höchste Zeit, sich am Steuer beider Modelle zu erinnern.

Jaguars Modellpolitik gerade in Bezug auf die sportlichsten Produkte mag nicht immer konsistent sein. Aber es gibt immer etwas Zweitüriges, was die Herzen von Autofans in aller Welt höherschlagen lässt. Legendär war und ist noch immer der E-Type. Aber wir wollen den Blick hier und heute auf den phasenweise eher ungeliebten XJ-S richten. Als zwei-plus-zwei-sitziges Sportcoupé – mehr gediegen als drahtig, nicht ganz so populär und dennoch mit Hinguckerfaktor – hat es der über 20 Jahre lang produzierte Brite mittlerweile geschafft, einen Platz im Herzen vieler Autoenthusiasten zu ergattern.

Für den zwar immer noch modernen, aber mittlerweile in die Jahre gekommenen F-Type gilt das ebenso. Mit schier unbändiger Power (423 kW/575 PS), verteilt auf beide Achsen, geht vom Antriebskapitel jedenfalls Leidenschaft aus. Aufregendes Design ist das zweite Standbein – garniert mit einem nicht nur starken, sondern ebenso klangintensiven V8-Antriebsstrang, den neuere Regularien der Europäischen Union mittlerweile indes ein bisschen entschärft haben.

Beileibe nicht leise

Leise ist der kompressorbeatmete Fünfliter des F-Type P575 damit aber beileibe noch nicht, ganz im Gegenteil. Immerhin springen etwaige Passanten nicht mehr vor Schreck zurück bei einem beherzten Gasstoß. Dreckiges, bassiges Grollen, wenn auch einen Hauch gedämpfter, kann sich das Allrad-Coupé dann aber doch nicht verkneifen, wenn es unter Volllast und Magengrummeln der Passagiere binnen 3,7 Sekunden die 100 km/h-Position auf der virtuellen Rundskala erstürmt. Der durch eine reaktionsschnelle Achtgang-Wandlerautomatik moderierte Schub endet erst bei künstlich abgeregelten 300 km/h.

Dagegen ist der XJ-S (späte Modelle schreiben sich XJS) schon deutlich mehr Gentleman. In Bezug auf die Fahrleistungen geht das schon rein physikalisch nicht anders – denn mit den 183 kW/249 PS der hier zum Einsatz kommenden US-Variante (strengere Abgasentgiftung, die europäische Version leistet immerhin 287 PS) lassen sich im Kontext mit einem supersanften, aber auch ultra-ineffizienten Dreigang-Wandlerautomaten keine wilden Beschleunigungs-Partys arrangieren. Allerdings stemmt der großvolumige, jedoch etwas unspektakulär klingende Zwölfzylinder mit knapp unter 400 Newtonmetern genügend Drehmoment auf die Kurbelwelle, um als souverän motorisiert durchzugehen.

Besonderer Reiz der zwölf Zylinder

Und überhaupt geht vom Dutzend Töpfen ja immer ein besonderer Reiz aus, nicht umsonst gilt dieses Triebwerk als König des Motorenbaus. Classic Analytics weist darauf hin, dass „es ein knapp geschnittenes Reisecoupé mit Zwölfzylinder von Mitte der Siebzigerjahre bis in die Neunziger nur aus dem Hause Jaguar gab.“ Das stimmt – zumindest unter der Prämisse, dass man die entsprechenden Ferrari-Offerten als zu abgehoben ablehnen musste.

Und Obacht! Unspektakulär heißt in diesem Fall keineswegs langweilig. Säuselig-sämig bringt der 5,3-Liter das noble Coupé auf Tempo und macht aus ihm einen Express-Gran-Turismo, der sich selbst im betagten Alter noch auf der Überholspur hiesiger Autobahnen wohlfühlt. Es darf auch gerne mal eine Schippe mehr als Richtgeschwindigkeit sein, deutlich darüber muss das Reisetempo allerdings nicht liegen. Dann wird es innen erstens anstrengend laut und zweitens sind die Fahrwerke heute deutlich ausgefeilter, wie der moderne F-Type zeigt. Der Geradeauslauf eines historischen Jaguars verlangt jedenfalls ein aufmerksames Lenkverhalten in fortgeschrittenen Geschwindigkeitsbereichen.

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